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Elon Musks Neocloud-Warnung, Volozhs Antwort und was sie für die Finanzierung bedeuten

Technologie

Musks Kritik trifft eine ganze Branche und damit auch Nebius

Nebius hält mit Kreditlinie und Kundenzusagen dagegen

Analysten bleiben überwiegend zuversichtlich, Gegenstimmen gibt es auch

Die Nebius-Aktie geriet am Montag zeitweise unter Druck. Elon Musk hatte am Sonntag ein Massensterben unter den Neoclouds vorhergesagt, CoreWeave und IREN gaben daher nach. Für Nebius-Anleger entscheidet sich damit vor allem, ob die Finanzierung des Ausbaus trägt.

Musks Warnung trifft die ganze Branche

Musk schrieb am Sonntag auf X, mehr als 200 Neoclouds würden ein Sterben und eine Konsolidierung auf Guppy-Niveau erleben, also auf winzige Größe; einige überlebten, aber nicht viele. Die Kreditmärkte hätten Unternehmen ohne nennenswerte Umsätze außerhalb von KI-Rechenzentren den Zugang zu Geld fast komplett abgeschnitten. Als Gegenbeispiel nannte er SpaceX, das Kreditzusagen über 40 Milliarden US-Dollar für den Kauf von KI-Chips abgeschlossen habe, möglich durch Investment-Grade-Bonität und eigene Einnahmen.

Nebius notierte am Montag letztlich bei 153,27 US-Dollar, ein Minus von 3,45 Prozent. Gleichzeitig stiegen CoreWeave um 1,76 Prozent auf 55,19 US-Dollar und IREN um 2,11 Prozent auf 25,43 US-Dollar.

SpaceX vermietet über seine KI-Sparte selbst Rechenleistung und konkurriert somit mit Neoclouds. Die Warnung zielt auf Anbieter, die ihren Ausbau stark über Schulden finanzieren. Für Nebius stellt sich daher die Frage, wie solide das Unternehmen aufgestellt ist.

Nebius setzt auf Kreditlinie und Kundenzusagen

Der Amsterdamer KI-Cloud-Anbieter Nebius sicherte sich, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, eine vorrangig besicherte Fazilität über 3,5 Milliarden US-Dollar von Citi. Die Laufzeit beträgt 364 Tage, der Aufschlag auf Term SOFR startet bei 2,75 Prozent. COO Ophir Nave zufolge sichert die Fazilität zusätzliche Finanzierung für den kurzfristigen Kapazitätsausbau. Nebius hat weitere Quellen, darunter asset-backed Finanzierung auf Basis von Kundenzusagen mit Investment-Grade-Bonität über mehr als 40 Milliarden US-Dollar langfristiger Verträge.

CEO Arkady Volozh sagte im Interview mit Deirdre Bosa am Rande von NVIDIAs GTC Berlin, einige Kapitalquellen seien wahrscheinlich vorübergehend geschlossen, etwa der Markt für asset-backed Papiere oder Anleihen. Kapital sei kein Problem, sondern eine Aufgabe. Nebius habe eine ziemlich gesunde Bilanz, und Kundenvorauszahlungen sowie alternative Instrumente lieferten wahrscheinlich genug Geld, um dieses Gigawatt zumindest zu bauen. Damit steht Musks Befund geschlossener Kreditmärkte die Darstellung von Nebius gegenüber, andere Wege zu nutzen.

Analysten sehen Nebius in Spanne von 144 bis 410 US-Dollar

Von 13 Analysten stufen laut TipRanks neun mit Buy, drei mit Hold und einer mit Sell ein. Das mittlere Kursziel liegt laut Analystenkonsens vom 26. Oktober 2026 bei 302,09 US-Dollar, die Spanne reicht von 144 bis 410 US-Dollar. Das entspricht rund dem Doppelten des aktuellen Kurses. Piper Sandler senkte in einer Studie von Analyst James Fish vom Mittwoch das Kursziel bei Hold auf 185 von zuvor 237 US-Dollar. Einen Tag nach dieser Studie bestätigte Tal Liani von Bank of America ein Buy mit 310 US-Dollar Kursziel.

Jensen Huang von NVIDIA sagte gegenüber CNBC, die Nachfrage nach Neoclouds gehe durch die Decke, Kapital sei zwar knapp, doch das werde sich lösen. Huangs Aussage stützt damit die Nachfrageseite, beantwortet aber nicht, wie Nebius sein Wachstum bezahlt.

Wichtig für Anleger

Für Anleger ist bei der Einordnung von Musks Warnung zunächst Vorsicht vor Pauschalurteilen angebracht. Die Aussage trifft den gesamten Sektor, doch die Neoclouds unterscheiden sich erheblich darin, wie sie ihren Ausbau finanzieren. Zudem ist Musk kein neutraler Beobachter: SpaceX vermietet über seine KI-Sparte selbst Rechenleistung und steht damit im direkten Wettbewerb mit Anbietern wie Nebius, CoreWeave und IREN. Den Kern seiner Warnung sollten Anleger dennoch ernst nehmen. Wenn Kreditmärkte für Unternehmen ohne breite Einnahmebasis enger werden, entscheidet nicht allein die Nachfrage über den Erfolg, sondern ebenso der Zugang zu Kapital. Das hat auch NVIDIA-Chef Jensen Huang mit seinem Hinweis auf knappes Kapital indirekt bestätigt.

Gerade bei der Finanzierung sollten Nebius-Anleger genau hinschauen. Die neue Fazilität von Citi über 3,5 Milliarden US-Dollar verschafft kurzfristig Luft, ist mit einer Laufzeit von 364 Tagen aber keine dauerhafte Lösung, sondern muss absehbar verlängert oder ersetzt werden. Das stärkere Argument sind die langfristigen Verträge mit Kunden mit Investment-Grade-Bonität über mehr als 40 Milliarden US-Dollar, die als Basis für asset-backed Finanzierungen dienen können. Gleichzeitig räumt CEO Arkady Volozh selbst ein, dass genau dieser Markt derzeit wohl vorübergehend geschlossen ist. Wer investiert ist oder einsteigen will, sollte deshalb vor allem verfolgen, ob Nebius in den kommenden Monaten weitere langfristige Finanzierungen abschließen kann. Gelingt das, würde dies die These eines finanziell soliden Anbieters stützen, scheitert es, könnte der Ausbau ins Stocken geraten.

Für risikobereite Anleger mit langem Anlagehorizont kann ein gestaffelter Einstieg sinnvoll sein, um nicht den gesamten Betrag in einer Phase hoher Nachrichtenempfindlichkeit zu investieren. Da die Neoclouds derzeit gemeinsam auf Stimmungsimpulse reagieren, bietet ein Wechsel zwischen den Titeln kaum Schutz. Sinnvoller ist es, den Anteil des gesamten Segments im Depot zu begrenzen und Positionen in Anbietern mit breiterer Einnahmebasis wie NVIDIA als Gegengewicht zu nutzen.

Thomas Zoller, Bettina Schneider, Julia Walter, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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