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Einsatz in Texas: Augenzeugen widersprechen Darstellung der Einsatzkräfte

Allgemein

Der in Houston von einem Beamten der US-Migrationsbehörde ICE getötete Mexikaner war nach Angaben der Kongressabgeordneten Sylvia Garcia gar nicht Ziel des Einsatzes. Das habe ihr der amtierende Direktor der Migrationsbehörde ICE, David Venturella, in einem Gespräch gesagt, teilte Garcia auf der Plattform X mit. Dennoch sei er von Beamten ohne Uniform getötet worden, ohne Aufnahmen von Körperkameras und „ohne Antworten für seine Familie.“ Auch Zeugenaussagen wecken Zweifel an der Darstellung der Einsatzkräfte. Nach Angaben des Heimatschutzministeriums soll Lorenzo Salgado Araujo sich den Anweisungen der Beamten widersetzt, mit seinem Auto ein Einsatzfahrzeug gerammt und anschließend versucht haben, einen Beamten mit seinem Fahrzeug zu erfassen. Daraufhin habe ein ICE-Beamter geschossen. Die Angaben der Behörden lassen sich bislang nicht unabhängig überprüfen. Wie die „Washington Post“ berichtet, erzählen drei Zeugen, die mit Salgado im Auto gewesen waren, allerdings von einem anderen Ablauf. Darunter ist auch ein Bruder des Getöteten. Demnach habe der ICE-Mitarbeiter fast unmittelbar nachdem er ausgestiegen war geschossen. Auch habe Salgado mit dem Auto zu keinem Zeitpunkt in Richtung des Schützen ausgeschert. Über den Anwalt von zweien der drei Mexikaner hatte die „Washington Post“ Zugang zu den Schilderungen der Zeugen. Alle drei sind seit dem Vorfall inhaftiert, da sie sich ohne Papiere in den USA aufgehalten hatten. Laut der Zeitung halten sie sich seit mehr als zwei Jahrzehnten im Land auf und sind nicht vorbestraft. Auf sie wartet nun ein Abschiebeverfahren. ICE spricht von „Notwehr“ Die Migrationsbehörde ICE hatte mitgeteilt, der Getötete habe während einer „gezielten Fahndungsaktion“ versucht, sich der Festnahme zu entziehen. Er habe ein Fahrzeug der ICE-Mitarbeiter gerammt, verbale Anweisungen missachtet und versucht, mit seinem Wagen einen Mitarbeiter zu überfahren. Daraufhin habe dieser „in Notwehr“ geschossen. Der Mann sei in einem Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Warum sich der Getötete Lorenzo Salgado Araujo illegal in den USA aufgehalten haben soll, erklärte die Behörde nicht. Zu dem Vorwurf, Salgado habe seinen Wagen als Waffe eingesetzt und versucht, den ICE-Mitarbeiter zu überfahren, hieß es laut „Washington Post“ in einem schriftlichen Statement eines der Zeugen: „Das ist eine Lüge.“ Weder vor noch hinter dem Wagen hätten sich Einsatzkräfte befunden. Den Zeugen zufolge sei der Wagen der Einsatzkräfte nicht gekennzeichnet gewesen, habe sie verfolgt, beschleunigt und dann vor ihnen eingeschert. Salgado habe gebremst und den Wagen gewendet. Erst dann hätten die Einsatzkräfte das Blaulicht eingeschaltet. Schließlich hätten mehrere Einsatzfahrzeuge das Auto mit Salgado und seinen Mitfahrern eingekesselt. Ein ICE-Mitarbeiter sei dann aus einem Wagen gesprungen, habe „Stopp!