Energiepreise steigen: Wann steigen die Heizkosten?
Heizkosten 2026/27
"Gasheizungen werden zur Kostenfalle"
Von Jennifer Buchholz
17.09.2026 - 11:56 UhrLesedauer: 4 Min.
Die Eskalation rund um die Straße von Hormus treibt die Energiepreise nach oben. Der eigentliche Kostenschock für die Verbraucher dürfte jedoch erst ab der nächsten Heizkostenabrechnung spürbar werden.
Die Spannungen rund um die Straße von Hormus lassen nicht nach. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Und so kennen die Energiepreise nur einen Weg: steil nach oben.
Aktuell spüren Verbraucher das vor allem an der Zapfsäule und beim Heizölkauf. Aber auch die Preise für Erdgas sind seit dem Angriff der USA auf den Iran Ende Februar 2026 deutlich angestiegen. Neukunden zahlen inzwischen bis zu 20 Prozent mehr.
Für die nächste Heizkostenabrechnung gibt Alexander Steinfeldt, Energie-Experte der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online, zumindest bei Gas erst einmal vorsichtige Entwarnung: "Für 2026 zeichnete sich beim Erdgas zunächst eine leichte Entlastung ab. Durch den Wegfall der Gasspeicherumlage könnten die Heizkosten im Jahresdurchschnitt etwas sinken." Doch dabei handelt es sich nur um eine kurze Verschnaufpause. Denn die zuletzt gestiegenen Großhandelspreise könnten dem Experten zufolge "mit Verzögerung auf die Verbraucherpreise durchschlagen und die Gaskosten Ende 2026 oder im Laufe des Jahres 2027 wieder steigen lassen." Angesichts dieser Prognose spricht Steinfeldt auf Nachfrage von t-online eine deutliche Warnung aus: "Langfristig droht Verbrauchern mit Gasheizung eine erhebliche Kostenbelastung: In 20 Jahren könnten die Heizkosten mehr als doppelt so hoch sein wie heute." Das heißt: "Gasheizungen werden dadurch zur Kostenfalle."
Was also tun?
Wer jetzt vor der Entscheidung für einen Heizungstausch steht, sollte zwei Entwicklungen beachten: die akute Preiskrise und die langfristig steigenden Kosten für fossile Brennstoffe.
Die "Biotreppe" verteuert Erdgas
Unabhängig von der aktuellen Lage auf den Energiemärkten wird Erdgas in den nächsten Jahren immer teurer. Grund ist die mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) eingeführte "Biotreppe". Diese sieht vor, dass unter anderem Erdgas schrittweise durch einen immer höheren Anteil an grünen Gasen – etwa Biomethan oder grünem Wasserstoff – ersetzt werden soll. Da diese ökologischen Brennstoffe jedoch teurer – und zudem knapp – sind, erhöhen sich die Heizkosten entsprechend.
Wer jedoch jetzt seine Gasheizung gegen eine Wärmepumpe tauscht, kann auf lange Sicht gesehen finanziell günstiger heizen als mit fossilen Brennstoffen. Das bestätigen Studien immer wieder – darunter etwa eine Kurzstudie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE).
Hinzu kommen der steigende CO2-Preis und höhere Gasnetzentgelte durch die sinkende Zahl an Gaskunden, weiß Steinfeldt.
Studien unterschätzten Preissprung
Was bei den Studien bislang nicht berücksichtigt werden konnte, ist der jüngste, krisenbedingte Preisanstieg bei Gas. Zwar gingen die Studienautoren bei ihren Analysen ebenfalls von stetig steigenden Gaspreisen aus – dass sich diese aufgrund der Lage rund um die Straße von Hormus innerhalb so kurzer Zeit derart stark erhöhen, war nicht absehbar. Für die Beispielrechnungen in den Studien bedeutet dies: Gas ist nun noch teurer als angenommen – dementsprechend größer fällt die Differenz zwischen den Heizkosten für Wärmepumpe und Gasheizung aus. Die Folge: Die Wärmepumpe wird somit finanziell noch attraktiver.
Die aktuelle Energiepreiskrise wirkt dabei noch schneller auf die Heizkostenrechnung, als viele Gasheizungsbesitzer befürchten. Der Grund: Gasanbieter kaufen ihre Mengen in der Regel über langfristige Lieferverträge ein. Dadurch bleibt auch der Gaspreis über eine längere Zeit stabil. Läuft ein solcher Vertrag jedoch aus und muss er neu abgeschlossen werden, geschieht das zu entsprechend anderen Konditionen. Da Analysten nicht mit einer baldigen Entspannung der geopolitischen Lage und somit der Situation auf den Energiemärkten rechnen, bleibt auch den Gasanbietern nicht die Option, auf sinkende Preise zu spekulieren und den Vertragsabschluss noch ein paar Tage hinauszuzögern.
Diese Mehrkosten werden dann direkt an die Neukunden weitergegeben – teilweise ist das bereits bei der Gaspreisentwicklung in diesem Jahr sichtbar.
Fernwärme – eine Option?
Nein, auch bei diesem Heizsystem dürften die Kosten steigen. Der Grund: Häufig werden die Fernwärmenetze mit Gas betrieben (Kraft-Wärme-Kopplung). Der Gasanteil kann hierbei bis zu 70 Prozent betragen. Steigen also die Gaspreise, steigen auch die Kosten für diese Wärmeerzeugung. Doch anders als bei der Gasheizung tritt die Preiserhöhung deutlich verzögert ein. Denn anders als bei Gas sind die Fernwärmepreise über Preisanpassungsklauseln an die Kostenentwicklung des jeweiligen Versorgers gekoppelt und nicht direkt an die Gaspreise. Wie stark die Preiserhöhung ausfällt, zeigt sich also vermutlich erst im kommenden Jahr.
Heizen mit Holz?
Auffällig ist, dass die Preise für Pellets ebenfalls steigen – von 318,19 Euro für sechs Tonnen lose Ware im September 2025 auf momentan 433,32 Euro –, obwohl Pellets auf den ersten Blick nichts mit der Lage rund um die Straße von Hormus zu tun haben. Hauptgrund ist die Rohstoffknappheit. Laut dem Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband wurde aufgrund der schwachen Baukonjunktur nur wenig Rundholz geschnitten. Die Folge: Es fielen weniger Sägespäne an. Doch diese sind wichtig für die Pelletherstellung. Ein zweiter Grund für den Preisanstieg ist die erhöhte Nachfrage. Hinzu kommen die erhöhten Energiekosten für die Produktion – ein Faktor, der durch die geopolitische Lage beeinflusst wird.
Was also tun?
"Die aktuelle Preisentwicklung und die langfristigen Aussichten machen den Wechsel zu einem Heizsystem auf Basis erneuerbarer Energien auch zu einer wirtschaftlichen Entscheidung", sagt Steinfeldt den t-online-Lesern. Weiterhin ist die günstigste Lösung also der Umstieg auf eine Wärmepumpe. Idealerweise mit Solaranlage und womöglich einem Batteriespeicher. Dadurch sinkt die Abhängigkeit vom Strompreis und somit auch von geopolitischen Lagen.
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