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Ermittler zu Kehlsteinhaus: Mutmaßlicher Brandstifter gefasst

Nation

Die Ermittlungsbehörden in Bayern gehen davon aus, den mutmaßlichen Verursacher des Großbrandes des Kehlsteinhauses am Obersalzberg gefasst zu haben. Es gebe deutliche Hinweise, dass ein nach Ausbruch des Feuers in der Nähe gefasster Motorradfahrer den Brand gelegt habe, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Gerhart Holzinger, bei einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag.

Motorradfahrer als möglicher Brandstifter festgenommen

Bereits bei der Anfahrt zum Brand hatte die Polizei den Mann auf einem roten Motorrad ohne Kennzeichen stoppen können. Ihm schreibt die Polizei die Brandstiftung zu. Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich laut Staatsanwaltschaft Traunstein um einen 33-jährigen Deutschen, "der gewisse Bezüge zum Berchtesgadener Land hat".

Er sei bereits vernommen worden. Es haben sich "konkrete Anhaltspunkte für mögliche psychische Erkrankungen des Beschuldigten ergeben", sagte Staatsanwalt Rainer Vietze. Das hat ein psychiatrisches Kurzgutachten ergeben, das ein Sachverständiger über den Tatverdächtigen erstellt hat.

Der Mann sei am Samstag einem Untersuchungsrichter in Rosenheim vorgeführt worden. Ziel sei, eine Unterbringung in einer forensischen Einrichtung für psychisch kranke Straftäter zu erwirken. Man müsse von zumindest verminderter Schuldfähigkeit ausgehen, sagte Vietze. Auch ein mögliches politisches Motiv werde geprüft – da seien die Ermittler aber erst ganz am Anfang.

Keine Hinweise auf weitere Täter

Laut Polizei-Einsatzleiter Holzinger gibt es keine Hinweise auf weitere Täter. Nach Angaben der Polizei hatte ein Rauchmelder des Kehlsteinhauses am Freitagabend gegen 21.50 Uhr Brandalarm ausgelöst. Die alarmierten Feuerwehren sahen bei der Anfahrt hoch aufschlagende Flammen, vor Ort wurde dann "der Vollbrand des Gebäudes festgestellt". Insgesamt waren rund 200 Kräfte im Einsatz.

Die Anfahrt zum in 1.834 Metern Höhe befindlichen Brandort sowie die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig, wie Polizeisprecherin Lisa Maier sagte. "Man kann nur mit schwerem Atemschutz in das Gebäude hinein." Die Einsatzkräfte fanden niemanden in dem Gebäude vor, es gab keine Verletzten.

Die Polizei sperrte die Straße, die zu dem Gebäude führt. Rund um das Kehlsteinhaus wurde eine Flugverbotszone für Drohnen eingerichtet. Zudem bat die Polizei Wanderer, das Gebiet "großräumig" zu meiden.

Innenminister: Kehlsteinhaus soll wieder aufgebaut werden

"Der Schaden geht sicher in die Millionen", sagte der Vorsitzende des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden, Bartl Wimmer. Das Gebäude sei "weitestgehend zerstört worden", so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

Bei der Pressekonferenz sprach auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er zeigte sich "entsetzt" und machte deutlich, dass das Kehlsteinhaus "auf keinen Fall eine Ruine bleiben" werde. "Es ist wichtig, dass wir Erinnerungsarbeit weiter leisten", so Herrmann. Das Haus gehört dem Freistaat Bayern, in der Zuständigkeit von Herrmanns Ministerium. Es ist laut Herrmann versichert.

Haus mit NS-Vergangenheit

Das 1938 fertiggestellte Kehlsteinhaus gehörte zum abgeschirmten Machtzentrum der NS-Führung, dem Führersperrgebiet am Obersalzberg. Es sollte Adolf Hitler als Repräsentationsgebäude dienen und wurde auch für Empfänge ausländischer Gäste genutzt.

Das Gebäude befand sich in einem damals abgeriegelten und für die Öffentlichkeit gesperrten Wohn- und Regierungsareal. Seit 1952 ist es eine Berggaststätte. Mit 350.000 Besuchern pro Jahr war es eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Bayerns. Eine Ausstellung dort widmete sich der Geschichte des Gebäudes.

Historiker: Ort der Geschichtsvermittlung verloren gegangen

Nach Ansicht des Leiters der Dokumentation Obersalzberg, Sven Keller, sind durch den Großbrand Chancen für Geschichtsvermittlung und Aufklärung verloren gegangen, die ein verantwortungsvoller Umgang damit bietet. Auch wenn das Kehlsteinhaus ein schwieriges geschichtliches Erbe habe: "Solche Orte wecken Interesse, sie bieten Reibungsfläche und Diskussionsanlässe", sagte er dem Evangelischen Pressedienst.

Mit Informationen von dpa, epd und AFP

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