Ein Strafraumbulle mit Tempo: Milos Lukovic im DBB-Porträt
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Neuzugang-Porträt
Ein Strafraumbulle mit Tempo: Milos Lukovic im DBB-Porträt
28.08.2026, 11:08 Uhr - Autor: Eric Scherer
Der 1. FC Kaiserslautern hat noch einen Stürmer verpflichtet, leiht Miloš Luković von Racing Straßburg. Auf den ersten Blick passt der 20-Jährige ideal ins Beuteschema von Sportdirektor Marcel Klos. Einiges an der Personalie macht jedoch stutzig.
Foto: Imago Images
Naatan Skyttä, Paul Joly, Mario Sauer und Norman Bassette lassen grüßen. Wieder wurde Lauterns Sportchef auf dem französischen Markt fündig, wieder kommt ein Junge, dem schon im Juniorenalter eine internationale Karriere prophezeit worden war, der auf seinen Durchbruch aber noch wartet - was im Übrigen auch für die aus Hoffenheim und Newcastle geliehenen Erencan Yardimci und Alex Murphy zutrifft.
Was bei Luković ins Auge sticht, ist die hohe Ablöse, die Straßburg im Januar 2024 nach Serbien an den FK IMT Belgrad überwies. 4,7 Millionen Euro ließen sich die Franzosen den Stürmer kosten. Luković war kurz zuvor gerade erst 18 Jahre alt geworden. Anschließend lieh ihn Straßburg direkt wieder nach Belgrad aus, damit er die Spielzeit dort abschließen konnte.
Kaiserslautern ist schon die vierte Leihstation
Nachdem Luković im Sommer dann endgültig ins Elsass gewechselt war, blieb er dort aber nie für lange. Kaiserslautern ist nun schon seine vierte Leihstation, die Rückleihe zu Belgrad mitgerechnet sogar die fünfte. Zwischenzeitlich sammelte er beim SC Heerenveen in den Niederlanden, bei UD Las Palmas in Spanien und bei Preston North End in Englands zweiter Liga Spielpraxis. Oder versuchte es zumindest.
Was stimmt da nicht? Glauben die Straßburger nicht mehr an den Spieler, der ihnen vor zwei Jahren noch so viel wert war? Oder wollen sie ihn aus anderen, womöglich unerfreulichen Gründen loswerden?
Kaum. Hinter den vielen Leihen steckt ein wenig sympathisches Geschäftsmodell, wie es im internationalen Fußball immer häufiger vorkommt.
Bei BlueCo geht's weniger um den Klub, mehr um Wertsteigerung
Racing Straßburg gehört zum Investorenkonsortium BlueCo, das auch Eigentümer des FC Chelsea ist. Und bei solchen Multi-Ownership-Konstrukten werden junge Talente nicht nur verpflichtet, um sie zielgerichtet für den Verein auszubilden, der sie unter Vertrag genommen hat. Es geht auch darum, ihren Marktwert auf ein Niveau zu steigern, das ordentlich Gewinn verspricht. Teurer werden jedoch nur Spieler, die sich auf dem Platz profilieren können. Ergo: Wenn irgendwo anders mehr Einsatzzeiten zu erwarten sind als im Profiteam eines ambitionierten französischen Erstligisten, werden sie eben dorthin verliehen.
Und die 4,7 Millionen Euro für Luković waren zum Zeitpunkt des Einkaufs sogar ein Schnäppchen. Einschlägigen Online-Portalen zufolge ging sein Marktwert damals schon in Richtung zehn Millionen. Denn Luković spielte bei Belgrad gerade eine Hammersaison.
Schon mit 17 Kapitän und Torjäger
Im Sommer 2023 war er gerade einmal 17 Jahre alt - und Trainer Nebojša Jandrić bestimmte ihn direkt zum Kapitän. Er stürmte an der Seite seines neun Jahre älteren Bruders Luka. Bis zur Winterpause hatte Miloš bereits zehn Buden gemacht - da griff Racing schon zu. Nach der Winterpause kamen in der regulären Saison noch drei weitere Tore hinzu, in der anschließenden Abstiegsrunde vier. Einen Treffer markierte er im Pokal.
Hier sind die Highlights seiner starken Saison 2023/24 zusammengefasst - bezeichnenderweise unter dem Titel "Future of Serbia". Interessant: Der 17-Jährige schoss für seinen Klub auch schon die Elfmeter.
