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Er glaubt die miesen Merz-Werte nicht!: Meinungsforscher knöpfen sich Kanzler-Sprecher vor

Nation

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Berlin – Diktaturen kennen keine Umfragen – jedenfalls keine unabhängigen. In Deutschland ist das anders, da erledigen das Medienhäuser wie RTL, SPIEGEL oder BILD – dank großer Umfrageinstitute. Wenn die mehr als 1000 Menschen in der richtigen Zusammensetzung fragen, dann gilt das als repräsentativ. Einer findet das nicht: Regierungssprecher Stefan Kornelius. Der hat gestern öffentlich die miesen Umfragewerte für seinen Chef, Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU), angezweifelt.

Merz kommt nicht nur bei BILD und RTL regelmäßig auf die schlechtesten Beliebtheitswerte, die je für einen Kanzler gemessen wurden. Bei allen Umfrageinstituten liegt die Union derzeit deutlich hinter der AfD. Sie erreicht bei YouGov nur noch 18 Prozent, bei Allensbach 22,5 Prozent. Im ARD-Deutschlandtrend waren Anfang September nur 13 Prozent der Befragten mit der Arbeit von Merz zufrieden. Das ist der niedrigste je für einen amtierenden Kanzler gemessene Wert. Doch Kornelius, einst Auslandschef der „Süddeutschen Zeitung“, versteht das offenbar nicht: „Keines dieser Institute, die in dieser Frequenz Umfragen auf den Tisch legen, hat die Finanzressourcen, um solche Umfragen zu machen. Also sollten wir vielleicht alle mal sehr vorsichtig mit diesem Instrument umgehen“, sagte Kornelius in der Bundespressekonferenz.

Die Branche reagierte belustigt bis besorgt:

Hermann Binkert, Chef des INSA-Meinungsforschungsinstituts, befragt wöchentlich für BILD die Deutschen.

Hermann Binkert zu BILD: „Wenn man im Spiegel nicht mehr gut aussieht, muss es am Spiegel liegen. Nur komisch, dass man sich aufgrund falscher Umfrageergebnisse vor den Wählern versteckt, und letztlich müssten dann auch die Wahlergebnisse falsch sein. Die Wirklichkeitsverweigerung erreicht ein neues Niveau.“

Sein Rat an Kornelius und sein Bundespresseamt (540 Mitarbeiter): „Vielleicht sollte sich das Bundespresseamt solche Umfragen auch einmal leisten.“

Abgesehen davon: Die Umfragen bezahlen die Auftraggeber bei den Instituten – etwa BILD bei INSA.

Manfred Güllner, Forsa-Gründer, der Urvater der deutschen Umfrage-Institute:

Manfred Güllner zu BILD: „Ein souveräner Umgang mit Umfragen ist selten in der Politik und in diesem speziellen Fall nicht in Ordnung. Die Menschen sind nun einmal unzufrieden mit dem Kanzler. Da sollte Herr Kornelius den Kanzler vielleicht auch entsprechend beraten und aufklären, ihm nahelegen, die große Unzufriedenheit der Bundesbürger mit seiner bisherigen Arbeit ernst zu nehmen.“

Güllner weiter: „Man darf nicht nach Mehrheitsmeinungen regieren – dann hätten wir zum Beispiel die Todesstrafe einführen müssen –, sollte aber doch die Meinungen und Sorgen der Menschen wahrnehmen, statt die Umfrageinstitute zu kritisieren. Wir, die seriösen Institute, referieren, was Menschen denken, fühlen und sagen. Das sollte man ernst nehmen und nicht abtun.“

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