Energie: „Es wird immer enger“ - Füllstände der Gasspeicher fallen auf Rekordtief
Die Gasspeicher in Deutschland sind derzeit nach Angaben ihres Branchenverbands Ines so gering gefüllt wie noch nie seit Start der Aufzeichnungen im Jahr 2011. „Der aktuelle Gasspeicherfüllstand ist mit Abstand der tiefste Füllstand zu dieser Zeit, der seit Aufzeichnung der Speicherfüllstände in Deutschland aufgetreten ist“, sagte der Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (Ines), Sebastian Heinermann, der Deutschen Presse-Agentur. „Es handelt sich somit um einen historischen Tiefstand.“ Am Donnerstag hatte das Bundeswirtschaftsministerium versucht, Sorgen um etwaige Engpässe bei der Gasversorgung in der kalten Jahreszeit zu zerstreuen und mitgeteilt, nach aktuellem Erkenntnisstand sei eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten. Man nehme es ernst, dass die deutschen Gasspeicher deutlich weniger gefüllt seien als in den vergangenen Jahren. Gleichzeitig lasse sich die Versorgungssicherheit nicht allein an einem Speicherfüllstand ablesen. Gas komme insbesondere über Pipelines aus Norwegen, Importterminals für Flüssiggas (LNG) und von europäischen Nachbarländern. Heinermann sagte weiter, derzeit liege der Gasspeicherfüllstand bei 49 Prozent, im vergangenen Jahr seien es zum gleichen Zeitpunkt bereits 67 Prozent gewesen. Selbst wenn die derzeit gebuchten Speicherkapazitäten – der Buchungsstand beträgt aktuell 78 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten – bis zum Winter vollständig befüllt würden, würde die gespeicherte Gasmenge nicht ausreichen, um die Versorgung bei extrem tiefen Temperaturen vollständig abzusichern. Derzeit lägen die Beschaffungskosten für Gas häufig über den für den Winter erzielbaren Verkaufspreisen. Damit bestehe kaum ein wirtschaftlicher Anreiz zur Einspeicherung. Die Energiebranche schätzt, dass eine Befüllung bis 70 Prozent bis Anfang November kaum mehr zu schaffen ist. „Das ist irgendwann physikalisch nicht mehr möglich“, sagte die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Stromlobbyverbandes BDEW, Kerstin Andreae, im Deutschlandfunk. Es werde trotz hoher Gaspreise beim Einkauf zwar weiter eingespeichert, aber nur langsam. Noch sei die Vorgabe für die Füllstände erreichbar. „Aber es wird immer enger.“