"Einfach unanständig": SPD-Politiker Schmidt kritisiert Schröder-Reise
SPD-Politiker Schmidt bei "Lanz"
"Sowas ist einfach unanständig"
Von Charlotte Zink
15.10.2026 - 03:02 UhrLesedauer: 3 Min.
Ein Foto zeigt Putin und Schröder eng beieinander. SPD-Politiker Wolfgang Schmidt hat eine klare Meinung und erkennt beim Altkanzler ein Motiv.
Warum verwendet Ex-Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt Jägersprache in Bezug auf Bärbel Bas? Das wollte Markus Lanz in der Nacht zum Donnerstag von dem SPD-Mann wissen. Nachdem Bas am Montag ihre Ämter als SPD-Vorsitzende und Bundesarbeitsministerin niedergelegt hatte, habe Schmidt gemutmaßt, sie sei "waidwund" geschossen, so der Moderator. Was meint er damit?
Politiker seien Menschen mit unterschiedlichen Belastungsgrenzen, erklärte der Ex-Kanzleramtschef. Wenn man ständig das Gefühl habe, Angriffen ausgesetzt zu sein, könne jeder unterschiedlich viel aushalten.
Es habe viel Kritik an Bas gegeben, räumte Lanz ein, aber das sei eben Teil von Politik. "Das ist es", stimmte Schmidt zu. Trotzdem gingen Menschen damit unterschiedlich um. Über die Äußerungen nach dem Bas-Rücktritt, erklärte der SPD-Mann: "Ich fand die Reaktion im Anschluss auch nicht immer nur glücklich." Er habe jedoch den Eindruck, dass alle zwischenzeitlich nachgedacht hätten und zu dem Schluss gekommen seien, dass es ein wenig zu viel war.
Die Gäste
Evan Gershkovich, US-Journalist
Wolfgang Schmidt (SPD), Ex-Kanzleramtschef
Vor allem Bas‘ Co-Vorsitzender Lars Klingbeil und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hatten die Union nach dem Rücktritt der Parteichefin scharf für ihre Kritik an Bas kritisiert. Bundeskanzler Friedrich Merz habe sich mit verbalen Angriffen auf die Ex-Bundesarbeitsministerin "unanständig" verhalten, erklärte Schwesig unter anderem. "So etwas gehört sich nicht", hatte Klingbeil der Union über ihren Umgang mit Bas, die um ihre Stieftochter trauert, vorgeworfen.
Schmidt mutmaßt über Schröder-Motiv
Schmidt erklärte die Spannung zwischen den Regierungspartnern damit, dass in lagerübergreifenden Koalitionen beide Seiten sich aufrieben, da sie ständig Kompromisse eingehen müssten. Für viele sei das extrem anstrengend, so der Ex-Kanzleramtschef. Lanz ließ diese Erklärung nicht gelten. Bei den öffentlichen Streitigkeiten gehe es nicht um Kompromisse, erklärte er. "Das ist richtig hartes Gezänk", so der Moderator. Das sei das Ergebnis einer permanenten Auseinandersetzung in der Sache, entgegnete der SPD-Mann. Er werbe dafür, Entspannung in die Diskussion zu bringen und nicht jeden Streit zur Macht- und Charakterfrage zu eskalieren.
Lanz sprach mit Schmidt auch über ein anderes kontrovers diskutiertes SPD-Thema: die Verbindung zwischen Altkanzler Gerhard Schröder und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Beide hatten am 7. Oktober gemeinsam den 74. Geburtstag des Kremlchefs gefeiert. Ein Foto des Kremls zeigte sie lachend und dicht beieinanderstehend während eines Handschlags. "Wie kam sowas an in der SPD?", wollte Lanz von Schmidt wissen. "Furchtbar!", antwortete der. "Sowas ist einfach unanständig", fügte er hinzu und erinnerte daran, dass der angestrebte Ausschluss Schröders aus der SPD aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung nicht gelungen sei.
Er glaube, dass Schröder die Hoffnung hege, politisch noch gebraucht zu werden, um einen Friedensdeal zu verhandeln, mutmaßte Schmidt. Das ist jedoch "völlig illusorisch", stellte er klar. Es gebe keinerlei Hoffnung, dass Putin und Schröder etwas zustande brächten, was andere auch nicht hinbekommen hätten. Der russische Präsident könne den Krieg gegen die Ukraine jederzeit beenden, werde das aber nicht wegen seiner Beziehung zu Schröder tun, so die Einschätzung des Ex-Kanzleramtschefs.
Journalist Gershkovich spricht über Haft
Über seine persönliche Erfahrung mit dem Regime des russischen Machthabers sprach US-Journalist Evan Gershkovich. Er war 2023 während seiner Zeit als "Wall Street Journal"-Reporter in Moskau wegen des Vorwurfs der Spionage verhaftet worden. Seine Freilassung nach 491 Tagen war einem historischen Gefangenenaustausch zu verdanken, den Schmidt damals mitverhandelt hatte. Unter anderem wurden 2024 der wegen eines Mordes im Berliner Tiergarten zu lebenslanger Haft verurteilte Agent des russischen Geheimdienstes Wadim Krasikow freigelassen.
Bei Lanz berichtete Gershkovich über die große Angst, die er bei seiner Festnahme durch vermummte Agenten empfand und wie er in Haft im Fernsehen erfuhr, dass er "Verhandlungsmasse" für die Freilassung russischer Gefangener sei. Er habe keine Folter erlebt und es sei ihm trotz Ärger und einiger Tiefpunkte gelungen, nicht aufzugeben. "Ich habe das Ganze wie eine Reportage behandelt", so der Journalist über seine Zeit in Haft.
Nach seiner Entlassung habe er an einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten und sich therapeutische Hilfe gesucht. Auch sei er zurück in seiner Heimat von Sinneseindrücken zunächst "völlig überwältigt" gewesen, so der US-Amerikaner. Mittlerweile lebt und arbeitet er in Berlin. Ob es nach einem solchen Erlebnis ein Zurück in ein normales Leben gebe, wollte Lanz von ihm wissen. "Ich denke schon, dass man sowas hinter sich lassen kann", erklärte Gershkovich.