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Ein Toter bei Schüssen nahe Paris - rassistische Terror-Tat?

Welt

Die Stimmung in Frankreich ist wegen anhaltender Proteste aktuell angespannt. Nun gab es Schüsse auf offener Straße in einer Stadt bei Paris – mit einem Todesopfer. Die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Sie habe ein Ermittlungsverfahren wegen "Mordes im Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung" eingeleitet, teilte die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Bürgermeister spricht von Anschlag mit rassistischem Hintergrund

Die Tat sei zudem "aufgrund der tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit zu einer angeblichen Rasse, Ethnie, Nation oder bestimmten Religion begangen" worden, so die Staatsanwaltschaft weiter. Die Ermittlungen betreffen außerdem den Tatbestand des "Besitzes einer Waffe der Kategorie A", zu der insbesondere automatische Waffen gehören, die Salven abgeben, sowie der "Beteiligung an einer terroristischen kriminellen Vereinigung mit dem Ziel der Vorbereitung von Verbrechen gegen Menschen".

"Was wir heute miterlebt haben, ist objektiv gesehen ein Anschlag mit rassistischem, wahrscheinlich islamophobem Hintergrund", sagte der Bürgermeister von Trappes, Ali Rabeh, vor der Presse. "Die Menschen, die heute ins Visier genommen wurden, das hätten auch meine Mutter, meine Brüder, meine Schwägerinnen sein können", so Rabeh.

Was ist konkret passiert?

Die Schüsse ereigneten sich laut Polizei am Vormittag gegen 10.30 Uhr im Département Yvelines, das im westlichen Teil der Pariser Großraumregion liegt. Zunächst wurde in der Gemeinde Trappes geschossen, dann fuhr der Mann den Angaben nach weiter in die angrenzende kleine Gemeinde La Verrière. Laut Innenminister Laurent Nuñez schoss der Verdächtige an drei verschiedenen Orten aus dem Wagen heraus.

Ein Mensch kam dabei ums Leben, vier weitere wurden teils sehr schwer verletzt, darunter ein zwölfjähriges Kind. Der Bürgermeister von La Verrière, Nicolas Dainville, sagte dem Sender BFMTV, dass die verletzte Zwölfjährige von acht Schüssen getroffen worden sei, was die Schwere der Lage verdeutliche. Rabeh sagte, das Mädchen schwebe "zwischen Leben und Tod". Der Schütze wurde nach Angaben aus Polizeikreisen kurz danach im nahegelegenen Coignières festgenommen.

Bei dem Verdächtigen handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um einen 1987 geborenen Mann. Sein Strafregister weise vier Verurteilungen auf, die von Rechts wegen getilgt seien. Seine Wohnung wurde demnach am Abend durchsucht. "Da für die Durchsuchung seiner Wohnung gemäß den Bestimmungen der Strafprozessordnung seine Anwesenheit erforderlich ist, wurde er bislang noch nicht von den Ermittlern vernommen", hieß es. Bei der Durchsuchung seines Fahrzeugs wurden den Angaben nach eine Maschinenpistole sowie eine Tränengasgranate entdeckt.

Muslimischer Dachverband zeigt sich in Mitteilung entsetzt

Dem Sender BFMTV sagte Bürgermeister Rabeh, der Mann habe offensichtlich wahllos geschossen und ein "Blutbad" anrichten wollen. Das Todesopfer sei "afrikanischer Herkunft", ein Verletzter in Lebensgefahr sei zudem "maghrebinischer Herkunft". Die Stadt wollte eine psychologische Betreuungsstelle einrichten.

Der muslimische Dachverband in Frankreich zeigte sich in einer Mitteilung nach der Tat entsetzt. Er warne unablässig vor den Folgen von Hassreden, Stigmatisierung und der Suche nach Sündenböcken, die von bestimmten Medien und politischen Verantwortlichen mitgetragen und dadurch in der öffentlichen Debatte zunehmend banalisiert würden, so der Conseil français du culte musulman (CFCM) auf der Plattform X.

Sollte sich der rassistische und islamfeindliche Charakter des Angriffs bestätigen, wäre er ein tragisches Beispiel für die Gefahren, die von Hassideologien und entsprechenden Äußerungen ausgehen, hieß es weiter. Der CFCM rufe die Musliminnen und Muslime in Frankreich zu äußerster Wachsamkeit auf.

"Die Ermittlungen laufen noch, aber es handelt sich eindeutig um ein terroristisches Verbrechen", sagte Nuñez vor Journalistinnen und Journalisten in Trappes. Die Motive müssten noch abschließend geklärt werden, so Nuñez.

Stimmung in Frankreich angespannt

Premierminister Sébastien Lecornu bezeichnete den Fall als sehr ernst. Alle Ressourcen der Sicherheitskräfte und der Justiz seien in vollem Umfang mobilisiert, erklärte er im Onlinedienst X.

Präsident Emmanuel Macron stattete Trappes für Gespräche mit Einsatzkräften einen Besuch ab. Zuvor hatte er sich auf X tief erschüttert über die Attacke gezeigt und Anerkennung gegenüber den Sicherheitskräften geäußert. Medienberichten zufolge bezeichnete der Élysée-Palast den Vorfall als "rassistischen Terroranschlag".

Erst am Wochenende war es am Rande von Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem zu massiven Ausschreitungen gekommen. Tausende Geschäfte wurden geplündert, Rathäuser und Polizeistationen angegriffen und Gebäude in Brand gesetzt. Als Reaktion darauf wurden in mehreren Großstädten nächtliche Ausgangssperren verhängt. Pariser Museen bleiben an diesem Wochenende geschlossen.

Mit Informationen von AFP und dpa.

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