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Ein Feind vereint Amerika - der Aufstand gegen Trumps KI-Traum

Wirtschaft

Thiel, Altman & Co.

Die neuen Anführer Amerikas – und das ganze, unheimliche Ausmaß ihrer Macht

Von Corinna Baier

Der Ausbau der entsprechenden Infrastruktur ist auf dem besten Weg, zur größten wirtschaftlichen Zukunftswette in der Geschichte der USA zu werden. „Wir bauen mehrere Cluster im Multi-Gigawatt-Bereich“, sagt Mark Zuckerberg, der Chef des Konzerns Meta: „Allein einer davon hat eine Fläche, die ungefähr der Größe von Manhattan entspricht.“

In finanzieller Hinsicht können Rechenzentren für klamme Bezirksverwaltungen aber auch ein Segen sein. Wie man von dem Boom profitiert, demonstriert Loudoun County in Virginia. Nordwestlich von der Hauptstadt Washington liegt der Landkreis, den sie in den USA auch „Data Center Alley“ nennen, die Rechenzentren-Allee.

Der einstige Internetriese AOL hatte hier jahrelang seinen Hauptsitz. In den 2000er Jahren kamen die ersten Serverfarmen hinzu. Heute gibt es mehr als 250 Rechenzentren in Loudoun County. Der Landkreis ist für den Rest des Landes zu einer Art Fallbeispiel dafür geworden, wie man die Großanlagen für sich nutzt und zu Geld macht. Steuern, die auf die Computerausrüstung in den Rechenzentren erhoben werden, sollen im kommenden Jahr Erträge von rund 1,3 Milliarden US-Dollar generieren, was mehr als 40 Prozent der gesamten Steuereinnahmen von Loudoun County entspricht.

Die Geldflut hat es dem Bezirk ermöglicht, die Grundsteuern für die Einwohner im vergangenen Jahrzehnt um etwa 30 Prozent zu senken. Doch obwohl außerdem die Schulbudgets aufgestockt wurden und erst vor Kurzem ein 100 Millionen Dollar teures Gemeindezentrum mit mehreren Pools und Sportanlagen entstand, regt sich auch hier Widerstand gegen den Ausbau.

„Wir sind schlicht zu weit gegangen“, sagt Juli Briskman, die sich im Verwaltungsrat der Region um Wirtschaftspolitik und Entwicklung kümmert. Bei den ersten Bebauungsplänen wurden die riesigen Zentren wie konventionelle Bürogebäude behandelt, erzählt sie, ohne damals Faktoren wie Lärm, Umweltbelastung und die Nähe zu Wohngebieten zu berücksichtigen.

„Warum bauen wir eigentlich immer mehr davon, wurde ich gefragt. Anfangs konnte ich noch entgegnen: Sie bringen jede Menge Einnahmen, und eure Grundsteuern sinken“, erzählt Briskman. „Heute heißt es dann: ,Schön und gut, aber mittlerweile beeinträchtigen sie unsere Lebensqualität.‘ Und wenn die Lebensqualität der Menschen leidet, spielt die Höhe ihrer Steuern nun mal eine untergeordnete Rolle.“

Inzwischen hat die Bezirksverwaltung von Loudoun County eine zwölfmonatige Aussetzung von Bauanträgen genehmigt, nachdem der Druck durch die Anwohner zu groß geworden war. Nun sollen restriktivere Standards ausgearbeitet werden.

In Harford County in Maryland sind sie noch einen Schritt weitergegangen, auch dank des Engagements von Bryan Cornell und Krissy Flatau. Sie mobilisierten so erfolgreich gegen Rechenzentren in der Nachbarschaft, dass die fünf Republikaner und zwei Demokraten im Bezirksrat erst kürzlich einstimmig ein Verbot solcher Anlagen beschlossen.

Der Kampf gegen Rechenzentren eint Amerikas Gesellschaft

Weder Cornell noch Flatau waren vorher politisch aktiv. Parteipolitik habe sie nie interessiert. Cornell sagt, er habe einst Barack Obama gewählt. Zuletzt stimmte er aber für Trump, weil er an dessen Versprechen glaubte, Kriege zu beenden oder sämtliche Epstein-Akten offenzulegen. Seine Hoffnungen wurden enttäuscht. Bei seinem Kampf gegen Rechenzentren habe er nun eines gelernt: Auf die Regierung in Washington könne man sich nicht verlassen. Wer etwas bewegen will, muss selbst anpacken.

„Das Erstaunliche an dieser Bürgerbewegung ist“, sagt Krissy Flatau, „dass sich Menschen unterschiedlichster Herkunft daran beteiligen und wir gemeinsam auf das Ziel hingearbeitet haben, unsere Gemeinde und unseren Landkreis zu schützen.“

Demokraten leisteten neben Republikanern Widerstand. Der Kampf gegen Rechenzentren eint Amerikas polarisierte Gesellschaft. Dass auch eine wachsende Zahl republikanischer Politiker trotz Trumps KI-Offensive umschwenkt, überrascht Flatau nicht: „Es geht hier um Lebensqualität und Mitspracherecht. Diese Anlagen werden einfach errichtet, und plötzlich stellen die Menschen fest, dass sie gar keine Wahl haben.“

Innerhalb der republikanischen Partei gibt es jedoch zwei Lager. Laut jüngsten Umfragen sprechen sich 54 Prozent des traditionellen Flügels gegen den Bau von Rechenzentren aus. Nur unter selbst ernannten MAGA-Anhängern gibt es noch eine Mehrheit für mehr Serverfarmen. Während der Großteil der Bevölkerung bei diesem Thema zusammensteht, erhöht es die Spannungen in der Partei des Präsidenten.

Selbst der texanische Gouverneur Greg Abbott, der wie Donald Trump umfassende Deregulierung befürwortet, bremst den Ausbau der Rechenzentren. Erst vor ein paar Wochen führte er wesentliche Beschränkungen ein. So müssen die Betreiber von nun an etwa die Kosten für den Anschluss an die Strominfrastruktur zu 100 Prozent selbst tragen. Diese Maßnahme soll verhindern, dass private Stromkunden finanziell für den Ausbau des Stromnetzes für Industrieanlagen belastet werden.

Vor zehn Monaten feierte Abbott noch Googles geplante Investition in KI-Infrastruktur in Höhe von 40 Milliarden Dollar und bezeichnete Texas als „Epizentrum der KI‑Entwicklung“. Aber damals war noch nicht absehbar, dass sich Trumps KI-Agenda zu einem solchen Reizthema entwickeln würde. Auch der Gouverneur Greg Abbott steht im November zur Wiederwahl. Seine demokratische Herausforderin Gina Hinojosa setzt ihn erheblich unter Druck, in manchen Umfragen liegt sie inzwischen vorne. Ein Bekenntnis zu Trump beim Thema Rechenzentren könnte ihn den Sieg kosten. Deshalb schlägt sich selbst Abbott auf die Seite der Kritiker.

Viel davon sei jedoch Wahlkampfgetöse, meint der Politikwissenschaftler Todd Belt von der George Washington University in der Hauptstadt. „Es fällt schwer, das allzu ernst zu nehmen, wenn man bedenkt, dass es vor der Wahl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine gesetzgeberischen Maßnahmen auf bundesstaatlicher Ebene geben wird. Der Kongress tagt derzeit nicht, und selbst wenn die Abgeordneten zurückkehrten und ein Gesetz verabschiedeten, würde Trump es wohl nicht unterzeichnen.“

Dennoch wächst auf lokaler Ebene die Hoffnung, den Bau der Rechenzentren generell abwenden zu können. An einem Mittwochabend Ende September sitzen etwas mehr als 100 Bürger in einem grell ausgeleuchteten Saal der Bezirksverwaltung von Frederick County in Virginia, eine gute Autostunde westlich von Loudoun County. Anders als ihre Bezirksnachbarn blieben die Menschen hier bisher von der Invasion der Rechenzentren verschont – noch. Denn Pläne gibt es jede Menge.

Um 19 Uhr beginnt die Sitzung des Bezirksrats. Sieben ältere Männer, allesamt Republikaner, lenken die Geschicke des Landkreises.

Ihnen gegenüber sitzt Alex Ritter, 30 Jahre jung. Für ihn ist es ein bedeutender Termin. Denn auf der Tagesordnung steht eine Abstimmung, ob Rechenzentren auch in Frederick County dauerhaft verboten werden sollen.

Ritter hat die Bürgerinitiative „Protect Frederick“ gegründet, die sich gegen solche Serverfarmen und für Umweltbelange in der Region einsetzt. Er fürchtet, dass der republikanische Bezirksrat trotz des massiven Protests einen Weg finden wird, Rechenzentren zu erlauben.

Dann darf jeder im Publikum das Wort ergreifen, jeweils drei Minuten lang. Fünfzehn Bürger haben sich in die Rednerliste eingetragen, noch einmal zehn stehen zwischen den Sitzreihen und wollen ebenfalls ans Mikrofon.

„Wir zahlen für das überbeanspruchte Stromnetz“, sagt einer. „Warum konkurrieren wir nicht mit China bei der Beseitigung der Obdachlosigkeit oder um erschwingliche Lebensmittelpreise zu erreichen?“

Eine junge Frau sagt: „Wir sind nicht auf Erden, um sie für Profit zu verkaufen.“

Raubbau an der Natur, die Gier der Konzerne, die Intransparenz der Politik – all das wird in den Redebeiträgen beklagt. Eine Diskussion gibt es nicht, der Vorsitzende des Bezirksrats bedankt sich nur kurz nach jeder Wortmeldung. Danach beschließt das Gremium mehrheitlich das Verbot von Rechenzentren in Frederick County.

Eigentlich ein Erfolg, sagt Alex Ritter im Anschluss an die Sitzung – hätte es nicht noch eine zweite Abstimmung gegeben. Der Bezirksrat verfügte, zwei Bauprojekte, die derzeit geprüft werden, von dem Beschluss auszunehmen. Alex Ritter und seine Initiative wollen das nicht akzeptieren. Der Kampf der Bürger von Frederick County gegen die KI geht in die nächste Runde.

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