“ gerufen und von der Beifahrerseite auf das Auto geschossen. „Als er auf meinen Bruder geschossen hat, hielt er mir die Waffe direkt vor das Gesicht“, erinnert sich der Bruder des Getöteten, der auf dem Beifahrersitz saß, laut der „Washington Post“. Die Einsatzkräfte hätten den getroffenen Salgado aus dem Auto gezogen und ihm Handschellen angelegt. Die drei Zeugen hätten hilflos mit ansehen müssen, wie er immer weiter ausblutete. Auch der Sohn des Getöteten äußerte sich bereits. Ihm zufolge stand sein Vater kurz vor dem Erhalt einer Arbeitserlaubnis. Salgado sei ein Familienmensch gewesen, der seit 35 Jahren Häuser in der Region gebaut habe, um seinen drei Söhnen ein Studium sowie seinen Arbeitern „den amerikanischen Traum zu ermöglichen", sagte Ronaldo Salgado auf einer Pressekonferenz. Eine kriminelle Vorgeschichte habe sein Vater nicht gehabt. „Mein Vater hat das nicht verdient“, schrieb Salgado zuvor auf Facebook. „Mein Vater lebte seit fast 35 Jahren in diesem Land und arbeitete auf dem Bau, um für mich, meine beiden Brüder und meine Mutter zu sorgen.“ Salgado habe genau gewusst, wie er sich bei einer Kontrolle der Einwanderungsbehörde verhalten müsse, sagte dessen Sohn. Hätten sich die Beamten eindeutig als solche zu erkennen gegeben, hätte er angehalten und kooperiert. Sein Vater habe bei dem Einsatz Todesangst gehabt und sei deshalb vor ihm unbekannten Fahrzeugen geflohen, sagte er. „Er war überzeugt, dass denen Gutes widerfährt, die hart arbeiten.“ Der tödliche Vorfall ereignete sich inmitten eines verschärften Vorgehens der US-Behörden gegen Migranten. Die örtliche Kongressabgeordnete Sylvia Garcia forderte eine „vollständige und unparteiische Untersuchung“. Roman Palomares, Präsident der Bürgerrechtsorganisation League of United Latin American Citizens (LULAC), schloss sich der Forderung an. „Wir haben ein Muster von ICE-Beteiligungen an Schießereien und exzessiver Gewaltanwendung gesehen“, sagte er. Der demokratische US-Abgeordnete aus Texas, Al Green, forderte die Veröffentlichung der Bodycam-Aufnahmen der ICE-Beamten. Er sprach von der Notwendigkeit, einen möglichen Vertuschungsversuch auszuschließen. Die Bundespolizei FBI soll die Ermittlungen leiten. Die Polizei von Houston ist nach eigenen Angaben nicht beteiligt. Das Heimatschutzministerium hat laut eigenen Angaben interne Ermittlungen wegen der Schussabgabe eingeleitet. Mexiko plant rechtliche Schritte Salgado ist nicht der erste Mexikaner, der bei einem ICE-Einsatz getötet worden ist. Mexiko hat inzwischen angekündigt, rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen in den USA einzuleiten. Wie Außenminister Roberto Velasco mitteilte, sind bisher drei mexikanische Migranten bei Abschieberazzien und 14 weitere in Migrations-Haftzentren ums Leben gekommen. Velasco sprach von einer „schmerzhaften Tragödie“, auf die man auf Anweisung der Präsidentin Claudia Sheinbaum nicht mehr nur diplomatisch, sondern auch juristisch vor den Staatsanwaltschaften der betroffenen Bundesstaaten sowie gegenüber dem US-Justizministerium reagieren werde. Neben der Erstattung von strafrechtlichen Anzeigen plant Mexiko, die privaten Unternehmen zivilrechtlich zu verklagen, die die Haftzentren von ICE betreiben. Auch Velasco fordert eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls, der zum Tod von Lorenzo Salgado Araujo am 7. Juli geführt hatte. „Dieser Vorfall muss mit äußerster Ernsthaftigkeit untersucht werden“, forderte Velasco. Fotos und Videos des Vorfalls Die Angaben zu dem Vorfall lassen sich nicht unabhängig überprüfen. In ähnlichen Fällen zuvor hatten Videoaufnahmen der Einsätze erhebliche Zweifel an den Darstellungen der Behörde aufgeworfen.

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