Eltern unterschätzen es: Fünf Dinge müssen Kita-Kinder vor der ersten Klasse beherrschen
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Eltern unterschätzen es: Fünf Dinge müssen Kita-Kinder vor der ersten Klasse beherrschen
Von: Sophia Sichtermann
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Eltern unterstützen ihre Kinder in einem Bereich weniger, weil sie selbst Schwierigkeiten damit hatten. Eine Expertin informiert über die Fähigkeiten, die Kinder entwickeln sollten.
Hamburg – Wenn Kinder ihre ersten Worte sprechen, ist die Freude bei Eltern groß. Sprache, Lesen, Schreiben – diese Bereiche stehen in der frühen Förderung meist ganz oben auf der Liste. Mathematik hingegen wird häufig vernachlässigt. Dabei ist das Interesse an Zahlen und Mengen bei Kleinkindern von Anfang an vorhanden.
„Kinder kommen mit einem Mengenverständnis auf die Welt – eins, zwei oder drei Gegenstände werden als Mengen gesehen, sie haben nur noch keinen Namen“, sagt Barbara Schindelhauer, Gründerin des Instituts für vorschulisches Lernen (ifvl), der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Schindelhauer schult seit mehr als 20 Jahren Erzieherinnen und Erzieher in Kitas und hat gemeinsam mit dem Pädagogen Gerhard Friedrich das Buch „Komm mit ins Zahlenland“ veröffentlicht. „Kleinkinder wissen, dass drei Kekse mehr sind als einer.“
Schlechte Erfahrungen übertragen sich auf Kinder
Ein Grund für die mangelnde Mathe-Förderung liegt laut Schindelhauer bei den Erwachsenen selbst. Mathematik werde in der frühen Bildung oft auf das Auswendiglernen von Zahlenreihen und auf Arbeitsblätter reduziert. „Dabei ist Mathe viel mehr und überall um uns herum: Mengen, Formen, Abstände, Größen, Lage im Raum, Muster.“ Viele Erwachsene, darunter auch Erzieher und Eltern, „haben oft selbst schlechte Erfahrungen mit Mathe in der Schule gemacht und das überträgt sich auf die Kinder, die eigentlich ein natürliches Interesse an Mathematik haben.“
Kinder lebten in einer konkreten, emotionalen Welt, erklärt die Expertin. Mathematik dagegen sei eine abstrakte Sprache, mit der die Welt beschrieben wird. Das abstrakte Denken entwickle sich in der Kindheit erst mit der Zeit. Deshalb sei es wichtig, dass Kinder beim Lernen Dinge anfassen und im wörtlichen Sinne „begreifen“: Wie schwer ist etwas? Was fühlt sich nach „viel“ an? „Es braucht viele verschiedene Erfahrungen, mit allen Sinnen, im Spiel und im Alltag.“
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Mathe im Familienalltag: So geht es spielerisch
Mathematik lasse sich gut in den Familienalltag einbauen, sagt Schindelhauer, etwa beim gemeinsamen Kochen. Kinder könnten selbst ausrechnen, wie viele Teller gebraucht werden, Mengen abwiegen, Zutaten zählen und Gemüse nach Größe sortieren. „Das ist keine Bürde, sondern Kinder haben richtig Lust darauf. Wir verwenden ja auch andauernd Mathematik und Kinder kopieren uns.“
Auch Brettspiele eignen sich laut Schindelhauer hervorragend zur Mathe-Förderung. Das Würfelbild zeige Kindern, wie viele Züge sie machen dürften und trainiere dabei das Erfassen von Mengen, ohne dass einzeln abgezählt werden müsse. „Das beugt zählendem Rechnen mit den Fingern vor.“ Rhythmen in Reimen und Liedern gehörten ebenfalls dazu, denn Muster seien ein zentrales Thema der Mathematik.
Fünf Fähigkeiten, die Rechenschwäche verhindern können
Schindelhauer betont, dass lange vor der Einschulung an einem soliden Fundament gebaut werden müsse. Kinder sollten mehr Vorwissen und Fähigkeiten in die erste Klasse mitbringen, als vielen Eltern bewusst sei. Leider gebe es oft große Unterschiede, was Kinder bei der Einschulung an mathematischen Kenntnissen mitbringen. „Wenn dann Erfolgserlebnisse ausbleiben, ist die Lernmotivation schnell dahin, und das lässt sich oft schwer wieder einfangen.“
Laut einer Langzeitstudie der Psychologin Kristin Krajewski aus dem Jahr 2003 gibt es fünf Fähigkeiten, die Kindergartenkinder mit in die Schule bringen sollten. Diese hätten eine „hohe Vorhersagekraft dafür, ob Kinder später Rechenschwäche entwickeln“:
Mengenvergleich: Eine Zahl steht immer für eine bestimmte Menge, egal woraus sie besteht oder wie sie angeordnet ist.
Zahlenbilder bis zehn erkennen
Vorwärts und rückwärts bis zehn zählen – und Vorgänger beziehungsweise Nachfolger einer Zahl kennen
Einfaches Addieren und Subtrahieren mit wenigen Materialien – also verstehen, dass sich Zahlen in andere zusammensetzen und zerlegen lassen
Seriation: ein Element in eine vorgegebene Reihe einordnen und somit Muster erkennen
(Quelle: Krajewski: Vorhersage von Rechenschwäche in der Grundschule, 2003)