Er trat als Dragqueen Jurassica Parka auf: Mario O. wegen Besitzes von Kinder
Blonde Perücke, glitzernde Minikleider, perfekt sitzende falsche Wimpern. So wurde Mario O. als Kunstfigur Jurassica Parka weit über Berlin hinaus bekannt. Doch vor elf Monaten sagte die Dragqueen all ihre Auftritte ab. Ein schwerwiegender Verdacht erhärtete sich und führte nun zu einer Verurteilung: zehn Monate Haft auf Bewährung wegen Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Inhalten.
Es ist 15.15 Uhr, als Mario O. am Mittwoch pünktlich vor dem Amtsgericht Tiergarten erscheint. Eine schwarze Maske verdeckt sein Gesicht, er trägt eine Schirmmütze und einen rosafarbenen Kapuzenpullover. Ihm steht die Anspannung ins Gesicht geschrieben.
Am 24. Juni 2025 hatten Ermittler in seiner Wohnung Datenträger mit insgesamt 28 kinderpornografischen Bild- und 131 Videodateien mit einer Gesamtspielzeit von 5 Stunden 25 Minuten und 46 Sekunden sowie sechs jugendpornografische Bild- und 17 jugendpornografische Videodateien mit einer Länge von 56 Minuten und 51 Sekunden sichergestellt, heißt es in der Anklage.
Mario O. gesteht. Er sucht nach Worten – „die Vorwürfe hören sich furchtbar an“, sagt er. Die Anklage führe ihm vor Augen „was ich getan habe“. Bestürzt sei er im Nachhinein, schäme sich – „tiefer und dunkler war ich nie, ich will da nie wieder zurück“.
Warum es zu den Taten kam? Es sei damals eine schlimme Zeit für ihn gewesen. Er habe eine Suchterkrankung, sagt O., schon seit vielen Jahren. Als seine Wohnung durchsucht wurde, „war es so schlimm wie niemals zuvor, habe den ganzen Tag getrunken, komplett die Kontrolle verloren“. Konsumiert habe er auch „hoch illegales Material, das Leid von Kindern darstellt“. Alkohol trinke er nun seit Monaten nicht mehr und wolle sich in Therapie begeben, auch wegen seiner Pädophilie.
Mario O., der Kommunikationsdesign studierte und zunächst in einer Werbeagentur arbeitete, wurde als Dragkünstler zu einer Ikone der Berliner Partyszene, betrieb seit 2011 einen YouTube-Kanal und fasste Fuß im Showgeschäft – so mit der Personality-Show „Paillette geht immer“ im BKA-Theater.
Die glänzenden Zeiten sind vorbei. „Ich habe durch mein Handeln meinen ganzen Beruf verloren – was ich mir in 20 Jahren aufgebaut habe als Bühnenkünstler“, sagt der Angeklagte mit brüchiger Stimme. Als die Vorwürfe bekannt wurden, hätten Kooperationspartner und Einrichtungen die Zusammenarbeit aufgekündigt, auch private Kontakte seien weggebrochen. „Er hat den Karrieretod erlitten“, sagt die Anwältin.
Von den Ermittlungen erfuhr die Öffentlichkeit im letzten Oktober. In einer Videobotschaft sagte die Dragqueen damals, es gebe „ein Ermittlungsverfahren wegen eines mutmaßlichen Online-Vergehens“ gegen sie. Sie sprach über Alkoholabhängigkeit. „2025, aber auch davor schon, also bis in den Sommer hinein, war das eine Zeit voller Abstürze.“ O. kündigte an, bis auf Weiteres nicht aufzutreten und sich aus den sozialen Medien zurückzuziehen.
Erst im Zuge des aktuellen Verfahrens wurde ein rechtskräftiges Urteil gegen Mario O. bekannt: Der Mann hinter der Kunstfigur Jurassica Parka wurde bereits im Oktober 2023 wegen Verbreitung kinderpornografischer Schriften verurteilt. Eine Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu je 70 Euro (11.200 Euro) verhängte das Amtsgericht Tiergarten.
Im ersten Prozess ging es um Dateien mit kinderpornografischem Inhalt, die O. im November 2021 in einem sozialen Netzwerk hochgeladen hatte. Eine Fotomontage sei es gewesen. Mit seinem Geständnis konnte er im damaligen Prozess überzeugen. Zu seinen Gunsten wurde unter anderem gewertet, dass er reumütig und geständig war.
Doch erneute Ermittlungen liefen an. Im Juni 2025 hatte die US-Organisation National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) Hinweise auf Jurassica Parka und kinderpornografisches Material an das Bundeskriminalamt (BKA) übermittelt. Die Zentralstelle des BKA für die Bekämpfung von Sexualdelikten zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen prüfte das Material auf Strafbarkeit und leitete das Verfahren an die Berliner Behörden weiter.
Nach dem Geständnis fällt der Prozess kurz aus. Die Staatsanwaltschaft beantragt elf Monate Haft auf Bewährung, die Verteidigerin stellt keinen konkreten Antrag. Die vorsitzende Richterin sagt, Mario O. habe „eine Industrie unterstützt, die unsägliches Leid für Kinder verursacht“. Inzwischen befasse er sich selbstkritisch mit den Ursachen – „ich stelle eine positive Prognose“.