„Entwicklung gestört“ - Neurologin warnt vor beliebter Einschlafhilfe bei Kindern
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„Entwicklung gestört“ – Neurologin warnt vor beliebter Einschlafhilfe bei Kindern
Von: Sophia Sichtermann
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Viele Eltern greifen auf eine verbreitete Hilfe zurück, um ihren Babys das Einschlafen zu erleichtern. Eine Kinderärztin erläutert die Risiken und stellt bessere Alternativen vor.
Hamburg – Ob Regenprasseln oder Hörspiel: Viele Erwachsene schlafen mit Hintergrundgeräuschen ein. White Noise – ein monotones Rauschen in einem bestimmten Frequenzbereich – empfinden dabei viele als besonders beruhigend. Für manche Eltern liegt es deshalb nahe, dieses Geräusch auch ihren Babys und Kleinkindern vorzuspielen, wenn der Nachwuchs nicht zur Ruhe kommt. Dass White Noise für Kinder jedoch gefährlich werden kann, erklärt Ursula Felderhoff-Müser, Direktorin der Klinik für Kinderheilkunde am Universitätsklinikum Essen und Fachärztin für Neonatologie und Neuropädiatrie, gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.
White Noise bei Kindern: „Viel zu laut für Babys und damit gefährlich“
„Bislang gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass White Noise einen positiven Effekt auf Kinder hat. Ein klarer Nutzen ist nicht bewiesen“, sagt Felderhoff-Müser. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall: „Es ist bekannt, dass bei Kindern, die kontinuierlicher Lärmbelastung ausgesetzt sind, die Entwicklung gestört ist.“ Dazu gebe es Untersuchungen aus der Umweltmedizin. „Es ist für die Kinder nicht gut“, so die Expertin.
Ursprünglich stamme der Einsatz von White Noise aus der Arbeitswelt, wo das Rauschen dazu dient, störende Umgebungsgeräusche auszublenden. Was für Erwachsene funktioniere, sei jedoch nicht automatisch für kleine Kinder geeignet. Eine Untersuchung habe dabei „erschreckende Ergebnisse“ geliefert: Sowohl White-Noise-Maschinen als auch Baby-Schlaf-Apps seien „viel zu laut für Babys und damit gefährlich“, erklärt die Expertin. Die entsprechenden Apps und Geräte seien für Erwachsene entwickelt worden, die Lautstärke könne in einigen Fällen sogar Arbeitsplatzgrenzwerte überschreiten. „Da Babys oft zehn bis zwölf Stunden schlafen, sind sie dieser Geräuschkulisse übermäßig lange ausgesetzt“, warnt Felderhoff-Müser.
Gehirnentwicklung und Sprachentwicklung können beeinträchtigt werden
Die Risiken beschränken sich laut der Fachärztin nicht allein auf das Gehör. Aus Untersuchungen zu Flug- und Verkehrslärm sei bekannt, dass auch die Gehirnentwicklung von Kindern beeinträchtigt werden könne. „Sie haben eine verzögerte geistige Entwicklung und Verhaltensstörungen. MRT-Untersuchungen belegen, dass dabei auch Gehirnregionen betroffen sind, die für die Sprachentwicklung wichtig sind“, sagt die Expertin gegenüber der Frankfurter Rundschau..
Zum Thema White Noise bei Neugeborenen und Kleinkindern gebe es bislang nur wenige Studien. In einer Untersuchung wurde Neugeborenen auf der Intensivstation White Noise vorgespielt, um das Rauschen von Beatmungsgeräten zu überlagern. Die Ergebnisse deuteten jedoch darauf hin, dass weniger Geräusche für die Kinder besser seien. „Insgesamt scheint sich eine Lärmreduktion eher positiv auf Vitalparameter wie die Herzfrequenz und das Stresslevel der Kinder auszuwirken“, sagt die Expertin.
Singen und sanfte Musik als bessere Alternativen zu White Noise