Er verwaltet 1,3 Milliarden Dollar und rät jetzt, KI-Aktien zu verkaufen
KI-Hardware-Aktien haben einen guten Lauf hinter sich, doch für Anleger ist es Zeit weiterzuziehen – das meint ein Chief Investment Officer, der 1,3 US-Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) verwaltet. „Diese Aktien sind nach oben viel zu stark aufgeblasen worden“, sagte Richard Reyle von Questar Capital Partners diese Woche BUSINESS INSIDER (BI). „Ich habe schon vor ein paar Wochen gesagt, dass das ein epischer Short ist, und man sieht ja, dass sie bereits etwas nachgegeben haben. Ich würde sagen, das gilt immer noch“, so Reyle. Halbleiteraktien haben sich in den vergangenen Wochen schwergetan, nachdem ein Anfall von Optimismus im zweiten Quartal den iShares Semiconductor ETF zwischen dem 30. März und dem 22. Juni um 111 Prozent nach oben getrieben hatte. Seither ist der Index um 18 Prozent gefallen, liegt 2026 aber immer noch 70 Prozent im Plus. Anleger skeptischer Zuletzt sind Anleger skeptischer geworden, ob solche schwindelerregenden Zuwächse von Dauer sein können. Die Momentum-Trades, die im ersten Halbjahr am besten liefen, lösen sich allmählich auf. Speicherhersteller und Chipkonzerne stehen im Zentrum der jüngsten Rotation am Markt. Reyle teilt die Sorgen der Anleger über die Renditen der KI-Ausgaben. Um die Luft aus der Blase bei Chipaktien zu lassen, brauche es nicht einmal einen echten Rückgang der Investitionsausgaben. Schon eine Verlangsamung des Ausgabenwachstums könnte genügen. Er zog eine Parallele zur Immobilienblase Mitte der 2000er Jahre. „Es war die Verlangsamung des Preisanstiegs bei Immobilien, die die Blase zum Platzen brachte, und genau das wird hier passieren“, sagte Reyle. „Es ist immer die zweite Ableitung.“ Ein Warnsignal dafür, dass die Nachfrage nach Speicherchips und Rechenzentren nachlassen könnte, sei der Umstand, dass Meta überschüssige Rechenkapazität an andere Unternehmen verkaufe. Neben der anhaltenden Unsicherheit über mögliche Renditen aus Investitionen in KI-Infrastruktur könnten laut Reyle auch günstigere Modelle, die auf den Markt kommen, zu einem Ausgabenrückgang führen und die Gewinnschwemme der Chiphersteller schmälern. Anlegern rät Reyle, bei Speicheraktien Gewinne mitzunehmen. Seine Warnung: „Die Rückkehr zum Mittelwert kommt.“ Zwei Trades, die ihr im Blick behalten solltet Um von der Rotation weg von KI-Hardware zu profitieren, schaut Reyle nach eigenen Angaben vor allem auf zwei günstig bewertete Bereiche des Marktes. Erstens verweist er auf den Gesundheitssektor, insbesondere auf Pharmaaktien. Die weltweit steigende Nachfrage nach GLP-1-Medikamenten dürfte der Branche Rückenwind geben, sagte Reyle. Beim Mounjaro- und Zepbound-Hersteller Eli Lilly sieht er ein Kurspotenzial von 25 Prozent. Zudem habe sich der Gesundheitssektor historisch als defensiv erwiesen, wenn Markt und Konjunktur ins Straucheln geraten. Hinzu kommt die Bewertung: Der Gesundheitssektor wird mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17,9 gehandelt, der S&P 500 mit 20,3. Zweitens hebt Reyle Finanzwerte hervor, allen voran Banken. Ein heißer IPO-Markt und ein höheres Kreditvolumen dürften deren Erlöse stützen, sagte er. Tatsächlich haben Banken in den vergangenen Tagen Rekordquartalszahlen vorgelegt. Auch das wachsende Geschäft mit der Vermögensverwaltung dürfte die Gewinne antreiben, so Reyle. Ein Beispiel dafür ist JPMorgan: Die Bank hat in den vergangenen Jahren landesweit neue Filialen für die Vermögensverwaltung eröffnet, um Kunden zu gewinnen und zu halten. Ein weiteres Beispiel ist Morgan Stanley – die Vermögensverwaltung des Hauses verzeichnete im zweiten Quartal nach eigenen Angaben einen Rekordzufluss von 148 Milliarden Dollar (129 Milliarden Euro) an neuen Vermögenswerten. Wie der Gesundheitssektor ist auch der Finanzsektor vergleichsweise günstig bewertet, mit einem erwarteten KGV von 15,6. Zugang zu diesen Trades bieten unter anderem der State Street Health Care Select Sector SPDR ETF (XLV), der VanEck Pharmaceutical ETF (PPH), der Vanguard Financials ETF (VFH) und der Invesco KBW Bank ETF (KBWB).