Eintracht Frankfurt verliert 0:7 gegen Brentford
absolutfussball.com Deutschland Eintracht Frankfurt Eintracht Frankfurt kassiert 0:7-Klatsche – Hütter zieht bittere Bilanz Von: Ingo Durstewitz Eintracht Frankfurt kassiert im Testspiel gegen Brentford eine 0:7-Klatsche. Eine Lektion, die Folgen haben muss. Das weiß auch Trainer Adi Hütter. Kurz nach der Halbzeitpause war es dann tatsächlich so weit: Unglaubliches trug sich zu im Brentford Community Stadium im Westen Londons, ein Moment von beinahe historischer Tragweite. Der ansonsten erstaunlich lustlose und teilnahmslose Eintracht-Spielmacher Can Uzun visierte da nämlich mit einem schönen Schlenzer die lange Ecke des englischen Tores an, hätte auch reingehen können, das Ding, doch nein, „Bienen“-Schlussmann Caoimhin Kelleher parierte gekonnt. Es war die einzige halbwegs brauchbare Möglichkeit der Frankfurter während ihres debakulösen Gastspiels auf der Insel. Passend dazu: Nach der folgenden Eintracht-Ecke schlugen die Engländer gnadenlos zu, Konter, zack-zack, 5:0 nach nicht mal einer Stunde. Am Ende sollte es 7:0 (in Worten: sieben zu null) für den Premier-League-Neunten gegen den Bundesligaachten heißen. Junge, Junge. Eintracht-Coach Hütter bezeichnet Testspiel-Debakel als „Schuss vor den Bug“ Es war ein fürwahr blamabler Auftritt der Hessen in London. Und einer, der tief blicken lässt, der weitreichende Folgen haben wird. Oder sollte. Es war eine eindringliche Warnung zwei Wochen vor dem Bundesligastart, „ein Schuss vor den Bug“, wie Cheftrainer Adi Hütter einräumte. Nein, so darf sich ein ambitionierter Bundesligist nicht präsentieren. Nicht mal in einem Freundschaftsspiel, nicht gegen einen guten Kontrahenten, der in weniger als einer Woche schon in die Saison startet. Einerlei. „0:7 – das geht auch in einem Testspiel nicht, darüber müssen wir nicht diskutieren“, konstatierte der Fußballlehrer via Bild zerknirscht. „Das ist nicht akzeptabel.“ Absolut Eintracht – der Newsletter ⚽ Seien Sie näher an der Eintracht dran als je zuvor! Unser SGE-Newsletter versorgt Sie mit den wichtigsten News, liefert Ihnen Videos, Reportagen und exklusive Interviews direkt und ganz bequem in Ihr Postfach. Jetzt den kostenlosen Newsletter abonnieren und Teil der SGE-Community werden. So bleiben Sie immer auf dem Laufenden! Sind Sie dabei? HIER geht‘s direkt zur Anmeldung! Ganz sicher dachten viele insgeheim, die Eintracht sei weiter, sie ist bislang sehr anständig durch die Vorbereitung gekommen, hat gegen unterklassige Gegner gewonnen (Gießen, Mannheim, FSV), aber auch gegen Erstligisten aus dem Ausland (Trabzonspor, Hull City). Und dann das. Damit hatte keiner gerechnet, zumindest in dieser Form nicht, das war nicht absehbar. Die ganze schöne Aufbruchstimmung – mit einem Schlag perdu. Zunichte gemacht, sieben auf einen Streich, in 90 Minuten. Und tschüss. Alles wieder von vorn. Diese Klatsche zeigte erbarmungslos alle Schwächen der Eintracht auf, die nicht plötzlich aufgetreten sind, sondern die schon länger schwelen und ihren Ursprung in der letzten, völlig verkorksten Saison haben. Das Unbehagen fängt im Tor an, geht in der Abwehr und der Mitte weiter und endet ganz vorn. Und über allem schwebt die merkwürdige Transferpolitik von Sportvorstand Markus Krösche und seinem Team. Nichts ist, wie es sollte. Das Ganze kumuliert zu sehen an einem schwarzen Nachmittag in Englands Hauptstadt. Diese Darbietung auf der Insel war besorgniserregend. Von A bis Z. „Die Enttäuschung über das, was wir gezeigt haben, ist riesig. Es tut extrem weh“, sagt Adi Hütter. „Wir haben ganz klar die Grenzen aufgezeigt bekommen.“ Allüberall. „Wir waren physisch klar unterlegen, in puncto Zweikämpfe, Schnelligkeit – wir haben uns in allen Belangen nicht so angestellt, wie es sein muss.“ Die Mängelliste ist schier endlos. Im Kasten fabrizierte Kaua Santos mal wieder einen kapitalen Bock, der zu einem Gegentor führte. Nahezu absurd, dass die Eintracht an der Konstellation im Tor nichts geändert hat. Zumal auch Coach Hütter damit nicht zufrieden ist. „Über einzelne Spieler zu diskutieren, ist absolut fehl am Platz“, sagte er zum Santos-Patzer salomonisch. „Wir haben uns alle nicht so präsentiert, wie es sich gehört.“ Kein Europa-Kandidat In der Abwehr wackeln die Außenverteidiger ohne Ende, genauso wie die Kollegen in der Mitte. Routinier Robin Koch und Neuling Otavio stürzen von einer Verlegenheit in die nächste. Kapitän Koch musste mit Schwindel nach einem Schlag auf die Halswirbelsäule ausgetauscht werden, die Diagnose: Gehirnerschütterung. Er wird ein paar Tage kürzertreten müssen. Vorher patzte er kolossal. Nebenmann Otavio zeigte genau eine starke Abwehraktion inklusive Grätsche, ansonsten aber eine erschütternde Vorstellung. Der Bursche ist so ziemlich der Gegenentwurf von topfit. So reicht das nicht für die Bundesliga. Nicht nur bei ihm nicht, sondern ganz allgemein. So ist die Eintracht klar schwächer als in der ohnehin schon schwachen Vorsaison, mit Sicherheit kein Kandidat für Europa. Ganz im Gegenteil. Markus Krösche muss dringend das nachholen, was er bisher verpasst hat, nämlich dem Trainer und der Mannschaft noch Verstärkungen zuführen. Dass das nicht leicht wird, ist klar, aber Zeit ist genügend verstrichen, unnütz verstrichen. „Wir haben Hausaufgaben mitbekommen“, sagt der Chefcoach. „Es ist noch einiges zu tun, das ist allen klar. Das habe ich intern immer betont. Wichtig ist, dass jeder gesehen hat, was uns fehlt.“ Aber wie schnell kann da Abhilfe geschaffen werden? „Wir werden alles daran setzen, dass wir den Kader bestmöglich auf die Beine stellen, damit wir konkurrenzfähig sind“, sagt der Trainer. Natürlich hat er recht mit seiner Aussage, aber auch sie lässt tief blicken. Denn wer nur konkurrenzfähig sein will, braucht sich über alle anderen Ambitionen keine Gedanken zu machen.