Eintracht Braunschweig
2. Bundesliga
Braunschweig - 96: Darum ist das 185. Niedersachsenderby besonders brisant
Stand: 24.10.2026 18:19 Uhr
Es steht viel auf dem Spiel im 185. Niedersachsenderby. Wenn Eintracht Braunschweig am Sonntag in der 2. Bundesliga Hannover 96 empfängt, geht es um mehr als drei Punkte. Es herrscht Erfolgsdruck auf dem Platz und Angst vor Ausschreitungen unter den Fans.
"Mir wurde hier von Tag eins an die Wertigkeit dieses Spiels nahe gelegt", berichtet der neue 96-Trainer Sandro Wagner vor seinem Derby-Debüt: "Wenn ich jetzt sage, das ist ein ganz normales Spiel, dann denken die Leute in Hannover, ob der noch ganz knusper ist." Und Eintracht-Coach Lars Kornetka erklärt: "Es ist ein Derby mit einer extremen Stimmung im Umfeld."
In Braunschweig stimmten sich Fans und Mannschaft am Samstag gemeinsam im Stadion auf die Partie ein. Die Anhänger zündeten Pyrotechnik und skandierten: "Wir wollen den Derbysieg!"
Sportlich stehen sowohl die "Löwen" als auch die "Roten" enorm unter Druck. Beide Mannschaften benötigen am Sonntag (13.30 Uhr, im NDR Livecenter) dringend einen Sieg. Der BTSV hat aus den jüngsten acht Pflichtspielen nur einen Sieg eingefahren und zuletzt beim 0:2 bei Greuther Fürth enttäuscht. Hannover ist unter Wagner noch sieglos (0:3 in Magdeburg, 1:1 gegen St. Pauli).
Wagner: "Müssen in einen Flow kommen"
Sollte 96 Sonntag bei der Eintracht verlieren, würde der Erzrivale in der Tabelle vorbeiziehen. Das will Wagner natürlich unbedingt vermeiden. "Wir müssen in einen Flow kommen", fordert der Hannover-Trainer. "Das geht nur über Arbeit. Ich erwarte sehr viel Energie von meiner Mannschaft."
Bei 96 hakt es vor allem offensiv. In bislang acht Zweitliga-Spielen gelangen erst acht Treffer. Und mit Lars Gindorf (Viruserkrankung) und Benedikt Pichler (Wade) fallen am Sonntag zwei wichtige Angreifer aus.
Platzt bei Benjamin Källman der Knoten?
Nun ruhen Hannovers Hoffnungen mehr denn je auf den Schultern von Benjamin Källman. Der Finnen-Stürmer ist in dieser Saison zwar noch ohne Treffer, erzielte aber beim jüngsten Auswärtsderby in Braunschweig zwei Tore.
"Wenn man mal in einem Stadion getroffen hat, macht das was mit einem", weiß Wagner aus eigener Erfahrung. "Ich hoffe, dass sich Benni daran erinnert."
Kevin Ehlers will Sieg für eigene Fans
Braunschweig hingegen brennt auf Wiedergutmachung. Erst recht vor eigener Kulisse. "Man spürt schon ganz genau, welche Wichtigkeit dieses Duell für die Menschen hier in der Stadt hat", sagt Eintracht-Verteidiger Kevin Ehlers dem NDR.
Trotz bereits 15 Gegentoren in der 2. Bundesliga wollen die Gastgeber aber mit breiter Brust auftreten. Ehlers: "Wir müssen uns vor keinem in der Liga verstecken und können jeden schlagen, wenn wir unser Maximum auf den Platz kriegen."
Angst vor Ausschreitungen
Auch außerhalb des Rasens herrscht traditionell viel Brisanz im Niedersachsenderby. Die Partie am Sonntag wurde als Hochsicherheitsspiel eingestuft. Beide Fanlager gelten als verfeindet.
Bereits vor zwei Wochen waren vermummte Personen - mutmaßlich 96-Anhänger - in eine Halle in Braunschweig eingedrungen und hatten Utensilien der Eintracht-Fans entwendet. Zudem tauchten in der Nacht zum vergangenen Dienstag unter anderem in Celle, Peine und Gifhorn etwa 40 Plakate mit Schmähbotschaften gegen Braunschweig auf.
Mahnende Worte aus der Politik
In der vergangenen Saison waren beide Derbys weitgehend friedlich verlaufen. Doch die Ereignisse an den vergangenen Tagen lassen einen Rückfall in die unheilvolle Vergangenheit befürchten.
Daher appelliert Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD): "Die Sicherheitsbehörden haben ihren Job im Vorfeld gemacht. Nun liegt es bei den Vereinen und den Fans, zu zeigen, dass Derbys in Niedersachsen ohne Gefährdung der Zuschauenden durch Gewaltausbrüche und Pyrobeschuss stattfinden können."
Mögliche Konsequenzen für künftige Duelle beider Clubs lieferte sie gleich mit: "Sollte dies nicht der Fall sein, sehen wir uns gezwungen, zukünftig weitergehende Maßnahmen wie personalisierte Tickets, reduzierte Gästefan-Kontingente oder sogar Geisterspiele anordnen zu müssen."
Mögliche Aufstellungen