„Er hat obsessive Angst davor, getötet zu werden“: Tschechiens Präsident hält Putin für isoliert und schlecht beraten
Tschechiens Präsident Petr Pavel hält Kremlchef Wladimir Putin für falsch informiert und paranoid. In einem Interview mit dem „Bild“-Journalisten Paul Ronzheimer für dessen Podcast sagte der 64-Jährige, dass der russische Machthaber in seinen Augen „ziemlich isoliert“ sei.
Pavel ergänzte: „Er vertraut nicht vielen Menschen. Außerdem hat er geradezu obsessive Angst davor, getötet zu werden. Und wenn er nur von einer begrenzten Zahl von Menschen umgeben ist, können diese ziemlich erfolgreich die Informationen filtern, die sie ihn hören lassen wollen.“
Die Folgen daraus seien dem Tschechen zufolge allerdings fatal: „Ich glaube, er ist nach wie vor davon überzeugt, wahrscheinlich sogar aufgrund der Berichte seiner Militärführung, dass die Operation erfolgreich verläuft. (…) Ich glaube, dass er in mehrfacher Hinsicht falsch informiert wird.“
Wird Putin „falsch informiert“?
In den vergangenen Monaten berichteten Militäranalysten immer wieder, dass es innerhalb des russischen Militärs Verschleierungsversuche bei Berichten zur tatsächlichen Frontlage gebe.
Aus Angst vor weitreichenden Konsequenzen sollen selbst hochrangige Armeeoffiziere Rückschläge und Geländeverluste der eigenen Truppen verschleiern und Frontberichte beschönigen, berichtete etwa die US-amerikanische Denkfabrik „The Institute for the Study of War“ (ISW) wiederholt in ihren Lageberichten zum Ukraine-Krieg.
Als Moskau etwa medienwirksam Geländegewinne vermeldete, obwohl Analysten zweifelsfrei Gebietsverluste feststellen konnten, schrieb das ISW, dass Putins Frontberichte „schon an Halluzinationen grenzen“.
Jüngst bemängelten selbst russische kremltreue Kriegsblogger die fragwürdige Informationspolitik innerhalb der russischen Armee. So forderte etwa der Telegram-Militäranalysekanal „Älter als Edda“ via Telegram, dass man endlich „damit aufhören sollte, die Vorgesetzten zu belügen. Das würde zu einer weitaus kompetenteren Planung der Militäroperationen führen“.
Pavel dementiert Nato-Angriffspläne gegen Russland
Im Ronzheimer-Podcast widersprach der tschechische Staatspräsident außerdem russischen Propagandameldungen über angebliche Angriffspläne seitens der Nato-Staaten. Moskau behauptet demnach immer wieder, dass es die Nato sei, die Russlands territoriale Integrität und seine Existenz bedrohe.
„Ich kann bestätigen, dass ich noch nie – obwohl ich über die höchste Sicherheitsfreigabe der Nato verfügte – einen Plan gesehen habe, der auf eine Offensive auf russischem Territorium abzielte“, betonte Pavel und ergänzte: „Einen solchen Plan habe ich nie gesehen. Alle Nato-Pläne sind defensiv.“
Pavel: Russland will ukrainische Flüchtlingswelle auslösen
Russlands Ziel sei es aktuell, „Zwietracht in der EU und der Nato zu säen, Misstrauen gegenüber unseren Institutionen zu schüren, aber auch uns davon abzubringen, die Ukraine zu unterstützen“. Dem Kreml gehe es demnach darum, „zu demonstrieren, dass die Ukraine nicht gewinnen kann“.