Eklat in Cottbus: Queerfeindliches Banner gegen St. Pauli
Beim 1:1-Unentschieden zwischen Energie Cottbus und dem FC St. Pauli am Sonntag ist es in der Cottbuser Fankurve zu einem queerfeindlichen Eklat gekommen. In der ersten Halbzeit zeigten Heimfans gleich zwei Transparente mit deutlich gegen den Hamburger Zweitligisten gerichteten Botschaften. Auf dem ersten stand geschrieben: "Eure Regenbogenutopie endet in Pädophilie – keine Akzeptanz für eure kranke Welt!" Wenige Minuten später folgte ein zweites Spruchband: "Stets in Watte gepackt, die eigene Blase nie verlassen. Mit dem System im Gleichtakt – man kann euch nur hassen!"
Die "Hamburger Morgenpost" vermutet einen Zusammenhang zwischen dem ersten Banner und der Ultra-Gruppierung Ultrà Sankt Pauli (USP): Diese hatte Ende August in einer Mitteilung offengelegt, dass es in den eigenen Reihen zu Fällen sexualisierter, physischer und psychischer Gewalt gekommen sei, und mehrere Fans lebenslang aus der Vereinigung ausgeschlossen. Bereits beim DFB-Pokalspiel bei Rot-Weiss Essen Ende August, bei dem der Drittligist den Bundesliga-Absteiger überraschend mit 2:0 aus dem Wettbewerb geworfen hatte, sei ein ähnliches Transparent gegen die USP gezeigt worden.
- Werbung -
Deutschlands queerfreundlichster Fußballklub
Der 1910 gegründete FC St. Pauli gehört zu den alternativsten Vereinen im Profifußball und setzt sich seit Jahren gegen Queerfeindlichkeit ein. Zwischen 2003 und 2010 war der offen schwule Theatermacher und LGBTI-Aktivist Corny Littmann Präsident des Vereins (queer.de berichtete). Seit 2013 weht dauerhaft eine Regenbogenflagge über dem Millerntor-Stadion. Zuletzt wurde auf dem Dach der Nordtribüne die weltweit erste Solaranlage in Regenbogenfarben installiert (queer.de berichtete).
Queerfeindliche Transparente gegen St. Paul gab es schon früher: Im vergangenen Jahr wurde Eintracht Frankfurt vom DFB dazu verurteilt, wegen des Fan-Banners "CBD statt CSD" 8.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zu spenden (queer.de berichtete). St.-Pauli-Fans hatten darauf noch während der zweiten Halbzeit mit einem eigenen Transparent, "Ein Tag auf dem CSD – besser als ein Leben auf CBD", reagiert (queer.de berichtete).
Sportlich musste sich Cottbus am Sonntag trotz langer Überzahl mit dem Remis begnügen. Nachdem St. Paulis Verteidiger Tomoya Ando in der 21. Minute mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war, brachte Justin Butler (37.) die Lausitzer in Führung. St. Pauli glich durch Martijn Kaars erst in der 80. Minute per Kopf aus. Zu dem queerfeindlichen Transparent äußerten sich beide Vereine bislang nicht öffentlich. (cw)