Entwaffnung der Hamas: Hat Trump den Mund zu voll genommen?
Entwaffnung der Hamas Trump schießt über das Ziel hinaus Eine Analyse von David Schafbuch Aktualisiert am 31.07.2026 - 19:48 UhrLesedauer: 4 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Donald Trump vermeldet, dass die Terrororganisation Hamas entwaffnet werden soll. Aber hat er damit recht? David Schafbuch berichtet aus Washington Am Donnerstagabend verkündete Donald Trump die Einigung. Man habe eine "historische Vereinbarung" erzielt, schrieb der US-Präsident auf seiner Plattform Truth Social. Trumps Friedensrat habe eine Einigung erzielt, die zu einer vollständigen Entwaffnung der Terrororganisation Hamas und aller weiteren militanten Gruppen im Gazastreifen führen soll. Der US-Präsident sprach von einem "bahnbrechenden Schritt in Richtung dauerhaften Friedens und Sicherheit". Der sei auch ein Weg zu einer palästinensischen Regierung, die dem Volk diene. Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog Krieg in Nahost: Alle Entwicklungen im Überblick Allerdings zeigte sich wenig später, dass Trump mit seinen Worten über das Ziel hinausgeschossen sein könnte. Denn die Äußerungen von Hamas und der israelischen Regierung deuten darauf hin, dass die Entwaffnung keineswegs baldigst umgesetzt werden kann. Stattdessen dürfte auf Trump und den Friedensrat noch viel Detailarbeit zukommen. Erste Phase des Gaza-Friedensplans abgeschlossen Die Entwaffnung der Terrorgruppe war einer der Knackpunkte des 20-Punkte-Plans, den die Trump-Regierung im vergangenen Herbst ausgehandelt hatte und der von den Vereinten Nationen gebilligt wurde. Der Plan umfasst grob zwei Phasen: In der ersten ging es um einen vollständigen Waffenstillstand im Gazastreifen und den Austausch von Geiseln der Hamas und palästinensischen Gefangenen aus Israel. Der Austausch der Geiseln und der Gefangenen wurde im Januar abgeschlossen. Die israelische Regierung bestätigte, dass alle lebenden Geiseln und sterbliche Überreste der getöteten Gefangenen übergeben wurden. Die zweite, aktuelle Phase umfasst Verhandlungen, die einen längerfristigen Frieden in dem Palästinensergebiet ermöglichen sollen. Darin ist nicht nur die Entwaffnung der Hamas vorgesehen, die Terrorgruppe soll auch die politische Kontrolle über das Gebiet an eine Übergangsregierung aus Technokraten übergeben. Dafür hatte die Hamas Anfang des Monats die Auflösung ihrer Regierung im Gazastreifen verkündet. Zudem soll eine internationale Stabilisierungsgruppe gemeinsam mit einer neu geschaffenen Polizei die Sicherheit in dem Gebiet gewährleisten. Geplant sind laut Angaben aus dem Friedensrat 20.000 internationale Soldaten sowie 12.000 Polizisten. An der Stabilisierungsgruppe wollen sich laut Friedensrat bislang Indonesien, Marokko, Kasachstan, der Kosovo und Albanien beteiligen. Die Ausbildung der Polizei soll durch Ägypten und Jordanien erfolgen. Auch das israelische Militär soll sich aus dem Gazastreifen zurückziehen: Vorgesehen ist dem Plan zufolge, dass Israel den Gazastreifen weder besetzen noch annektieren wird. Das israelische Militär soll die Kontrolle schrittweise an die Stabilisierungsgruppe übergeben. Was kommt zuerst? Das Problem scheint allerdings zu sein, was zuerst erfolgen soll. Denn dort gehen die Meinungen zwischen Hamas, der israelischen Regierung und den USA auseinander. Trump hatte mitgeteilt, dass zuerst die Entwaffnung erfolgen müsse, ehe man weitere Schritte einleiten könne. Auch von der israelischen Regierung hieß es in einer ersten Reaktion, sie sei nach der Entwaffnung bereit, sich von der "gelben Linie" zurückzuziehen. Es handelt sich dabei um eine in dem Abkommen ausgehandelte Demarkationslinie. In einer ersten