"Er war ein Nachtschwärmer"
Schauspieler Anthony Arndt war gut mit Ralf Richter befreundet.
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Anthony Arndt gehört zu Richters langjährigen Freunden, wird bei der Trauerfeier allerdings nicht dabei sein können. Er muss sich von einer schweren Schulter-Operation erholen. "Ralle habe ich zuletzt auf einer Geburtstagsfeier vor einem Jahr gesehen", erinnert er sich. "Da wollte er ein gesünderes Leben führen, mal ein bisschen langsamer machen."
Ralf Richter: Freund bezeichnet ihn als "Pulverfass"
Vor rund drei Wochen starb Richter dann im Alter von 69 Jahren an der Lungenkrankheit COPD. Der Tod seines Freundes kam für Arndt überraschend. Allerdings sagt er auch mit einer Mischung aus Betroffenheit und Realismus: "So wie Ralf gelebt hat, musste man eigentlich jeden Tag damit rechnen, dass das Pulverfass, auf dem er sitzt, in die Luft geht."
Gute Freunde (von links): Ralf Richter, Uwe Fellensiek, Anthony Arndt und Claude-Oliver Rudolph bei der Berlinale 2016.
Bildquelle: Anthony Arndt
Arndt ist selbst Schauspieler und in Bochum aufgewachsen. Richter kannte er seit 50 Jahren. "Wir waren alle Kumpel", erinnert er sich an wilde Zeiten mit einigen Schauspieler-Kollegen zurück. "Armin Rohde, Claude-Oliver Rudolph, der Ralle und ich: Wir kannten uns vom Sehen her schon lange aus Bochum."
Durchzechte Nächte in Bochum und nackte Füße auf dem Rasen
Freunde seien sie mit 25 geworden, erzählt Arndt, der mittlerweile in Witten lebt. "Theatre de Tao, Café Treibsand, Tarm Center und natürlich die Zeche. Das waren die Adressen, wo wir uns immer rumgetrieben haben", verrät er. Zusammen haben sie viele Nächte durchgefeiert.
Aber Arndt erinnert sich nicht nur an gemeinsame Partynächte mit Richter. Sie sind auch gleichzeitig Schaupieler geworden. "In der Schauspielschule Bochum", blickt er zurück, "gab es immer bestimmte Morgen-Rituale. Mit den Füßen standen wir auf dem nackten Rasen, machten Tai-Chi-Übungen und sollten ein Mantra summen."
Schauspielschule war nichts für Ralf Richter
Seine innere Stimme im Bauch suchen - das sei nichts für Richter gewesen. "Deswegen hat er die Schauspielschule geschmissen", erzählt Arndt und ergänzt:
Es muss eine wilde und spannende Zeit gewesen sein, so wie Arndt sie schildert. Zusammen mit ihren Schauspiel-Kollegen Armin Rohde und Claude-Oliver Rudolph seien sie oft nach München gefahren, um Rollen zu bekommen.
Bochumer Freunde vereint (von links): Anthony Arndt, Ralf Richter, Claude-Oliver Rudolph und Uwe Fellensiek.
Bildquelle: Anthony Arndt
In der Filmhauptstadt hätten sie sich dann in den Bars und Locations aufgehalten, wo die Regisseure und Produzenten waren. "So haben wir die eine oder andere Rolle ergattert", erinnert sich Arndt.
Auf dem Weg zum Kult-Klassiker
Ralf Richter war laut und konnte auch mal schroff werden - so wie das Ruhrgebiet, aus dem er kam. Mit seiner Art hat er Kultstatus erreicht. Der Durchbruch gelang ihm 1981 mit dem Film "Das Boot". Die Rolle machte ihn über Nacht bekannt.
Verewigt hat er sich aber mit seiner Rolle eines schroffen Ex-Häftlings in "Bang Boom Bang". Auch an diese Zeiten kann sich sein Freund Arndt noch gut erinnern. Er habe Richter damals beim Lernen der Texte geholfen, erzählt er. Schon damals sei ihm klar gewesen: Diese Rolle macht Richter unsterblich.
Spendenaktion für Beerdigung
Zuletzt schien es aber nicht mehr so gut zu laufen. Richters Beerdigung wurde durch Spenden finanziert, sein Umfeld hatte kurz nach seinem Tod eine Go-Fund-Me-Spendenaktion organisiert. Damit sollten seine Kinder bei einem würdigen Abschied unterstützt werden.
Seine Kinder Maxwell und Aline haben nun die Trauerfeier in der Bochumer Jahrhunderthalle organisert. Sie soll Raum zum Trauern geben, aber auch eine Möglichkeit sein, das Lebenswerk Ralf Richters zu ehren.
Ralf Richters Asche kommt ins Meer
Auf Bildschirmen sollen Bilder Richters gezeigt werden. Außerdem spielt die Heavy Metal Band "Rage", mit der Ralf Richter einst beim Wacken-Festival aufgetreten war. Beerdigt werden soll Richter in den kommenden Wochen in den Niederlanden - laut seiner Familie soll seine Asche wie von ihm gewünscht im Meer verstreut werden.