Energiewende macht Deutschlands Norden zum neuen Industriezentrum
Es ist ein Mega-Projekt in Höhe von 5,6 Milliarden Euro – eines, das Deutschland und Europa unabhängiger von der Daten-Dominanz der USA machen soll. Die für ihre Supermarktketten Lidl und Kaufland bekannte Schwarz-Gruppe will groß in den Bau eines Rechenzentrums in Dummerstorf bei Rostock investieren. Bis 2033 soll hier, unweit der mecklenburgischen Ostseeküste, ein Datacenter mit einer Kapazität von 240 Megawatt entstehen.
„Wir wollen, dass digitale Souveränität, digitale Wertschöpfung wieder in Deutschland und Europa stattfindet“, sagte Gerd Chrzanowski, Chef der Schwarz-Gruppe, bei der Vorstellung des Projekts am Donnerstag in Schwerin. In Brandenburg baut Schwarz bereits ein ähnlich großes Rechenzentrum, für insgesamt elf Milliarden Euro.
Banger Blick in die USA
Schwarz will sich als europäische Alternative zu den großen amerikanischen Datenriesen wie Amazon und Microsoft positionieren – mit Hilfe des neuen Standorts im Nordosten Deutschlands. Dass Schwarz ausgerechnet dort investiert, hat wiederum seinen Grund: „Die hohe Verfügbarkeit von nachhaltig produziertem Strom, unter anderem aus On- und Offshore-Windkraft“, sei ein wesentlicher Grund für die Standortentscheidung gewesen, heißt es in einer Mitteilung von Schwarz.
Kleines Kraftwerk
Denn: Obwohl Rechenzentren unbestritten zentral für Datenverarbeitung und Digitalisierung sind, ist ihr Bau oft umstritten. In den USA bilden sich schon Bürgerbewegungen gegen den Bau von Datencentern aufgrund deren Strom- und Wasserverbrauchs, in mehreren Bundesstaaten laufen derzeit Gesetzgebungsverfahren zum vorübergehenden Baustopp.
ANZEIGE
ANZEIGE
Ran an den Überschuss
Eine Debatte, die an der Ostseeküste ins Leere läuft, so die Hoffnung der Schwarz-Gruppe: Denn Mecklenburg-Vorpommern produziert deutlich mehr Windstrom, als es selbst verbraucht. Bislang wird ein Großteil des Stroms über Hochspannungsleitungen in den Süden Deutschlands geführt. Das neue Rechenzentrum nimmt sich jetzt einen Teil dieses Überschuss-Stroms – und weil es in Dummerstorf einen Anschluss an das Höchstspannungsnetz gibt, kann der Strom effizient bis zur Anlage transportiert werden.
Mecklenburg-Vorpommern hat daher einen doppelten Standortvorteil: Nicht nur ist günstiger grüner Strom verfügbar, es sind auch noch Anschlüsse vorhanden, um ihn zu transportieren. Andere windreiche Länder wie Schleswig-Holstein haben zwar noch größere Mengen erneuerbarer Energie, kämpfen aber teilweise mit Netzengpässen beim Abtransport des Stroms.
Weniger „Geisterstrom“ für alle
Mecklenburg-Vorpommern jedenfalls verspricht sich einiges von seinem neuen Standortvorteil. „Das Wichtigste für uns ist, dass unser Land einen großen Schritt macht, das Thema erneuerbare Energien und Digitalisierung miteinander zu verbinden“, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Donnerstag bei der Vorstellung des Projekts.
Das Problem in Mecklenburg-Vorpommern, so Schwesig, sei nicht der Mangel an erneuerbarer Energie, sondern der fehlende Ausbau der Stromnetze im Süden Deutschlands, wodurch Windkraftanlagen oft ausgeschaltet werden müssten. Durch das Rechenzentrum sei eine hohe Grundlast gewährleistet, es müsse weniger „Geisterstrom“ weggeworfen werden. Projekte wie das Schwarz-Rechenzentrum sollen daher auch den Strompreis insgesamt drücken, so die Hoffnung.
+++ Keine Klima-News mehr verpassen – abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal +++