Er hat einen Eisbären als WhatsApp
Die Handynummer von BND-Vizechef Dag Baehr, einem der ranghöchsten Geheimnisträger der Bundesrepublik, steht seit Jahren öffentlich im Internet. Das haben Recherchen von WDR und „Süddeutscher Zeitung“ ergeben. Bis vor Kurzem nutzte Baehr die Nummer offenbar sogar noch, erst am 9. September hätten sie ihn dort erreicht, berichten die Reporter.
Baehr ist seit 2023 militärischer Vize-Präsident des Bundesnachrichtendienstes. Dem Generalmajor der Bundeswehr untersteht die strategische Militäraufklärung im Ausland: russische Atomwaffen, Nordkoreas Raketenprogramme, alles streng geheim. Wie also konnte seine Handynummer im Netz landen – ebenso wie private E‑Mail-Adressen und seine Wohnanschrift in Bayern?
Der Geheimdienstler wurde laut WDR und SZ Opfer eines Datenlecks bei einem US-Online-Auktionshaus für Kunst und Antiquitäten. Solche Leaks passieren immer wieder: Hacker dringen in die Systeme von Internetplattformen ein und stellen die erbeuteten Daten ins Netz, Nutzer werden per E-Mail gewarnt und etwa aufgefordert, ihre Passwörter zu ändern. So auch im Fall von Baehr – im Jahr 2020.
„Aus familiären Gründen“ habe er die betroffene Handynummer trotzdem sechs Jahre lang weiter genutzt, sagte Baehr im Gespräch mit WDR und SZ. „Das war ein Fehler. Ich habe diesen inzwischen korrigiert.“
Gespräche mit Beamten und Militärs aus dem Sicherheitsbereich wecken demnach jedoch Zweifel an dieser Darstellung. Diese hätten „in ihren Telefonen allein die im Netz geleakte Nummer als mobile Erreichbarkeit von Baehr gespeichert“, schreiben WDR und SZ. Und das, obwohl sie mit dem Generalmajor nur beruflichen Umgang pflegten, keinen privaten.
Vor seiner Zeit beim BND leitete Dag Baehr das Kommando Strategische Aufklärung der Bundeswehr sowie deren Elite-Einheit Kommando Spezialkräfte (KSK). Sein Profilbild bei WhatsApp zeigt laut den Reporten einen Eisbären, passend zum Spitznamen des Generalmajors: „der Eisbär“.
Das Bundeskanzleramt, das den BND beaufsichtigt, reagierte demnach zurückhaltend und teilte lediglich mit: „Grundsätzlich werden Hinweise auf Datenleaks, von denen Mitarbeitende von Sicherheitsbehörden betroffen sind, sehr ernst genommen.“ Eine weitere Stellungnahme zu „Personalangelegenheiten“ habe es aber ebenso wie der BND abgelehnt.