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Eigenschaft, die kaum jemand kennt, wird auf dem Arbeitsmarkt immer wichtiger

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Eigenschaft, die kaum jemand kennt, wird auf dem Arbeitsmarkt immer wichtiger

Von: Andreas Apetz

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Es gibt viele Buzzwords in der Arbeitswelt, die zwar wichtig erscheinen, aber häufig kaum eine Bedeutung haben. Ein neu formulierter Trendbegriff könnte sich tatsächlich als relevant erweisen.

Frankfurt – Worauf kommt es im Job wirklich an? Fachwissen ist das eine. Auf der anderen Seite wächst die Liste persönlicher und sozialer Kompetenzen stetig weiter. Lebensläufe und Bewerbungsschreiben werden zunehmend mit Begriffen wie Teamfähigkeit, Belastbarkeit oder Flexibilität gefüllt. Viele dieser Bezeichnungen werden so häufig verwendet, dass sie kaum noch Aussagekraft haben. Ein Begriff, der schon seit Jahrzehnten existiert, gewinnt nun wegen der Entwicklungen im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) zunehmend an Gewicht. Gehört haben ihn die wenigsten – die Rede ist von „Agency“.

In der Arbeitswelt taucht Agency immer öfter als Trendbegriff auf, der wie eine konkrete Fähigkeit behandelt wird, fast wie ein Punkt auf der Checkliste im Bewerbungsprozess. Dann steht der Begriff für „Handlungsstärke“, „Eigeninitiative“ oder „Selbständigkeit“. Ursprünglich stammt er jedoch aus der Psychologie. Der Psychologe Albert Bandura beschreibt damit die menschliche Fähigkeit, das eigene Handeln bewusst zu steuern und auf die Umwelt einzuwirken. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Selbstwirksamkeitsüberzeugung, also der Glaube daran, mit dem eigenen Handeln etwas bewirken zu können.

Was Psychologinnen wirklich unter „Agency“ verstehen

Für die heutige Arbeitswelt werde der Begriff allerdings oft zu eng gefasst. „Aus Sicht der Differenziellen Psychologie ist Agency keine Persönlichkeitseigenschaft“, sagt die Organisationspsychologin Stefanie Puckett der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Gemeint sei vielmehr ein Zusammenspiel mehrerer Eigenschaften und Prozesse, etwa Selbstwirksamkeit, Proaktivität, Eigeninitiative, Zielorientierung, Selbstregulation und Verantwortungsübernahme.

In der Praxis verbindet Agency das Gefühl von Selbstwirksamkeit mit konkretem Handeln: „Es geht darum, Absichten in produktives Handeln zu übersetzen und Ziele tatsächlich zu erreichen“, sagt Svenja Hofert, Psychologin und Arbeitsmarkt- und Veränderungsexpertin, der Frankfurter Rundschau. Der entscheidende Unterschied zur reinen Selbstwirksamkeit liege darin, dass Agency das Individuum stets im Kontext betrachte. „Man verändert aktiv etwas im umgebenden System.“

Menschen mit Agency setzten sich selbst Ziele, glaubten an den eigenen Erfolg und setzten diese Ziele konsequent um, statt auf Vorgaben von außen zu warten, erklärt Hofert. „Es ist im Grunde unternehmerisches Denken: handeln, bevor jemand sagt, was zu tun ist, oder eine Erlaubnis erteilt.“ Solche Menschen lösten sich von starren Systemen, blickten neugierig nach vorn und ließen sich nicht von Selbstzweifeln bremsen.

KI verändert die Arbeitswelt: Warum Agency jetzt gefragt ist

Warum der Begriff gerade jetzt an Bedeutung gewinnt, erklärt Hofert mit veränderten Arbeitsbedingungen: „Begriffe entstehen immer dann, wenn veränderte Umweltbedingungen Kompetenzen von uns verlangen, für die wir noch keine Worte haben.“ Die Transformation der Wissensarbeit durch Künstliche Intelligenz fordere heute Menschen, die sich immer wieder neu erfinden können, Vorhaben nicht nur planen, sondern auch eigenverantwortlich in Angriff nehmen – und die Ziele selbst setzen, statt sie von außen vorgegeben zu bekommen. Alte Denkmuster wie reine Zielorientierung reichten in einer vernetzten Arbeitswelt nicht mehr aus.

Für die psychische Gesundheit sei Agency ein Gewinn, sagt Hofert: „Agency stärkt die psychische Gesundheit und fördert die intrinsische Leistung, man handelt aus eigenem Antrieb, nicht für soziale Anerkennung.“ Noch sei der Begriff vor allem in Großkonzernen verbreitet. Das werde sich ändern, ist Hofert überzeugt, weil der Begriff genau beschreibe, was die moderne Arbeit im Zeitalter Künstlicher Intelligenz künftig flächendeckend verlange: eigenständig handeln, sich immer wieder neu erfinden und Ziele selbst setzen, statt sie vorgegeben zu bekommen.

Agency ist nur begrenzt trainierbar – und das hat Folgen

Puckett betont, dass Agency im psychologischen Sinne schon immer wichtig gewesen sei für die psychologische Funktionsfähigkeit, die Gesundheit und die Leistung im Beruf. In Zukunft werde das Konzept aber noch wichtiger werden. Ganz trainierbar sei diese Fähigkeit nicht, schränkt Hofert ein: „Bis zu einem gewissen Grad kann man Agency trainieren. Aber viele Merkmale sind mit Sicherheit genetisch geprägt, und auch eine jahrelange Sozialisation lässt sich nicht einfach abstreifen.“ Mit der zunehmenden Verbreitung Künstlicher Intelligenz stiegen die Anforderungen in der Wissensarbeit massiv, Jobs würden anspruchsvoller. Dieser Schritt werde einigen Menschen deutlich leichter fallen als anderen. (Quelle: eigene Recherche)

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