Eigentümer ist die landeseigene Berlinovo: Zwei Bewohner einer Seniorenwohnanlage nach Legionellenbefall verstorben
In einem Berliner Seniorenwohnhaus ist es nach einem Legionellenbefall der Wasserleitungen zu Todesfällen gekommen. Nach Tagesspiegel-Informationen sind in den vergangenen Tagen zwei Mieter aus der Anlage in Reinickendorf verstorben. Drei weitere Bewohner wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Betrieben wird das Gemeinschaftsprojekt in Tegel von einer Tochterfirma der landeseigenen Wohnungsgesellschaft Berlinovo, die dort Wohnungen vermietet. Die Johanniter sind als Servicedienstleister für die Bewohner tätig. Die Berlinovo ist als Eigentümer verantwortlich für das Gebäude. Die Senatsfinanzverwaltung bestätigte die Todesfälle am Mittwochmittag zunächst auf Anfrage. „Die Nachricht über mehrere Erkrankungs- und mindestens einen Todesfall in Zusammenhang mit einem Legionellen-Befall in einem Seniorenwohnhaus der berlinovo hat mich zutiefst bestürzt“, sagte Finanzsenator Stefan Evers (CDU). In seinem Amt ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Berlinovo. „Mein aufrichtiges Mitgefühl in diesen schweren Stunden gilt den Betroffenen und ihren Familien.“ Berlinovo teilte mit: „Ob die Krankenhausaufenthalte und Todesursachen im Zusammenhang mit den Legionellen stehen, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen.“ Drei Mieter seien bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Legionellen-Befall kam durch Zufall heraus Der Legionellenbefall soll nach Angaben eines Sprechers am 8. Juli durch das Gesundheitsamt Reinickendorf festgestellt worden sein. Allerdings war das wohl nur ein Zufall. Der Bewohner sei vor der Wohnanlage gestürzt und verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort seien dann im Blut Legionellen festgestellt worden. „Eine weitergehende Infektionsgefahr durch den Legionellenbefall konnte durch das Notfallmanagement vor Ort verhindert werden“, teilte Berlinovo mit. Nach Bekanntwerden des Befalls seien alle Mieter „unverzüglich“ informiert worden. Auch sei ein Duschverbot ausgesprochen worden. Als Sofortmaßnahme seien eine thermische Desinfektion, das Spülen in allen Wasserauslässen und die Installation von Filtern in den Duschen und sonstigen Armaturen der Wohnungen veranlasst worden, teilte Berlinovo mit. Die Installation in den Duschen sei am vergangenen Freitag abgeschlossen worden. Den Angaben zufolge hat das Gesundheitsamt ein Trinkwasserentnahmeverbot aus allen Zapfstellen ohne Filter erteilt. „Zusätzlich werden alle technischen Anlagen überprüft“, teilte das Unternehmen mit. Mitarbeiter von Berlinovo und der Johanniter unterstützten die Bewohner, etwa mit Trinkwasser für den täglichen Bedarf. Bereits im Februar gab es einen Vorfall In einem anderen Hausaufgang der Wohnanlage seien bereits im Februar Legionellen festgestellt worden, sagte ein Unternehmenssprecher. Zu dieser Zeit sei das Problem mit den üblichen Maßnahmen gelöst worden. Der neue Fall betreffe einen anderen Hausaufgang, sagte ein Berlinovo-Sprecher. Die Darstellung, dass der neue Legionellen-Befall seit dem Frühjahr bekannt gewesen, aber nichts dagegen unternommen worden sein soll, wies der Sprecher zurück. Finanzsenator Evers soll am Dienstagabend von Berlinovo-Geschäftsführerin Caroline Oelmann von den Todesfällen erfahren haben. Am Mittwochnachmittag besuchte er die Wohnanlage. Danach sagte er: „Der Schutz der Menschen und erst recht vulnerabler Gruppen in unseren Beständen hat für mich als Aufsichtsratsvorsitzenden oberste Priorität. Es wurde zügig gehandelt und eine größere Infektionsgefahr verhindert.“ Von der Geschäftsführung erwarte er, dass der Vorfall schnellstmöglich aufgeklärt und umfassend aufgearbeitet werde. Legionellen sind Bakterien. Gefährlich werden sie beim Aufdrehen des Wasserhahns oder der Dusche, weil dann Aerosole, also in der Luft verteilte Minitröpfchen, eingeatmet werden. In der Lunge können Legionellen eine schwere Lungenentzündung auslösen. Ältere Menschen sind wegen ihrer gesundheitlichen Konstitution besonders gefährdet. Legionellen entstehen in Wasserleitungen und Warmwassertanks, wenn das Wasser nicht ausreichend erhitzt wird.