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Elfmeterkrimi: Altglienicke verpasst Pokal-Sensation gegen Wolfsburg

Sport

Die VSG Altglienicke hat im DFB-Pokal die Sensation gegen den VfL Wolfsburg knapp verpasst. Am Montag verlor der Regionalligist sein Pokalspiel gegen den Bundesliga-Absteiger mit 5:6 im Elfmeterschießen (1:0; 2:2; 3:3).

Dabei machten die Berliner den Gästen um Ex-Herthaner Fabian Reese das Leben richtig schwer. Sie gingen dreimal in Führung und verkrafteten angeführt vom überragenden Torwart Luis Zwick gleich zwei Geniestreiche von Wolfsburgs Maximilian Arnold. Selbst im Elfmeterschießen hatten die Berliner den Sieg in einem dramatischen Fußballspiel noch auf dem Fuß.

Dementsprechend sprach nach Abpfiff am Montag nicht nur Torwart Zwick am Mikrofon des rbb von "gemischten Gefühlen", sondern auch sein Trainer. "Es überwiegt aber der maximale Stolz darüber, was die Mannschaft hier heute über 120 Minuten abgerissen hat.", erklärte Dan Twardzik und erklärte auch, warum: "Wir haben gegen eine Top-Mannschaft der 2. Bundesliga gespielt, die mit diesem Kader eigentlich in die erste Bundesliga gehört."

Und Altglienicke spielte eben nicht einfach nur mit. "Wir haben sie über weite Strecken zur Verzweiflung gebracht", sagte Twardzik, "und wir sind dreimal in Führung gegangen." Das Elfmeterschießen sei dann eben eine 50:50‑Angelegenheit. Ein Glücksspiel, in dem die gefühlt 857. Parade von Keeper Zwick nicht reichte, weil dessen Kollegen selbst auch zweimal vom Punkt scheiterten.

Umso bemerkenswerter, dass Zwick anschließend sagte: "Respekt an alle, die heute für uns geschossen haben. Wer da zum Punkt geht, ist für mich ein Held." Und überhaupt war Zwick sich sicher: Wenn die akuteste Enttäuschung erst einmal verarbeitet sei, "werden wir realisieren, wie unfassbar stolz wir sein können."

Schließlich schienen die Kräfteverhältnisse vor dem Spiel klar verteilt: Ein maximal ambitionierter Zweitligist gegen einen Stammgast der Regionalliga Nordost – die Frage nach der Favoritenrolle wurde verworfen, ehe sie überhaupt auch nur zu Ende gedacht war. Man müsse sich an anderen Fragen und Erzählsträngen durch dieses DFB-Pokalspiel hangeln. Zum Beispiel an der Frage, wie Fabian Reese bei seinem ersten Berlin-Besuch nach seinem Abgang von Hertha BSC empfangen wird.

Die eindrucksvolle Antwort schallte schon beim Aufwärmen durch das Stadion auf dem Wurfplatz in Westend: Nach drei Jahren als im Olympiastadion umjubelter und beklatschter Hertha-Held, wurde Reese am Montag ausgerechnet im Amateurstadion seiner alten Liebe gnadenlos ausgepfiffen. Hauptverantwortlich hierfür waren einige hundert Hertha-Anhänger, die ihren einstigen Anführer bei der erstbesten Gelegenheit für dessen Abtrünnigkeit abstraften.

Insgesamt füllten am Montag rund 5.000 Fans das Altglienicker Ausweichstadion lückenlos. Wobei es bereits in der sechsten Minute nahezu keinen von ihnen mehr auf seinem Platz hielt: Mit einem hohen Pass verlagerte Altglienicke das Spiel im Mittelfeld auf die linke Außenbahn. Von dort aus spielte Lennart Czyborra den Ball mit einem tollen ersten Kontakt in die Mitte, wo Jonas Nietfeld bereitstand und einschob. Sämtliche ungeführte Diskussionen über Favoritenrollen waren vorerst vergessen.

