Eine Milliarde Euro bis 2050: Google hält Akw in Finnland am Leben
Woher soll der ganze Strom kommen? Der gigantische Energiehunger von Datenzentren für Künstliche Intelligenz bringt Tech-Konzerne auf ungewöhnliche Lösungen. Nun hat der US-Internetriese Google in Finnland einen langfristigen Stromabnahmevertrag mit dem Energieversorger Fortum geschlossen. Er soll dazu beitragen, das Kernkraftwerk Loviisa bis 2050 am Netz zu halten.
Google plant in Finnland in den nächsten beiden Jahren Investitionen in Höhe von 13 Milliarden Euro in neue KI-Infrastruktur. Der Strom dafür soll unter anderem aus Loviisa kommen, der Konzern will bis zu 50 Prozent der Kapazität des Atomkraftwerks abnehmen. Gleichzeitig wollen Fortum und Google gemeinsam in erneuerbare Energien und Flexibilitätslösungen wie Batterien investieren.
Milliarden-Investitionen nötig
Der Deal mit Google erhält das 1977 fertiggestellte Kernkraftwerk sowjetischer Bauart weiter am Leben: Nach Angaben von Fortum werden dort in den kommenden Jahren Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro erforderlich. Die langfristige Vereinbarung mit Google soll diese Investitionen absichern.
Nach Angaben der beiden Unternehmen ist es die erste Vereinbarung dieser Art in Europa. Für Unternehmen wie Google hat Atomstrom dabei mehrere Vorteile: Kernkraftwerke können kontinuierlich Strom liefern und verursachen im Betrieb kaum CO₂-Emissionen. Gleichzeitig sind sie weniger abhängig von Wetterbedingungen als Wind- und Solaranlagen.
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„Auf Jahrzehnte abgesichert“
Mit dem Deal leiste Google einen Beitrag dazu, „eine wichtige Energiequelle im Stromnetz zu halten“, sagt Aris Karcanias, Energie- und Infrastrukturchef von Google in Europa. „Damit tragen wir dazu bei, die Auswirkungen abzufedern, die das Abschalten einer bedeutenden Erzeugungskapazität im Süden des Landes auf das Energiesystem hätte.“ Zusammen mit weiteren Investitionen in Erneuerbare Energien und Speicherlösungen hoffe man, „ein Modell für die verantwortungsvolle Integration von KI in die europäischen Energiesysteme zu entwickeln.“
Der Vertrag geht dabei über eine klassische kurzfristige Strombeschaffung hinaus. Fortum hat zwar bereits eine Betriebsgenehmigung für Loviisa bis 2050, bislang war der Betrieb des Kraftwerks über 2030 hinaus aber nicht sicher, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Die Kooperation mit Google sichere „den verlässlichen Weiterbetrieb unseres Loviisa-Kraftwerks auf Jahrzehnte hinaus ab“, sagt Fortum-Chef Markus Rauramo.
Alt statt neu
In den USA setzen Unternehmen schon seit längerem auf bestehende Atomkraftwerke. Die US-Regierung unterstützt unter anderem die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Anlagen mit Milliardenkrediten. Im US-Bundesstaat Iowa soll ein neugestartetes Atomkraftwerk ebenfalls Strom für Datenzentren an Google liefern.
Der Vorteil dieser Strategie: Alte Kernkraftwerke fit zu halten, geht wesentlich schneller als ein Neubau. Neue Atomkraftwerke benötigen häufig viele Jahre bis zur Fertigstellung und waren in Europa und den USA in der Vergangenheit immer wieder mit Verzögerungen und erheblichen Kostensteigerungen konfrontiert. Den Finnen sind die Pannen rund um das Kernkraftwerk Olkiluoto noch gut im Gedächtnis: Dort ging erst 2023 ein neuer Reaktorblock in Betrieb – 13 Jahre später und viermal teurer als geplant.