Ein legendäres Spionageflugzeug, das in 33 Jahren kein einziges Mal abgeschossen wurde, ist von einem Nasa-Stützpunkt verschwunden
Eine SR-71 Blackbird ist nicht mehr dort zu sehen, wo sie seit Jahren auf dem Gelände des Armstrong Flight Research Center in Kalifornien ausgestellt war. Das Flugzeug mit der Nasa-Kennung 844 verschwand laut Satellitenbildern spätestens Mitte Mai von seinem Platz nahe der Edwards Air Force Base.
Der Journalist Steve Trimble von „Aviation Week“ hatte zuerst darauf hingewiesen, dass die Maschine auf kommerziellen Satellitenaufnahmen seit dem 17. Mai 2026 nicht mehr an ihrem früheren Standort auftaucht.
SR-71 verschwindet vom Nasa-Gelände
Bei dem Jet handelt es sich um die letzte gebaute SR-71 und auch die letzte, die jemals flog. Ihren Abschiedsflug absolvierte sie am 9. Oktober 1999. Zuvor hatte die US-Luftwaffe das Flugzeug an die Nasa ausgeliehen, die es in den 1990er Jahren als Plattform für Hochgeschwindigkeits- und Höhenforschung nutzte.
Später hieß es, die Maschine sei in diesem Jahr in einen Hangar gebracht worden, damit sie untersucht werden könne, berichtet das Fachportal „The Aviationist“. Allein das wäre noch kein Beweis für größere Pläne. Flugzeuge, die lange im Freien stehen, müssen regelmäßig überprüft und konserviert werden.
Nach Angaben des „Aviationist“ soll die Nasa frühere Mitglieder des SR-71-Programms gefragt haben, ob sie bei einer möglichen Rückkehr in den Flugbetrieb mitarbeiten würden. Bestätigt ist das nicht.
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Isaacman spricht von neuen schnellen X-Flugzeugen
Befeuert werden die Vermutungen durch Äußerungen von Nasa-Chef Jared Isaacman. Bei einem Auftritt in Los Angeles zeigte er eine Folie mit der Überschrift „Neugestaltung unseres X-Plane-Portfolios“. Darauf war die Silhouette eines Flugzeugs zu sehen, die stark an die Blackbird erinnerte. Auf die Frage, ob das eine SR-71 sei, antwortete er nur: „Sind Sie sicher, dass das eine Blackbird ist?“
Bereits im Juli hatte Isaacman angekündigt, die Nasa werde wieder „hoch und schnell“ fliegen. Bei der Flugshow AirVenture sagte er: „Wir bauen unser X-Plane-Portfolio wieder auf. Wir gehen höher, wir gehen schneller, bis die Grenzen zwischen Atmosphäre und Weltraum verschwimmen.“
Auf die Frage nach einem neuen bemannten Hyperschallflugzeug oder einem Nachfolger der SR-71 sagte Isaacman außerdem, dieses Feld sei aus Entwicklungssicht von großem Interesse. Bei einer Podiumsrunde nannte er die Blackbird spontan als jenes Flugzeug, das er am liebsten noch fliegen würde. Als ein Moderator nachlegte, ob er sie zurückbringen könne, antwortete Isaacman: „Das ist geheim.“
Rückkehr der Blackbird wäre extrem teuer
Die Nasa selbst hält sich bedeckt. Auf Nachfrage des Fachportals „The War Zone“ (TWZ) hieß es, man erkenne das große Interesse an der SR-71 und ihrer Geschichte bei der Behörde an, habe zum Flugzeug derzeit aber keine weiteren Informationen.
Eine Wiederinbetriebnahme wäre kompliziert und teuer. Von der SR-71 wurden nur 32 Exemplare gebaut. Ihre J58-Triebwerke brauchten den Spezialtreibstoff JP-7, der seit Jahren nicht mehr regulär hergestellt wird.
Schon kurz nach dem Ende des Programms hatte eine mögliche Reaktivierung laut „TWZ“ 40 bis 45 Millionen US-Dollar gekostet (heute umgerechnet rund 35 bis 40 Millionen Euro). Fast 27 Jahre später dürfte der Aufwand deutlich höher liegen.
Warum ausgerechnet Nr. 844 für eine Rückkehr infrage kommt
Die 844 gilt dennoch als bester Kandidat. Sie stand im trockenen Klima der Mojave-Wüste, was die Substanz schont. Außerdem erhielt sie bei der Nasa technische Verbesserungen, darunter ein digitales System für Flug- und Lufteinlasssteuerung. Das reduzierte die berüchtigten Triebwerksaussetzer bei hohem Tempo deutlich.
Es bleibt deshalb weiter offen, ob die Blackbird tatsächlich noch einmal fliegen soll, ob sie nur gründlich überholt wird oder ob die Nasa den Jet als Vorlage für ein neues Hochgeschwindigkeitsflugzeug nutzt.
Der Mythos hinter der SR-71 Blackbird
Die Lockheed SR-71 Blackbird war ein strategisches Aufklärungsflugzeug der USA und gilt bis heute als eines der schnellsten bemannten Flugzeuge der Geschichte. Die Maschine erreichte mehr als Mach 3, also über 3500 Kilometer pro Stunde, und stieg auf rund 25 Kilometer Höhe.
Entwickelt wurde sie im Kalten Krieg für Aufklärungsflüge über große Distanzen. Die Maschine flog ab Januar 1966 für die US-Luftwaffe und für die Nasa. Ihre extreme Geschwindigkeit und Flughöhe machten sie für viele gegnerische Jäger und Luftabwehrsysteme praktisch unerreichbar. Nach US-Angaben wurde keine SR-71 jemals im Einsatz abgeschossen.
Gebaut wurde die Blackbird überwiegend aus Titan, weil die Außenhaut bei Höchsttempo durch Luftreibung auf mehrere hundert Grad erhitzt wurde. Insgesamt entstanden nur 32 Exemplare. Das Flugzeug war technisch hochkomplex, sehr teuer im Betrieb und schwierig zu fliegen. Zwölf Maschinen gingen durch Unfälle oder Defekte verloren. 1998 endete der reguläre Flugbetrieb.