Eintracht Frankfurt schlägt Trabzonspor
Startseite Eintracht Lauter Giftnudeln bei Eintracht Frankfurt Von: Ingo Durstewitz Uns auf Google folgen Bei Eintracht Frankfurt läuft schon einiges in die Richtung Hütter-Fußball, auch wenn das niemand überbewerten sollte. Frankfurt – Das Resultat des zweiten Testspiels in der Vorbereitung auf die neue Bundesligasaison: drei zu null gegen den erstaunlich schwachen türkischen Pokalsieger Trabzonspor. Der Auftritt der Frankfurter Eintracht: absolut überzeugend. Die Aussagekraft, also die Ableitung für das, was daraus noch folgen wird oder kann: im Promillebereich. So ist das mit diesen Privatspielen in der präsaisonalen Phase: Viele Siege garantieren keinen guten Start in die Runde, viele Niederlagen bedeuten nicht automatisch ein Horrorszenario zum Auftakt, auch wenn an dieser Stelle früher gerne mal „Alarmstufe rot“ ausgerufen wurde. Lange her. Mister X ins Tor? Denn: Zu groß ist die Diskrepanz zwischen den Trockenübungen und dem Ernstfall. Es sind zwei verschiedene Welten. Was nicht heißt, dass Testkicks per se unnütz sind. Jede Minute liefert dem Cheftrainer wichtige Erkenntnisse. Wie Adi Hütter der Auftritt in Salzburg gegen Trabzon. Absolut Eintracht - der Newsletter ⚽ Jetzt den kostenlosen Newsletter abonnieren und Teil der SGE-Community werden. So bleibst du immer auf dem Laufenden! HIER geht‘s direkt zur Anmeldung Viele gute Ansätze habe er gesehen, dozierte er, gerade die Reaktion bei Ballverlust habe ihm gefallen, nämlich die gelebte Absicht, ihn sofort zurückzuerobern. „Wir sind aktiv geblieben.“ Das stimmt. Und bei aller Vorsicht kann man schon folgern: Die Richtung stimmt wieder. Wenn nicht alles täuscht, wird dieses fürchterliche Ballgeschiebe ausgedient haben, also dieser Schildkrötenfußball, mit dem die Mannschaft erst für Verdruss und dann für Gleichgültigkeit sorgte. „Von der Idee her hat sich für die Spieler einiges verändert“, wirft der Fußballlehrer ein. Zuvorderst die Intensität. Die Aktivität, die Aggressivität, der Wille, nach vorne zu schieben und zu spielen, die Vertikalität im Spiel, das Jagen des Gegners – ja, all das sah nach Hütter-Fußball aus. „Das ist ein Fußball, der mir Spaß macht“, sagt dieser. „Die Jungs müssen das Gefühl dafür bekommen, dass es funktioniert.“ Das haben sie, zweifellos. Die Türken schossen im gesamten Spiel nicht einmal gefährlich aufs Eintracht-Tor. Das ist gut, klar. Bedeutet aber auch, dass der Trainer in puncto Torwartthematik keinen Schritt weiter ist. Stand jetzt bleibt es, wie vermutet: Kaua Santos die Nummer eins, Michael Zetterer die zwei. Dahinter Routinier Jens Grahl und Jungspund Amil Siljevic. Und vielleicht kommt irgendwann Mister X und schießt an allen anderen vorbei. Ausgeschlossen ist das ganz sicher nicht. Wird Adi Hütter entscheiden. Beizeiten. Besonders gallig präsentierte sich gegen Trabzonspor der linke Verteidiger Keita Kosugi, von Hütter-Vorgänger Albert Riera konsequent ignoriert und dezent aufs Abstellgleis geschoben. Der kleine Japaner, 1,72 Meter groß und je nach Quelle zwischen 62 und 69 Kilo leicht, brachte sich mit einer sehr forschen, rabiaten Spielweise in Erinnerung, entpuppte sich als richtige Giftnudel. Wie alle anderen Kollegen, nur noch ein bisschen mehr. Drei-, viermal räumte er seinen Gegner erbarmungslos ab, in Salzburg mit einem banalen Freistoßpfiff gesühnt, in der Bundesliga wäre er in der Farbenlehre zwischen Gelb und Rot gelandet. Der Wildfang, 20 erst, wird das richtige Maß finden müssen. Wenn er überhaupt das Zeug hat, auf höchstem Niveau mitzuhalten. Das lässt sich momentan schwer sagen. Trainer Hütter mag seinen Irrwisch auf links. „Er hat gut nach vorne verteidigt, versteht das Spiel, war aggressiv in den Zweikämpfen, hat eine brutale Dynamik“, zählt der Österreicher auf. „Er ist ein spannender Spieler, verkörpert das, was ich sehen möchte.“ Die geringe Körpergröße mache er eben mit noch mehr Engagement und Leidenschaft wett. „Wenn man kleiner ist, muss man sich wehren können, das kann er, das ist beeindruckend.“ Kosugi spielt natürlich nicht annähernd auf dem Level wie Vorgänger und Bayern-Abwanderer Nathaniel Brown, ist aber auch ein gänzlich anderer Spielertyp, eher linear ausgerichtet, geradlinig. Im Zusammenspiel mit Can Uzun, der auf der halblinken Zehnerposition agierte, muss noch gefeilt und feinjustiert werden. „Manchmal standen sie sich auf den Füßen, das kann ich gar nicht haben“, moniert Hütter, der dafür ein Lob für Torschützen Hugo Larsson parat hat: „Ein filigraner Spieler.“ Uzun wie Özil Can Uzun war ein Aktivposten, holte den Strafstoß vor dem 2:0 heraus. Ihm fehlt vielleicht die Explosivität, um sich bei einem Weltklub durchzusetzen. Aber ein Weltklub ist die Eintracht bei aller Liebe nicht, und für Frankfurter Verhältnisse kann der türkische Nationalspieler das Zünglein an der Waage sein, „ein Unterschiedsspieler“, wie Hütter betont. Aber auch der gestrenge Österreicher wird den immer noch erst 20-Jährigen, der inzwischen stark an den jungen Mesut Özil erinnert, an seine Pflichten in der Arbeit gegen den Ball erinnern. „Widerstandsfähigkeit auf dem Platz ist sehr wichtig“, bekundet Hütter ganz generell. „Ich will, dass die Jungs so auf dem Platz stehen, dass uns nicht gleich etwas umhaut. Das gilt auch für die Spieler, die technisch sehr versiert sind.“ Wie Can Uzun. Elias Baum auf der rechten Seite kommt da eher über die Kosugi-Schiene, der rechte Außenverteidiger passt ebenfalls zur Hütter-Spielweise. Das Eigengewächs ist schnell auf den Beinen, marschiert ohne Ende, „ein guter Junge, der Spaß macht“. Der 20-Jährige hat aber das Problem, dass sein letzter Pass, die Flanke oder das finale Zuspiel zu oft nicht kommt, da ist er zu unpräzise. „Das müssen wir verbessern“, sagt der Cheftrainer. „Er macht sich manches kaputt, was er sich aufgebaut hat.“ Adi Hütter wird daran arbeiten. Wie an vielem anderen. Es geht ja erst wieder los.