Elektroautos erstmals vor allen anderen Antrieben
Reine Elektroautos wurden im Juni 2026 häufiger zugelassen als jeder andere Antrieb. BYD steigerte seinen Absatz um das Vierfache. Ein Überblick.
Im vergangenen Monat wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg insgesamt 296.378 Personenkraftwagen neu zugelassen – ein Plus von 15,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Davon entfielen 84.057 auf reine Batterieelektrofahrzeuge (BEV), was einem Marktanteil von 28,4 Prozent entspricht und einem Anstieg von 78,2 Prozent gegenüber Juni 2025.
Weiterlesen nach der Anzeige
Damit überholten Elektroautos erstmals Hybridfahrzeuge, die mit 83.315 Neuzulassungen knapp dahinter lagen. Benziner kamen auf 60.796, Diesel auf 33.862 Neuzulassungen. Das Schlusslicht bildeten Plug-in-Hybride mit 32.212 Fahrzeugen.
Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die E-Auto-Neuzulassungen um 48 Prozent auf knapp 370.000 Fahrzeuge. Gleichzeitig gingen die Neuzulassungen von Benzinern im Halbjahresvergleich um 18,2 Prozent zurück, jene von Dieselfahrzeugen um 8,6 Prozent.
Spritpreise und staatliche Förderung als Treiber
Als wesentliche Ursachen für den Anstieg nennen Branchenbeobachter die gestiegenen Kraftstoffpreise sowie die staatliche Kaufprämie für Elektrofahrzeuge. Sascha Bürger, Verkaufsleiter des Autohauses Amelung in Wiehl, berichtete dem WDR, dass derzeit 70 Prozent seiner Privatkunden ein vollelektrisches Fahrzeug kauften.
"Durch die höheren Spritpreise haben sich viele mit dem Thema beschäftigt und haben sich gefragt, wie viel kostet mich der Kilometer beim Verbrenner. Und wie viel beim Elektroauto. Aktuell spielt im privaten Bereich auch die staatliche Förderung eine Rolle", sagte Bürger.
Imelda Labbe vom Verband der Autoimporteure (VDIK) erklärte, die Entwicklung schaffe Potenzial, dass sich der Gesamtmarkt im laufenden Jahr der Marke von drei Millionen Autos nähere. Vor allem internationale Hersteller seien auf Wachstumskurs. Ausländische Anbieter steigerten ihren Absatz in der ersten Jahreshälfte um 7,7 Prozent und kommen inzwischen auf einen Marktanteil von 44,2 Prozent.
Weiterlesen nach der Anzeige
BYD im Aufwind
Besonders auffällig ist der Aufstieg des chinesischen Herstellers BYD: Im ersten Halbjahr 2026 verkaufte das Unternehmen in Deutschland insgesamt 26.000 Fahrzeuge – gut viermal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Damit ist BYD die einzige chinesische Marke, die es in die Top 15 der Neuzulassungen schafft, und platziert sich dort zwischen Fiat und Toyota.
Autoexperte Stefan Bratzel warnte gegenüber dem WDR vor Selbstgefälligkeit auf Seiten der deutschen Hersteller. "Wir haben insbesondere chinesische Autobauer, die gerade auch in niedrigeren Preissegmenten Marktanteile hinzugewinnen. Und das wird in den nächsten zwei, drei Jahren sicherlich noch eine große Herausforderung", sagte er. BYD könnte nach seiner Einschätzung weitere Marktanteile gewinnen.
VW weiter an der Spitze
An der Spitze der Hersteller behauptet sich Volkswagen mit einem Marktanteil von 17,2 Prozent. Dahinter folgen BMW mit 8,8 Prozent und Škoda mit 8,4 Prozent – wobei Škoda zum VW-Konzern gehört.
Mercedes kommt mit 8,0 Prozent auf den vierten Platz. Bratzel bescheinigte der deutschen Autoindustrie gegenüber dem WDR eine grundsätzlich solide Aufstellung: BMW und Mercedes hätten technologisch ausgereifte Fahrzeuge mit hohen Reichweiten und schnellen Ladeleistungen im Angebot.
Der durchschnittliche CO2-Ausstoß der neu zugelassenen Fahrzeuge sank im Juni 2026 auf 92,6 Gramm pro Kilometer, was einem Rückgang von 13,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Im gesamten ersten Halbjahr lag der Durchschnittswert bei 98,4 g/km, 10,3 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahreszeitraums.
Batterie bleibt größter Kostenfaktor
Als zentrale Herausforderung für die weitere Verbreitung von Elektrofahrzeugen gilt weiterhin der Preis. Die Batterie macht nach Angaben von Branchenexperten rund 40 Prozent der Fahrzeugkosten aus. Besonders im Kleinwagensegment unter 20.000 Euro seien günstige Elektrofahrzeuge mit ausreichender Reichweite kaum realisierbar, so Bratzel. Langfristig rechnen Experten jedoch mit sinkenden Batteriepreisen.
Parallel dazu wächst der Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos spürbar. Sascha Bürger vom Autohaus Amelung berichtete, dass die Nachfrage nach gebrauchten Elektrofahrzeugen – darunter auch Leasing-Rückläufer, die oft nur zwei bis drei Jahre alt sind – stark gestiegen sei. Die Lager seien inzwischen sogar eher leer.
Trotz der positiven Entwicklung bei den Neuzulassungen bleibt der Anteil von Elektroautos am Gesamtbestand aller in Deutschland zugelassenen Pkw gering: Laut KBA lag er Ende 2025 bei 4,1 Prozent, Plug-in-Hybride kamen auf 2,3 Prozent.