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Ein Wahlkampf-Fest: Volkstribun auf hellblauer Simson

Nation

Mitten im historischen Harz-Städtchen, auf der Festwiese Kleers an den Fischteichen, erinnerte am Sonntagvormittag ein Wahlkampf-Fest an die Aufbruchsjahre nach der deutschen Einheit. Reporter Gregor Leip, der für Alexander-Wallasch.de vor Ort mit dabei war, schildert dazu seine Eindrücke: „Bereits geraume Zeit vorher waren schon 5.000 Besucher da, möglicherweise bis zu 1.000 davon mit Simson-Mofas und Motorrädern. Dazu eine große Anzahl nostalgischer Wartburg- und Trabant-Fahrzeuge.“

Gegenüber, getrennt durch eine Straße und eine knappe Hundertschaft Polizei, standen lediglich etwa hundert Gegendemonstranten aus Antifa-, linken und grünen Kreisen. „Diese machten jedoch keinerlei Anstalten, die Veranstaltung zu stören – das Übergewicht der AfD-Anhänger, der Nostalgiker und der Anwohner war einfach zu groß“, berichtet Leip.

Kurz vor elf Uhr erschien Ulrich Siegmund selbst – nicht in einer dunklen Limousine oder einem SUV, sondern am Lenker einer hellblauen Simson, den weißen Helm auf dem Kopf. Er ließ seinen Fahrer vorausfahren und steuerte persönlich auf das Gelände zur Bühne. Dort widmete er sich zunächst den anwesenden Journalisten, darunter holländische und britische Reporter, Teams vom NDR und anderen Sendern sowie Blogger. Leip: „Allen schenkte er die gewünschte Aufmerksamkeit.“

Nach einer knappen fünfminütigen Ansprache Siegmunds betraten weitere Redner die Bühne: der Landesvorsitzende Martin Reichardt, stellvertretender Landesvorsitzender sowie der Direktkandidat aus Quedlinburg, Dennis Möhring. Währenddessen stand Siegmund selbst mindestens eineinhalb Stunden in einer Menschenschlange von etwa einhundert Metern Länge. Jeder, der es wünschte, bekam ein Selfie, ein Foto oder eine Unterschrift.

„Ein neuer Mauerfall!“

Als der Tross schließlich startet, schildert Leip Szenen, die ihn 37 Jahre zurückversetzen: „Dann setzte sich der Tross in Bewegung – unter einem Gestank und einem Lärm, wie ich ihn persönlich das letzte Mal nach der Wende erlebt habe, als DDR-Bürger mit ihren Trabis in die westlichen Großstädte fuhren, um ihr Begrüßungsgeld abzuholen und umzusetzen. So kam mir das heute vom Geruch, von der Lautstärke und von diesem dröhnenden Ton der Simson-Mofas vor. Es fühlte sich an wie 37 Jahre nach der Wende – ein neuer Mauerfall!“

Besonders beeindruckt den Reporter der Gemeinschaftssinn der mitteldeutschen Teilnehmer. „Die mitteldeutschen Bürger, die dort vor Ort waren, zeigten einen Gemeinschaftssinn, wie ich ihn hier in Westdeutschland lange nicht mehr oder noch nie erlebt habe. Höflich, freundlich, keine bösen Worte. Jeder macht Platz, jeder lacht und freut sich mit dem anderen.“ Dieses Klima sei an allen Ecken spürbar gewesen – an der Bockwurstbude, der NVA-Gulaschkanone und im Umgang mit einem Behinderten im Rollstuhl. „Ein rundum gemeinschaftliches Denken“, so Leip. „Und ich glaube, diese positive Stimmung ist mehr als nur eine Momentaufnahme. Hier ist etwas entstanden, das eine ganz eigene Dynamik entwickelt hat. Die Basis, die Siegmund hinter sich versammelt hat, ist in der gegenwärtigen politischen Landschaft einzigartig – für die anderen Parteien wäre es aktuell unvorstellbar, eine derartige Stimmung des Aufbruchs zu erzeugen.“

Die Veranstaltung fügt sich in eine Serie von vier Simson-Touren ein, mit denen Siegmund im Wahlkampf zur Landtagswahl am 6. September 2026 gezielt an die ostdeutsche Nostalgie und den Wunsch nach Bodenständigkeit anknüpfte. Frühere Ausfahrten in Tangermünde, Jeßnitz und Weißenfels hatten bereits hunderte Teilnehmer begeistert.

Aktuelle Umfragen sehen die AfD in Sachsen-Anhalt bei 41 bis 43 Prozent und damit klar vor der CDU. Siegmund selbst wird von Anhängern als volksnaher „Einer von uns“ wahrgenommen – ein Bild, das er als „Volkstribun“ mit dem Auftritt auf dem Kult-Moped bewusst pflegt.

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