Eine Sache ist den Menschen wichtiger als ein langes Leben
Eine groß angelegte Studie in fünf Ländern zeigt, wie alt die meisten Menschen gerne werden wollen. Doch gesund und lange leben um jeden Preis? Nein, denn auf eine Sache möchte dafür kaum jemand verzichten. Der Wunsch nach einem langen und gesunden Leben ist so alt wie die Menschheit selbst. Doch wie viele Jahre sich die Menschen tatsächlich konkret erhoffen und was sie bereit wären, dafür aufzugeben – das hat das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) nun in einer internationalen Befragung ermittelt. Für die Untersuchung gaben insgesamt 5.000 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren in Deutschland, Frankreich, Japan, Schweden und den USA Auskunft über ihre Vorstellungen vom Älterwerden. Die Ergebnisse offenbaren eine bemerkenswerte Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit – und klare Prioritäten. In nahezu allen untersuchten Ländern übertrifft das gewünschte Lebensalter die statistische Lebenserwartung. Befragte in Deutschland nannten im Durchschnitt 85,6 Jahre als Wunschalter – rund vier Jahre mehr als die statistische Lebenserwartung von 81,4 Jahren. Noch ambitionierter äußerten sich die Schweden mit 89,9 Jahren (statistisch: 83,3 Jahre) und die US-Amerikaner mit 87,9 Jahren (statistisch: 79,3 Jahre). Franzosen wünschen sich im Mittel 87,6 Jahre bei einer statistischen Lebenserwartung von 83,3 Jahren. Eine Ausnahme bildet Japan. Dort gaben die Befragten ein Wunschalter von durchschnittlich 80,8 Jahren an – und damit fast vier Jahre weniger als die dortige statistische Lebenserwartung von 84,7 Jahren. Lebensgenuss hat Vorrang vor Langlebigkeit Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung: Die überwältigende Mehrheit der Befragten in sämtlichen Ländern stellt den Lebensgenuss über das Ziel eines möglichst langen Lebens. Nur eine Minderheit erklärte sich bereit, zugunsten der Gesundheit bewusst auf Genüsse zu verzichten. In Japan, den USA und Frankreich steht rotes Fleisch ganz oben auf der Liste der unverzichtbaren Genüsse. In Deutschland und Schweden hingegen fiele der Abschied von Salz am schwersten. Am leichtesten würde den Befragten quer durch alle Länder der Verzicht auf Zigaretten fallen, gefolgt vom Verzicht auf Alkohol. Bewegung und Schlaf ja – spezielle Longevity-Medizin nein Alltagsnahe Gesundheitsmaßnahmen wie regelmäßige körperliche Aktivität, ausreichender Schlaf, soziale Kontakte und Vorsorgeuntersuchungen gehören in vielen Ländern bereits zum Repertoire der Befragten. Spezialisierte medizinische Longevity-Angebote – etwa epigenetische Alterstests oder gezielte Anti-Aging-Behandlungen – fristen dagegen bislang ein Nischendasein. Allerdings zeigt sich der NIM-Studie zufolge ein moderates Interesse an solchen Anwendungen für die Zukunft, insbesondere in den USA. Dass zwischen Wissen und Handeln eine erhebliche Lücke klafft, bestätigen die genannten Gründe, die die Menschen daran hindern, mehr für ein gesundes Leben zu tun: In Deutschland führten die Befragten vor allem mangelnde Disziplin, zu hohe Kosten, die Priorisierung von Genuss und Zeitmangel als Gründe an, warum sie nicht mehr für ihre Gesundheit tun. In Japan spielte zusätzlich fehlendes Wissen eine Rolle, während US-Amerikaner auch Datenschutzbedenken äußerten. Aufklärung erwünscht, Verbote unerwünscht Grundsätzlich befürworten die Befragten in allen Ländern eine staatliche Unterstützung für gesundes Altern. Allerdings genießt keine einzelne Maßnahme besonders breiten Rückhalt. Am ehesten akzeptiert werden niedrigschwellige Ansätze wie Aufklärungskampagnen und Präventionsprogramme. Regulatorische Eingriffe – etwa höhere Steuern auf Zucker, Tabak oder Alkohol – stoßen hingegen auf deutlich geringere Zustimmung. Verbote bilden das Schlusslicht der Akzeptanz. Die Menschen in Deutschland und Frankreich zeigen sich laut der NIM-Erhebung insgesamt noch am offensten gegenüber solchen Instrumenten, während jene in Japan, Schweden und den USA stärkere Vorbehalte hegen. Mehr Zeit für Familie und Reisen – kaum jemand will länger arbeiten Bei der Frage nach der Verwendung zusätzlicher gesunder Lebensjahre stehen in vier von fünf Ländern Familie und Freunde an erster Stelle. In Deutschland liegen die Antworten "Zeit mit Familie und Freunden" sowie "Reisen und neue Erfahrungen" mit jeweils 47 Prozent gleichauf. In Schweden dominiert der Wunsch nach familiärer Nähe mit 55 Prozent besonders deutlich, gefolgt von Reisen mit 49 Prozent. In den USA nannten 51 Prozent Familie und Freunde, 41 Prozent Reisen. Einzig in Japan rangieren Reisen und neue Erfahrungen mit 47 Prozent auf dem ersten Platz, gefolgt von Hobbys und aufgeschobenen Projekten mit 43 Prozent. Empfehlungen der Redaktion Mehr zahlen für Gesundheit? Wie wir die Krankenkassen-Reform zu spüren bekommen Er möchte ewig leben – jetzt leidet er an einer unheilbaren Erkrankung Essen, das uns glücklich macht Auffällig gering fällt in allen Ländern der Wunsch aus, die gewonnene Lebenszeit für eine Verlängerung des Berufslebens zu nutzen: In Deutschland erklärten lediglich neun Prozent, länger arbeiten zu wollen. (red)