In Straßburg setzte Luković zunächst eine Knieverletzung - genauer: eine Ischialgie, ein eingeklemmter Nerv hinter dem Knie - außer Gefecht. Bis zur Winterpause hatte er lediglich elf Einsatzminuten in der Ligue 1 absolviert. Die erste Leihe nach seiner Rückkehr aus Belgrad stand an - zum SC Heerenveen. Die der Junge euphorisch begrüßte. Denn Trainer dort war niemand Geringerer als der ehemalige niederländische Weltklassestürmer Robin van Persie, von dem Luković lernen wollte. Was er nach eigener Aussage auch tat. Er beschrieb sein Verhältnis zum Trainer später als "fantastische Vater-Sohn-Beziehung".
"Abschlussstürmer, der sich im Strafraum bewegt"
Am Ende dieser Halbsaison standen acht Startelfeinsätze, fünf Einwechslungen und drei Tore für den 19-Jährigen zu Buche. Hier ist der Treffer zu sehen, mit dem er sich am letzten Spieltag aus Heerenveen verabschiedete. Ein Elfmeter, den er als gefoulter Spieler selbst verwandelte. Interessanter ist im Grunde, wie er ihn herausholt - mit bulligem Strafraumeinsatz:
"Ich bin ein Abschlussstürmer, der sich gerne im Strafraum bewegt", sagt Luković über sich selbst. So sah ihn auch sein nächster Trainer, auf den er im spanischen Las Palmas traf. "Ein sehr guter Abschlussspieler, schnell und stark im Verwerten von Chancen", lobte Luis García, ebenfalls ein ehemaliger Spitzenspieler, der die längste Zeit seiner Karriere bei Espanyol Barcelona auflief.
Bereits bei seinem Debüt gegen Córdoba steuerte Luković einen Treffer und einen Assist zum 3:1-Auswärtssieg bei. Dabei offenbarte der Strafraumbulle noch eine weitere Qualität: Tiefenläufe. Bis zum Ende der Halbserie kam er auf 14 Startelfeinsätze und drei Einwechslungen in der zweiten spanischen Liga und hatte noch drei weitere Buden gemacht. Hier seine Highlights in der Zusammenfassung.
Gar nicht so schlecht eigentlich. Daher ist es schade, dass die Straßburger meinten, Luković in der Winterpause nach England weiterreichen zu müssen. Denn in der Championship bei Preston North End kam er gar nicht zum Zug. Ein einziger Einsatz über 45 Minuten gegen Portsmouth, das war's.
Die vierte Leihe setzt ihn nun besonders unter Druck
Sein Vertrag in Straßburg läuft noch bis 2028. Für einen gewinnbringenden Weiterverkauf wäre 2027 also ein naheliegender Zeitpunkt. Spieler und Stammverein stehen nun unter Druck. Denn Luković müsste seinen Marktwert so langsam mal in die Höhe treiben, wenn sich die 4,7-Millionen-Euro-Investition noch auszahlen soll. Von daher erscheint es unwahrscheinlich, dass der FCK eine Kaufoption mit den Franzosen vereinbart hat. Das war auch bei den Leihen nach Heerenveen und Las Palmas nicht der Fall. Wie bei dem Deal mit Preston verfahren wurde, ist nicht bekannt.
"Mit Miloš gewinnen wir nochmal einen physisch kompakten Spieler für die Offensive hinzu, der sehr antrittsschnell und torgefährlich ist. Er ist variabel einsetzbar und kann sowohl als alleinige Spitze als auch in der Doppelspitze zum Einsatz kommen", beschreibt Marcel Klos den Neuen.
Ein anderer Typ als Prtajin oder Berisha
Nach unserer Einschätzung sollte Luković weder als 1:1-Ersatz für den nach wie vor schmerzlich vermissten Ivan Prtajin noch für das von Trainer Torsten Lieberknecht so bezeichnete "mittelfristige Projekt" Mergim Berisha angesehen werden. Prtajins Kopfballqualität hat er schon gleich gar nicht. Und Luković ist nicht unbedingt einer, der wie Berisha seinen Mitspielern entgegenkommt. Sondern lieber an der Abseitslinie lauert, um seine Stärken auf den letzten 30 Metern vorm gegnerischen Tor auszuspielen, insbesondere im Strafraum.
Von daher entspricht sein Profil eher dem im Sommer wieder abgewanderten Norman Bassette, ohne dass er über dessen Schnelligkeit verfügt. Im aktuellen Kader gleicht seine Spielweise am ehesten wohl der von Erencan Yardimci.
Dabei ist er beweglicher, als seine eigene Einschätzung als "Strafraumstürmer" es erwarten lässt. Hier seine bei "Sofascore" entnommene Heatmap aus seiner Topsaison 2023/24 bei Belgrad. Da war der Junge auf dem Platz gut unterwegs, wie man sieht.
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