DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,02 % 64.323,00 USD 08:09:33 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Energie-Experte erklärt, warum Strom bald fast nichts mehr kosten wird

Technologie

Die aktuelle Energiekrise macht deutlich, wie abhängig Europa von Öl und Gas aus Russland und der Golfregion ist. Gleichzeitig eröffnet sie die Chance, die Versorgung grundlegend neu zu gestalten und unabhängiger zu werden. Was hinter der Terawatt-Gesellschaft steckt Unter einer Terawatt-Gesellschaft verstehen Experten eine Wirtschafts- und Lebensweise, in der enorme Energiemengen aus erneuerbaren Quellen stammen. Strom wird dann dezentral erzeugt, ist preiswert, zuverlässig und nahezu emissionsfrei. Die bisherige Ära fossiler Brennstoffe weicht schrittweise einem System, das auf heimischer Solar- und Windkraft basiert. Die Primärenergie stammt aus Sonne und Wind, die als Ressourcen unbegrenzt zur Verfügung stehen. Damit verbunden ist ein tiefgreifender Wandel: Energie wird nicht mehr importiert, sondern vor Ort erzeugt, digital gesteuert und flexibler genutzt. Das soll die Basis für mehr Energiesicherheit und langfristigen Wohlstand schaffen. Solarenergie wächst derzeit rasant und ergänzt sich mit Windkraft zum neuen Rückgrat der Stromversorgung. Durch sinkende Kosten und große Ausbauprogramme könnten erste Staaten in den kommenden Jahrzehnten einen deutlichen Energieüberschuss erreichen. chip newsletter Jetzt zur exklusiven Balkonkraftwerk-Serie anmelden Abonnieren Sie den ePower Newsletter und erhalten Sie exklusiv Zugang zum CHIP How-to Balkonkraftwerk: Mit unserer neuen Newsletter‑Serie Balkonkraftwerk - Schritt für Schritt begleiten wir Sie auf dem Weg zu Ihrer eigenen Mini‑Solaranlage. Virtuelle Kraftwerke: vernetzte Kleinanlagen statt einzelner Großkraftwerke Stromnetze werden zunehmend digitalisiert und intelligenter. An die Stelle weniger großer Kraftwerke treten Millionen kleiner Erzeuger und Verbraucher: Solaranlagen, Windräder, Elektroautos, Wärmepumpen und Batteriespeicher, dazu große Wind- und Solarparks, Großbatterien, flexible Biogasanlagen und Gaskraftwerke, die nur noch selten einspringen müssen. ANZEIGE ANZEIGE Diese vielen Komponenten lassen sich zu virtuellen Kraftwerken zusammenschalten. Gemeint ist ein Verbund aus vernetzten Kleinanlagen und Batterien, der wie eine riesige, dezentrale Giga-Batterie funktioniert. Überschüssiger Strom wird gespeichert und bei Bedarf wieder ins Netz eingespeist. Elektroautos übernehmen dabei eine doppelte Rolle: Sie dienen als Verkehrsmittel und als mobile Speicher. Ihre Akkus können gemeinsam eine große Schwarmbatterie bilden, die das Stromsystem entlastet. Schon in einigen Jahren könnte die deutsche E-Auto-Flotte laut aktuellen Berechnungen eine Speicherkapazität von rund 700 Gigawattstunden erreichen – etwa die Hälfte des täglichen Stromverbrauchs. Dafür wären rund 15 Millionen Elektrofahrzeuge nötig. Aktuell sind es etwa zwei Millionen, was rund vier Prozent des Pkw-Bestands entspricht, doch bei den Neuzulassungen ist bereits jedes vierte Auto vollelektrisch. Vehicle-to-Grid: Autobatterien speisen Strom zurück Die Batterien der Elektroautos laden vorzugsweise dann, wenn Sonne und Wind viel Energie liefern. Vom Frühjahr bis in den Herbst hinein sind diese Phasen bereits heute häufig, Strom ist dann sehr günstig oder zeitweise sogar kostenlos. Beim sogenannten Vehicle-to-Grid-Konzept fließt Strom nicht nur in Richtung Fahrzeug, sondern auch zurück ins Netz. Bidirektionales Laden ermöglicht es, dass E-Autos bei Bedarf Energie einspeisen und so zur Netzstabilität beitragen. In einer ausgebauten Terawatt-Gesellschaft wird Energie damit zur Plattform für neue Ideen. Unternehmen können auf dieser Basis innovative Geschäftsmodelle entwickeln, die Wertschöpfung steigt und die Abhängigkeit von fossilen Importen sinkt. Langfristig könnten Zahlungen an Öl- und Gasexporteure aus Russland und der Golfregion drastisch zurückgehen. Stattdessen würde heimische Energie den Bedarf decken. Sprung in Entwicklungsländern: dezentrale Systeme als Chance Viele Entwicklungs- und Schwellenländer setzen bereits auf dezentrale Lösungen. Fachleute sprechen hier von „Leapfrogging“ – dem Überspringen älterer Technologien zugunsten moderner Systeme. In Teilen Afrikas sowie in Ländern wie Indien und Pakistan entstehen solche Strukturen schon heute: Kleine Solaranlagen, lokale Speicher und virtuelle Netze ermöglichen Stromversorgung ohne große fossile Kraftwerke. Wenn Energie kein Engpass mehr ist, können Wohlstand, Gesundheitsversorgung und Bildung profitieren. Strom wird dann zum Hebel für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Warum politischer Wille und Digitalisierung entscheidend sind Die Terawatt-Gesellschaft entsteht jedoch nicht automatisch. Sie erfordert klare Rahmenbedingungen, funktionierende Märkte und konsequente Digitalisierung. Nach aktuellen Schätzungen sind in Deutschland bereits über 20 Gigawattstunden Batteriespeicher in Privathaushalten installiert, meist gemeinsam mit Solaranlagen. Damit ließe sich ein großer Teil der heutigen Solarspitzen speichern und in die Abend- sowie Nachtstunden verschieben. Regionen wie Kalifornien, Texas oder Australien zeigen, wie Batterien gezielt eingesetzt werden können, um die Stromnachfrage zu glätten. Dort helfen sie, Erzeugungsspitzen abzufangen und Versorgungslücken zu schließen. In Deutschland bremsen hingegen oft bürokratische Hürden den Ausbau. Netzbetreiber brauchen lange für Prozesse, der Wechsel von Solaranlagen in die Vermarktung an der Strombörse verzögert sich, Smart Meter fehlen vielerorts, und Förderprogramme setzen kaum Anreize für den Markteintritt bestehender Anlagen. Technologiesprung statt Wunderlösung Neue, bislang unbekannte Energietechnologien sind nicht zwingend nötig, um die Versorgung umzustellen. Entscheidend ist die konsequente Nutzung dessen, was bereits vorhanden ist: Solar- und Windkraft, Batteriespeicher, digitale Stromzähler und virtuelle Kraftwerke. Die Geschichte zeigt, wie schnell technologische Umbrüche verlaufen können. Anfang des 20. Jahrhunderts löste das Automobil die Pferdekutsche ab – zunächst zögerlich, dann mit rasantem Wachstum. Innerhalb weniger Jahre sank der Preis für Autos deutlich, und Infrastruktur wie Tankstellen wurde massiv aufgebaut. Ähnlich könnte sich auch der Wandel im Energiesystem beschleunigen. Mit sinkenden Kosten, besserer Infrastruktur und wachsender Akzeptanz wird der Umstieg für Verbraucherinnen und Verbraucher attraktiver.

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