Mitteilung der Hamas hieß es dagegen, dass die Voraussetzung für die Entwaffnung zunächst der Rückzug der israelischen Truppen sei. Ähnlich äußerte sich auch der mit der Hamas verbündete Islamische Dschihad: Das Politbüro der Terrorgruppe teilte mit, dass keine Einigung erzielt worden sei. Es liege lediglich ein Entwurf vor, gegen den man Vorbehalte habe. Tatsächlich werden trotz Waffenruhe nahezu täglich neue israelische Angriffe in dem Gebiet vermeldet. Das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium meldete seit Beginn des Abkommens, dass mindestens 1.214 Menschen getötet wurden. Auch wenige Stunden nach der Mitteilung Trumps kam laut palästinensischen Rettungskräften eine weitere Person durch israelische Angriffe ums Leben. Auch die israelische Regierung wirft der Hamas vor, die Vorgaben des Abkommens durch eigene Angriffe nicht einzuhalten. Bei den Massakern der Hamas in Israel am 7. Oktober 2023 wurden 1.139 Menschen getötet und 250 in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte auf den Angriff mit großflächigen Militärschlägen gegen Gaza. Nach palästinensischen Angaben wurden in dem fast zwei Jahre dauernden Krieg mehr als 70.000 Menschen getötet. "Schwieriges und schmerzhaftes" Abkommen Zudem gibt es unterschiedliche Meldungen darüber, wie die Hamas künftig mit schweren Waffen umgehen soll. In einer Mitteilung der Terrororganisation heißt es, dass auch die Gründung eines palästinensischen Staats daran geknüpft sei. Der an den Verhandlungen beteiligte Hamas-Vertreter Ghasi Hamad hingegen sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass man bereit sei, ein "schwieriges und schmerzhaftes" Abkommen zu akzeptieren. Sollte sich das israelische Militär zurückziehen, sei man bereit, alle Waffen unter die Kontrolle der Übergangsregierung zu stellen. Loading... Loading... Loading... Sollte die Hamas an der Forderung zur Schaffung eines palästinensischen Staats festhalten, würde das über den zuvor ausgehandelten 20-Punkte-Plan hinausgehen. Denn das sieht der Plan nicht explizit vor. Unter Punkt 19 heißt es lediglich, dass während eines Wiederaufbaus und einer Reform der palästinensischen Autonomiebehörde die Voraussetzungen geschaffen werden könnten "für einen glaubwürdigen Weg zur palästinensischen Selbstbestimmung und Staatsbildung". Weiter heißt es dort, dass das entsprechende Bestreben des palästinensischen Volkes anerkannt werde. Trumps Friedensrat hat am Freitagmorgen (Ortszeit) dann weitere Details zum Ablauf der zweiten Phase veröffentlicht: Sowohl Israel als auch die Hamas werden aufgefordert, ihre militärischen Operationen vollständig einzustellen. Danach müsse die politische Verantwortung auf die neue Übergangsregierung übergehen. Einigung in den kommenden zwei Wochen Die Entwaffnung der Hamas beginne erst, wenn zusätzlich die internationalen Stabilisierungstruppen im Gazastreifen aktiv seien. Dies beinhalte auch schwere Waffen, Produktionsstätten sowie die Zerstörung von Waffenlagern und Tunneln. Die Kontrolle der Waffen liege bei der Übergangsregierung und nicht etwa bei Israel oder anderen nicht palästinensischen Gruppen. Laut Friedensrat wurde dem Fahrplan entgegen Trumps Behauptungen noch nicht zugestimmt. Man wolle innerhalb von 14 Tagen einen Zeitplan festlegen, sofern alle Parteien den Vorgaben zustimmen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich bislang noch nicht zu den Vorgaben geäußert. Der rechtsextreme israelische Polizeiminister Itamar Ben-Gvir nannte den Fahrplan für Israel dagegen inakzeptabel. Er forderte, dass Israel die gezielten Tötungen von Hamas-Mitgliedern fortsetzen müsse. Ben-Gvir hatte bereits in der Vergangenheit Abkommen mit der Hamas abgelehnt.