Ein Gesichtsfoto verrät das Sterberisiko
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KI schätzt Sterberisiko von Krebspatienten anhand eines Gesichtsfotos
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Die KI stufte Krebspatienten anhand ihrer Gesichtsfotos nach dem Sterberisiko ein. Wie treffsicher war sie dabei?
Cambridge – Ein KI-System kann anhand eines einzigen Gesichtsfotos das Alter einer Person schätzen und Krebspatienten nach ihrem Sterberisiko einordnen. Das Modell wurde mit mehr als 40 Millionen Gesichtsaufnahmen trainiert. Nach Angaben der Forscher wurde damit erstmals das Überleben bei Krebs direkt anhand eines einfachen Fotos prognostiziert, berichtet EurekAlert.
In einer Testgruppe mit 3.820 US-Krebspatienten ordnete das System die Teilnehmer unterschiedlichen Risikogruppen zu. Die Sterblichkeitsrate der höchsten Risikogruppe war mehr als dreimal so hoch wie die der niedrigsten. Mehr als die Hälfte der Hochrisikopatienten starb innerhalb von drei Monaten, berichtet EurekAlert.
Zwei Modelle analysieren Gesichtsmerkmale
Forscher von Mass General Brigham und Partnerinstitutionen, darunter die Harvard Medical School, entwickelten das System FAHR-Face. Es umfasst zwei Werkzeuge: FAHR-FaceAge schätzt anhand des Gesichts das sogenannte biologische Alter, das den Gesundheits- und Funktionszustand statt des tatsächlichen Lebensalters abbilden soll. FAHR-FaceSurvival prognostiziert das Überleben bei Krebs direkt, ohne zuvor das Alter zu schätzen, berichtet EurekAlert.
Die Modelle berücksichtigen unterschiedliche Gesichtsbereiche. FAHR-FaceAge gewichtet unter anderem die Falten zwischen Nase und Mundwinkeln sowie Stirn und Schläfen. FAHR-FaceSurvival konzentriert sich stärker auf die Bereiche unter den Augen und um den Nasenrücken. Die Ergebnisse liefern unterschiedliche, sich ergänzende Hinweise auf den Gesundheitszustand, so Direto Notícias.
Der Ansatz knüpft daran an, dass Ärzte häufig schon beim ersten Blick einen Eindruck vom Zustand eines Patienten gewinnen. Das System soll solche visuellen Einschätzungen messbarer, einheitlicher und für viele Patienten nutzbar machen. Es soll individuelle Entscheidungen unterstützen, die ärztliche Beurteilung aber nicht ersetzen, berichtet EurekAlert.
Alltagsfotos liefern ähnliche Ergebnisse
Nach Angaben des Forschungsteams blieb die Leistung des Modells über unterschiedliche Alltagsfotos hinweg weitgehend stabil. Veränderungen bei Haltung, Beleuchtung, Gesichtsausdruck und Make-up hätten die Schätzungen nur geringfügig beeinflusst. Das Team zeigte sich von dieser Robustheit überrascht, berichtet EurekAlert.
Zugleich gab es Zusammenhänge zwischen dem geschätzten Gesichtsalter und bestimmten Lebensstilfaktoren. Starker Alkohol- und Drogenkonsum sowie insbesondere Rauchen waren mit einem höheren geschätzten Alter verbunden. Aktive Raucher wirkten älter als ehemalige Raucher, diese wiederum älter als Nichtraucher. Bei aktiven Rauchern lag die Abweichung zwischen geschätztem und tatsächlichem Alter um etwa drei Jahre höher als bei Nichtrauchern, berichtet EurekAlert.
Älteres Aussehen korreliert mit Sterberisiko
Über mehrere Patientengruppen hinweg zeigte sich ein Zusammenhang zwischen dem geschätzten Gesichtsalter und dem Überleben. Krebspatienten, die mindestens fünf Jahre älter wirkten, als sie tatsächlich waren, hatten ein deutlich höheres Sterberisiko. Eine Analyse ergab einen Anstieg um 21 Prozent. Wer jünger wirkte, hatte dagegen ein geringeres Risiko, berichtet Scientific American.
Auch unabhängig von anderen berücksichtigten Faktoren hing die Abweichung zwischen geschätztem und tatsächlichem Alter mit dem Überleben zusammen. Kombinierten die Forscher dieses Maß mit dem direkten Überlebensscore in einem klinischen Prognosemodell, verbesserte sich die Vorhersage gegenüber der Verwendung nur einer der beiden Kennzahlen, berichtet Scientific American.