Und auch in der Folge bewies die VSG Altglienicke eindrucksvoll, warum sie aktuell einer der größten Favoriten in der Regionalliga Nordost auf den Aufstieg in die 3. Liga ist. Sie spielte mutig und offensiv stringent, suchte und fand ihre Chance in gut ausgespielten Umschaltsituationen. Und die Volkssportgemeinschaft aus Berlin hatte einen Torwart in ihren Reihen, der es dem Verein für Leibesübungen aus Wolfsburg schwer machte.

Luis Zwick parierte am Montagabend gleich mehrmals stark. Egal ob in der 10. Minute gegen Muhammed Damar, in der 23. Minute gegen Reese oder in der 38. Minute gegen Alexander Bernhardsson – wann immer der nun doch größer werdende Druck der Wolfsburger besonders groß wurde, war Zwick zur Stelle. Und in der Zwischenzeit? Da wurde es immer dann besonders laut, wenn Reese den Ball an seinem Fuß hatte. Der Kontrast zu den dann ertönenden Pfiffen war der Applaus, mit dem Altglienicke beim Stand von 1:0 in die Kabinen verabschiedet wurde.

Auf Wolfsburger Seite zeigte sich Trainer Tobias Strobl unterdessen so unzufrieden mit der ersten Halbzeit, dass er zur Pause gleich dreifach wechselte: Er brachte unter anderem den VfL-Kapitän Maximilian Arnold – und bewies damit ein gutes Händchen. Nach zwei weiteren großen Paraden von Altglienickes Zwick (48. Minute) war es kurz darauf Arnold, der das Spiel mit einem unhaltbar platzierten Fernschuss und der Hilfe des linken Innenpfostens zum 1:1 ausglich (55. Minute).

Und auch in der Folge blieb Wolfsburg nun die bessere Mannschaft, bekam dabei aber weiter mutigen Gegenwind von ihren Altglienicker Gastgebern. Und weil das Glück bekanntlich gelegentlich die Tüchtigen belohnt, profitierte die VSG in der 73. Minute von einem Wolfsburger Kapitalfehler. Nach einem Rückpass in theoretisch gänzlich ungefährliche Gefilde spielte Wolfsburgs Torwart Jakub Zieliński 25 Meter vor seinem Kasten praktisch einen katastrophalen Fehlpass direkt in den Fuß von Altglienickes Jonas Saliger. Aus dessen Anlaufen wurde erst ein Durchlaufen und dann das 2:1 für Altglienicke.

Die Antwort gab einmal mehr Maximilian Arnold. In der 84. Minute versenkte Wolfsburgs Kapitän einen fantastischen Freistoß im Berliner Tor – diesmal knapp innerhalb des rechten Pfostens, aber einmal mehr unhaltbar. Fünf Minuten vor dem Ende stand es 2:2, kurz darauf begann die Verlängerung. Dort wiederholte sich die Geschichte des Spiels: Mehmet Ibrahimi brachte Altglienicke umjubelt in Führung (109.), aber Wolfsburg schlug durch Hauke Wahl ein drittes Mal zurück (117.). Aus der Verlängerung wurde das Elfmeterschießen.

Und auch dort legte Altglienicke vor: einmal, zweimal, dreimal, viermal. Dann verschoss ausgerechnet Fabian Reese als erster Wolfsburger seinen Elfmeter und Altglienicke hatte mit dem fünften Schuss den Sieg auf dem Fuß. Aber auch der Elfmeter von Sven Sonnenberg wurde gehalten. Wolfsburg glich nervenstark aus und auch das Elfmeterschießen ging in die Verlängerung.

Am Ende war es ausgerechnet Ibrahimi, der als zweiter Berliner vom Punkt verschoss - und Wolfsburg nutzte das eiskalt. Kilian Fischer machte als letzter Schütze des Abends den Wolfsburger Sieg perfekt und sorgte dafür, dass sich der Bundesliga-Absteiger doch noch eine Runde weiter zitterte.

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