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Einzelkritik: Die DFB-Elf als Totalausfall mit wenigen Lichtblicken

Sport

Das war's mit der DFB-Elf bei der WM. Im Elfmeterschießen scheitert Deutschland an Paraguay. Das ist bitter, nach einer extrem enttäuschenden Leistung aber nicht unverdient. Auch wenn beim Großteil der Mannschaft die Einstellung gestimmt hat - fußballerisch lief fast nichts zusammen. Manuel Neuer: Musste überraschend früh retten und war zur Stelle (2.). Ansonsten wach, wenn er gebraucht wurde, was allerdings selten der Fall war. Wenn, dann musste er lange Bälle von Paraguay ablaufen. Vor dem Gegentor entschied er sich, den scharf getretenen Eckstoß wegzufausten - ein Manuel Neuer in Topform und mit Selbstvertrauen hätte den Ball wohl direkt gefangen. Im Elfmeterschießen immerhin mit einem gehaltenen Strafstoß, konnte sich aber letztlich nicht zum Helden machen. Das Nationalelf-Comeback des Weltmeisters von 2014 misslang mit dem frühen Aus komplett. Joshua Kimmich: Enorm viel am Ball, schon zur Halbzeit mit Abstand am meisten Ballkontakte auf dem Platz (74). Das Problem: Besonders viel konnte er damit nicht anfangen. Das lag zum Teil daran, dass Julio Enciso ihm häufig auf den Füßen stand, zum Teil aber auch daran, dass Kimmichs sonst so gefährlichen Hereingaben und Chipbälle in den Strafraum diesmal ihr Ziel zu selten fanden. Ein Aussetzer zu Beginn der zweiten Halbzeit hätte beinahe Paraguays zweiten Treffer durch Enciso ermöglicht (50.). Konnte auch nach seiner Versetzung ins Mittelfeld nicht für die nötige Struktur sorgen. Insgesamt durchwachsener Auftritt des Kapitäns, auch wenn er Verantwortung übernahm und vom Punkt traf. Jonathan Tah: Von Paraguays Offensive kaum gefordert, hatte er seine Sache zumeist im Griff. Im Spielaufbau zuweilen mit guten Ideen und langen Pässen, dann aber auch mit Ballverlusten und unnötigen Fouls. Hätte mit seinem Kopfballtor zum Helden werden können, der VAR intervenierte aber. Wurde im Elfmeterschießen mit seinem Elfmeter über das Tor dann endgültig zur tragischen Figur. Antonio Rüdiger: Bekam im Gegensatz zu seinen Nebenmännern im Spielaufbau viel Platz gewährt - womöglich war es Absicht der Paraguayer, den Mann von Real Madrid vermehrt den Ball zu überlassen. Rüdiger konnte seine Schwächen im Spiel mit Ball nicht kaschieren, es gingen zu selten gute Angriffe von ihm aus. Sein Kerngeschäft, die Defensive, regelte er aber konzentriert und bis zu seiner Auswechslung zumeist souverän. Nathaniel Brown: Gewohnt emsig im Spiel nach vorne, auch in der Defensive mit guten Szenen. Beim Gegentor aber schläfrig: Anstatt bei Almiron zu bleiben, hätte er Galarza auf außen aufnehmen müssen. So ermöglichte er dem Gegner - gemeinsam mit Pavlovic - eine hervorragende Flankensituation. Wie dem gesamten Team fehlte auch ihm der Esprit, Großchancen zu initiieren. Bereitete per Eckstoß immerhin noch Tahs aberkanntes Tor vor. Aleksandar Pavlovic: War sichtlich bemüht, den Vorwurf zu entkräften, der ihm zuletzt gemacht wurde: Zu wenig Körperlichkeit, zu wenig Präsenz in den Zweikämpfen. Das führte dazu, dass Pavlovic sich zwar engagiert und griffig, aber zum Teil auch übermotiviert zeigte. Unnötige Foulspiele waren die Folge. Im Passspiel zumeist sicher, ohne aber an wirklich gefährlichen Szenen beteiligt zu sein. Beim Gegentor passte die Abstimmung mit Brown nicht. Es war erneut nicht das Spiel des Aleksandar Pavlovic. Ein Turnier zum Vergessen für den Bayern-Youngster. Felix Nmecha: Hatte direkt zu Beginn gute Szenen bei der Zweikampfführung, brachte seine Robustheit ein. Auch fußballerisch mit starken Momenten, sein Steckpass auf Havertz (33.) sorgte für Gefahr. Zu häufig fehlten seinen Zuspielen in die Spitze aber die letzte Genauigkeit, beispielhaft steht seine Flanke aus bester Position (45.