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„Er lachte mich aus“: Kinderärztin legt nach TV

Nation

Der Schlagabtausch zwischen Kanzler Friedrich Merz und einer Kinderärztin in einer TV-Runde hat für viel Aufsehen gesorgt. Der CDU-Chef hatte empört auf den Vorwurf reagiert, mit dem Gesundheits-Sparpaket der schwarz-roten Koalition breche er seinen Amtseid und handle menschenverachtend. Und offenbar ging die Auseinandersetzung der beiden nach der Sendung noch weiter. Dies berichtet die „Bild“, die am Sonntag auch ein Statement des Senders veröffentlichte.

Dem Bericht zufolge gab es nach der RTL-Runde „Am Tisch mit Friedrich Merz“ von Moderatorin Pinar Atalay noch einen Fototermin. Die Medizinerin Bea Merscher aus Niedersachsen sagte der „Bild“, Merz habe ihr dabei vorgeworfen, dass ihre Aussagen in der Sendung „straffällig“ gewesen seien. Trotzdem habe sie dem Kanzler ein erneutes Treffen vorgeschlagen. Zur Reaktion von Merz darauf sagte sie dem Bericht zufolge: „Er lachte mich aus.“

Auf einen weiteren Vorschlag für ein Treffen bei einer Demonstration – unter Verweis darauf, dass sie demnächst in Berlin eine Protestaktion in der Nähe des Kanzlers organisiere – habe Merz geantwortet: „Ganz sicher nicht.“

Für nächste Woche hat die 39-Jährige dem Bericht zufolge unter dem Motto „Es reicht! Gesundheit statt Sparwahn“ eine Kundgebung vor dem Reichstag angemeldet, die sich gegen Einsparungen im Gesundheitswesen und weitere Sozialkürzungen richtet.

Ein weiterer Gast der Diskussion, Oliver Bernt, bestätigt in einem Instagram-Video die Schilderungen der Ärztin. Auch Bernt hatte den Kanzler in der Sendung teils massiv kritisiert.

Der Sender dementierte am Sonntag gegenüber der „Bild“ Aussagen der Medizinerin indirekt, der Kanzler habe sie nach der Sendung herablassend behandelt und ausgelacht. „Mit Befremden haben wir die Äußerungen von Frau Merscher auf Social Media zur Kenntnis genommen. Ich kann in keiner Weise bestätigen, dass sich der Bundeskanzler nach der Sendung, als die Kameras aus waren, herablassend gegenüber Frau Merscher geäußert hat“, zitiert das Blatt RTL‑Chefredakteur Gerhard Kohlenbach.

In der RTL-Aufzeichnung hatte der Kanzler mit Bürgern diskutiert. Merscher warf Merz vor, mit dem Sparpaket im Gesundheitswesen „menschenverachtende und zerstörerische Gesetze“ zu erlassen und seinen Amtseid zu brechen. Merz reagierte deutlich: „Das geht jetzt ein bisschen über das normale Maß der Kritik hinaus“, antwortete Merz. „Das ist eine persönliche Herabsetzung, die geht zu weit.“

Er sei bereit, Kritik hinzunehmen, sagte Merz. „Dass wir Probleme haben und dass wir die lösen müssen, einverstanden. Aber das geht zu weit. Das ist eine persönliche Herabsetzung, die geht zu weit.“

Merz wies Vorwürfe zurück, die Gesundheitsreform gehe eher auf Kosten der Versicherten als etwa der Pharmaindustrie. „Das ist ein Gefühl. Aber das entspricht nicht unserem Gesetz“, sagte der Kanzler. Die Bundesregierung habe alle Beteiligten am Gesundheitswesen mitbelastet und „aufgefordert und auch dazu gebracht, Einsparbeiträge zu leisten“. Merz ergänzte: „Also, ich finde, Sie machen sich das ein bisschen leicht.“

Man könne ja sagen, man sei nicht einverstanden mit dem, was die Bundesregierung tue. „Aber uns, und auch mir persönlich, einen vorsätzlichen Bruch meines Amtseides vorzuwerfen, das ist schon ziemlich harter Tobak.“ Er weise den Vorwurf mit Entschiedenheit zurück, „dass ich vorsätzlich die Zukunft dieser Kinder zerstöre“.

Merscher sagte der Zeitung am Samstag: „Zu den Aussagen stehe ich immer noch.“ Merz’ Haltung sei „realitätsfern“. Der Kanzler könne nicht verstehen, „wie es ist, auf 25 Euro angewiesen zu sein“. Die Ärztin: „Man erwartet nichts und wird trotzdem enttäuscht!“ Eine Bitte um eine Stellungnahme habe das Kanzleramt zunächst unbeantwortet gelassen, schreibt die „Bild“.

Merscher äußerte sich am Samstagabend auch beim Portal „t-online“. Nach ihrem Auftritt in der Sendung habe sie ganz wenig Kritik erfahren. „Es gab Kollegen, die mich fragen, wie man als Ärztin so unprofessionell und unter der Gürtellinie auftreten könne.“ Sie wolle daher klarstellen, was sie in der „kurzen Redezeit“ in der Sendung nicht habe unterbringen können.

Sie habe Merz nicht vorgeworfen, seinen Amtseid „vorsätzlich“ zu brechen, sagte Merscher. Merz selbst habe das mit seiner Antwort ins Spiel gebracht. Merscher betont, sie habe das offengelassen: „Die Frage ist doch, ob böswillig bewusst gehandelt wird oder ignorant und er die Lage nicht erkannt hat und nicht versteht, was er da anrichtet.“

Merz hatte der Kinderärztin in der Sendung erklärt, das Budget für das Gesundheitssystem sei in den vergangenen Jahren um 40 Prozent erhöht worden, es würden 500 Milliarden Euro dafür ausgegeben. An Merscher gerichtet, sagte er: „Da sind Sie als Teil dieses Gesundheitssystems auch Nutznießer. Sie als Ärztin, Sie könnten ohne dieses Gesundheitssystem nicht leben.“ Merscher sagte, das habe ihr einen Stich versetzt.

Die „Bild“ weist darauf hin, dass die Kinderärztin Merscher auch als Gesundheits-Influencerin aktiv ist und über ihre Social-Media-Kanäle Hunderttausende Menschen erreicht. Immer wieder kritisiert sie dabei die Politik des Kanzlers. Ein Reaktions-Video auf eine Merz-Rede Ende Juli schauten demnach bis heute mehr als sieben Millionen Menschen.

Ihre drastischen Worte verteidigte Merscher bei „t-online“. Wenn sie die so nicht gewählt hätte, wäre sie nicht aufgefallen, „das sehe ich ja in Social Media“.

Ihr Plan sei aufgegangen, nämlich dass Leute sich mit dem Sparpaket bei den Gesundheitsausgaben befassen. Sie bleibe auch dabei, dass die Sparpläne „menschenverachtend“ und „zerstörerisch“ seien und Schaden für das Volk bringen würden. „Ich bin aber keine Wut-Ärztin, ich bin besorgt. Meine Worte waren polemisch, aber eine zutreffende Diagnose.“

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