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Eklat bei 80er-Party in Frankfurt: Boy George stürmt wütend von der Bühne

Unterhaltung

So viel Neon war lange nicht im Frankfurter Waldstadion. Unabgesprochener Dresscode unter den 28.000 Besuchern am Samstagabend bei der 80er-Live-Party: maximal bunt. Die Männer gern in grellen Hawaiihemden, bei den Frauen viel Glitzer, Netzhemden und Schweißbänder in gelb, grün und am liebsten pink. Die Stimmung bei dem sechsstündigen Event: zwischen Klassentreffen und Junggesellinnenabschied. Abschalten vom Alltag, zurückträumen in die eigene Jugend der 1980er-Jahre, mit diesem Vorsatz sind viele gekommen. Zwei Altenpflegerinnen aus Nordhessen erzählen, sie wünschten sich angesichts der Weltlage die Leichtigkeit dieser Zeit zurück, wenigstens an einem Abend. Das Konzept dafür ist überraschend einfach: Wie bei einem Mini-Festival treten ab 17 Uhr insgesamt acht Künstlerinnen und Künstler auf, jeder spielt vier Titel, Dauer etwa 20 bis 30 Minuten. Dazwischen gibt es Musik vom DJ. Die Party ist mit wechselnden Künstlern in verschiedenen Stadien unterwegs. In Frankfurt gibt es einen Mix von deutschen und britischen Interpreten. F.R. David ("Words") macht den Opener, es folgt die deutsche Synthiepopband Camouflage ("The great commandment"). Als einzige Frau ist Kim Wilde am Start, die auch mit 65 Jahren noch mit "Kids in America" überzeugt. Martin Fry begegnet seinem jüngeren Ich Martin Fry von ABC begegnet bei seinem Set immer wieder seinem jüngeren Ich. Auf dem großen Bildschirm über der Bühne laufen Musikvideos aus den 80er-Jahren, zum Beispiel zu "The look of love". Es sind erstaunlich gut gemachte kleine Filme, die fast ein wenig davon ablenken, dass Fry mit 68 noch immer ein Mann mit großer Bühnenpräsenz ist. Überhaupt zeigen alle Künstler, dass sie in den vergangenen Jahrzehnten weder das Singen noch die Performance verlernt haben. Tony Hadley von der New-Wave-Band Spandau Ballet bringt mit "Gold" das erste Mal die Handylampen tausendfach zum Leuchten, und die Münsteraner Synthiepopper von Alphaville haben mit "Forever Young" den vielleicht innigsten Chor des Abends. Egal, ob live oder Konserve – Hauptsache mitsingbar Die Stimmung im Innenraum und auf den gut gefüllten Rängen ist fantastisch, und fast hat man den Eindruck, dass es eigentlich egal ist, ob da Künstler auf der Bühne live performen, oder ob es der DJ ist, der einen 80er-Hit nach dem anderen auflegt. Peter Illmann, Moderator der 80er-Kultsendung Formel eins, wirkt beinahe ein bisschen unterbeschäftigt. Jubel brandet vor allem auf, als Pärchen aus dem Publikum animiert werden, sich für die "Kiss Cam" ins Zeug zu legen, die jeden Schmatzer auf die große Leinwand projiziert. Begeisterter Empfang für Boy George ... Dass es durchaus aber auch Besucher gibt, die neben viel guter Laune auch ein "echtes" Konzerterlebnis wollen, wird beim Auftritt von Boy George deutlich. Viele Musikfans sind wegen des früheren Sängers von Culture Club gekommen, der Empfang für den Mann im extravaganten Glitzer-Outfit ist begeistert. Doch nach zwei Titeln bricht Boy George seinen Auftritt einfach ab. Offenbar hat er Probleme mit dem Knopf im Ohr, kann wohl seine Musiker nicht richtig hören. Ungeduldig reißt der 65-Jährige das Mikro ab, will es erst unplugged ohne Musikbegleitung versuchen – und stürmt dann ohne weitere Erklärung von der Bühne. ... und Enttäuschung über den Abgang Der Brite war in den vergangenen Tagen heftig attackiert worden, weil er sich im Nahost-Konflikt mit einem Lied zur Erinnerung an den Angriff auf das Nova-Musikfestival auf die Seite Israels stellte. Zur Begrüßung hatte er gesagt, er freue sich auf seinen ersten Auftritt, seit er "gecancelt" worden sei. Dass er so dünnhäutig auf eine kleine Panne reagiert, mag auch damit zusammenhängen. Holly Johnson kann das Ruder herumreißen Die Fans im Waldstadion haben für den abrupten Abbruch des Auftritts wenig Verständnis. Ein gellendes Pfeifkonzert begleitet den Abgang von Boy George. Es sollte der erste und einzige Misston bleiben. Nachdem einige Zuschauer das Konzert empört verlassen haben, schafft es Holly Johnson mit dem letzten Auftritt, die Stimmung noch einmal herumzureißen. Zu den bombastischen Klängen von Frankie Goes to Hollywood bebt das ganze Stadion, und die Pyrotechnik, die etwas fantasielos bei allen Künstlern beim jeweils letzten Titel zum Einsatz kam, passt hier wirklich besonders gut. Nach genau sechs Stunden strömen die Massen dann aus dem Stadion in die laue Sommernacht. Ob der Abgang von Boy George nun ein Skandal oder nur ein kleines Ärgernis an einem sonst fantastischen Abend war – das ist das wohl meist besprochene Thema auf dem Nachhauseweg.

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