+2), die am Gegenspieler hängen blieb. Hatte Mitschuld am Gegentreffer, weil er seinen Gegenspieler Enciso aus den Augen verlor. Seine Auswechslung zur Pause war trotzdem etwas überraschend, er war noch einer der Besseren. Leroy Sané: Zeigte sich wie schon in der Gruppenphase fleißig im Gegenpressing, ging in der Defensive weite Wege, wenn es sein musste. Nach vorn aber wie schon im gesamten Turnier mit viel zu wenigen gelungenen Aktionen. Symptomatisch war seine Flanke völlig ins Leere Mitte der zweiten Halbzeit. Mehr als das Prädikat "bemüht" kann man ihm nach diesem Spiel erneut nicht attestieren. Florian Wirtz: Häufig klappten seine Ideen in Halbzeit eins nicht, zu selten bereitete er Schüsse vor oder brachte sich selbst in Position. Steigerte sich aber im zweiten Durchgang: Den Ausgleich von Havertz bereitete er mit starker Flanke vor, kurz danach hätte die gleiche Kombination beinahe erneut funktioniert - wieder war es eine tolle Hereingabe. Einer der wenigen Aktivposten im deutschen Spiel, lauffreudig wie eh und je, dazu einer der wenigen mit mehreren klaren Aktionen. Seine Flanken schienen fir fortschreitender Spieldauer das einzige Mittel gegen Paraguay zu sein. Trotzdem kann auch der Mann vom FC Liverpool noch mehr - er wird es bei dieser WM aber nicht mehr zeigen können. Deniz Undav: Das war ein Auftritt zum Vergessen. Sammelte in 63 Minuten insgesamt nur zehn Ballkontakte, und auch diese waren wenig zielführend. Zeigte zwar seine Schlitzohrigkeit bei einem Heber (6.) und einem durchgelassenen Pass. Danach tauchte er aber ab. Nagelsmann gab ihm auch in Durchgang zwei noch Minuten, besser wurde Undav aber nicht. Schwache Leistung. Kai Havertz: Hatte gegen extrem tief stehende Paraguayer einen verdammt schweren Stand. Nachdem er Undavs erste Chance (6.) mit einem cleveren Kontakt vorbereitete, war er lange kaum zu sehen. Auch, weil die Zuspiele ihm komplett fehlten. Das änderte sich mit der guten Wirtz-Flanke, die zu Deutschlands Ausgleich führte: starker Kopfball, schönes Tor. Hätte beinahe noch einen Kopfballtreffer nachgelegt (78.). Im Elfmeterschießen versagten dem sonst so sicheren Schützen die Nerven. Leon Goretzka (ab 45. Minute): Führte sich mit einer guten Chance ein, bei der sein Abschluss aber geblockt wurde (56.). Wurde auch nach einem Eckball per Kopf gefährlich (86.). Insgesamt konnte er seine frühe Einwechslung aber nicht rechtfertigen: Im Spiel nach vorne traf er oft falsche Entscheidungen, es hätte mehr kommen müssen als Stabilität im Zweikampf. Jamal Musiala (ab 63. Minute): Auch von der Bank konnte er seine Dribbelstärke nicht wirklich auf den Platz bringen. Hatte erneut mit der aggressiven Zweikampfführung des Gegners zu kämpfen. Waldemar Anton (79. Spielminute): Kam rein, um Kimmich die Zentrumsrolle zu ermöglichen. Löste seine Aufgabe hingebungsvoll und bissig. Ärgerlich war, dass sein Einsatz gegen Torhüter Gill abgepfiffen wurde, sodass der Tah-Treffer nicht zählte. Wäre in der Verlängerung per Kopf beinahe zum Spielentscheider geworden, aber Gill packte beim Kopfball sicher zu (118.). Einer der vielen "What if"-Momente dieser Partie. Nick Woltemade (ab 88. Spielminute): Brauchte nicht lange, um gefährlich zu werden, wurde bei seinen Schussversuchen im Strafraum (93. und 97.) aber jeweils geblockt. Strahlte dennoch Gefahr aus und gab alles. Verschoss allerdings im Elfmeterschießen mit einem ganz schwachen getretenen Versuch.

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