Ermittlungen gegen AfD-Mann: Angriff auf Bürgermeisterkandidat war keiner
Vorfall in Rosenheim Angriff war keiner: Jetzt wird gegen AfD-Kandidat ermittelt Von Lars Wienand 04.08.2026 - 21:46 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Fünf Monate nach großer Aufregung im bayerischen Kommunalwahlkampf gibt es jetzt die Wende: Der vermeintliche linke Übergriff auf einen AfD-Bürgermeisterkandidaten war keiner – und die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den AfD-Mann. Die Staatsanwaltschaft in Traunstein hat die Ermittlungen gegen drei Personen aus der linken Szene eingestellt, denen aus der AfD ein Übergriff auf den Bürgermeisterkandidaten der AfD im bayerischen Rott am Inn vorgeworfen wurde. Die Personen sind nach den Feststellungen der Ermittler unschuldig – und jetzt wird gegen das anfängliche Opfer ermittelt. Das Geschehen hatte sich am 1. März in Rosenheim an einem Wahlkampfstand der AfD abgespielt: Bürgermeisterkandidat Michael Maurer ging bei einem Handgemenge zu Boden, der 70-Jährige fiel aufs Kopfsteinpflaster. Sein Parteifreund, der AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Winhart, fotografierte den am Boden liegenden Maurer und verbreitete die Nachricht von einem Angriff "ortsbekannter Linksextremisten". Maurer hatte zunächst erklärt, Tritte zwischen die Beine bekommen zu haben, deshalb gestürzt zu sein und dann am Boden liegend von einer jungen Frau und einem jungen Mann gegen Beine und Brust getreten worden zu sein. Winhart leitete einen ersten Medienbericht mit dieser Darstellung weiter, nachdem der AfD-Bundestagsabgeordnete Götz Frömming ihn mit dem Kommentar "WO BLEIBT DER AUFSCHREI?" geteilt hatte. Die AfD-Europaabgeordnete Mary Khan beklagte: "Die Tagesschau schweigt." Linke Gewalt gegen die AfD werde kleingeredet, während die "Gefahr von rechts" in Dauerschleife gesendet werde. Langes Rangeln um Banner der Linken Da waren bereits Videobilder aufgetaucht, die den Ablauf ganz anders zeigten. Zu sehen ist, dass es zu der Szene und einem Sturz kommt, weil plötzlich und minutenlang um ein Banner gerangelt wird. Die Gruppe des "Offenen Antifaschistischen Plenums Rosenheim" (OAP) hatte mit dem zusammengefalteten Stoffstück nah am AfD-Infostand vorbeigehen wollen. Winhart selbst war es, der dabei vom Stand vortrat und direkt danach griff, als ein Teil des Stoffs am Boden schleifte. Im Video | Video soll AfD-Lüge aufdecken Player wird geladen Es kam dann zu einem Gerangel und einer Art Tauziehen mit dem Stoff. Der Bürgermeisterkandidat, der der Presse später zunächst sagte, er habe sich bewusst entfernt und sei umzingelt worden, griff auch nach dem Stoff und stürzte ohne fremdes Zutun. Dennoch war ein Strafverfahren wegen Körperverletzung gegen die jungen Demonstranten bereits eingeleitet. Maurer hatte nach Bekanntwerden des Videos zunächst bei der Polizei angekündigt, seinen Strafantrag zurücknehmen zu wollen. Davon hatte er dann jedoch wieder Abstand genommen und am Antrag festgehalten. Fünf Monate später meldete die Staatsanwaltschaft Traunstein am Dienstagabend den neuen Stand: Das Verfahren gegen die jungen Männer ist eingestellt nach Paragraph 170 Absatz 2 der Strafprozessordnung: Es gibt keinen hinreichenden Tatverdacht. Pressesprecher Rainer Vietze auf t-online-Anfrage: "Da die Ermittlungen ergeben haben, dass die drei Beschuldigten keine Straftat begangen haben, wurden deren Daten wegen erwiesener Unschuld gesperrt." Strafantrag, kein Strafantrag, doch Strafantrag Am selben Tag leitete die Staatsanwaltschaft ein neues ein: Gegen den AfD-Bürgermeisterkandidaten wird ermittelt. Sprecher Vietze: "Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse besteht ein Anfangsverdacht gegen den Beschuldigten, da es aufgrund zureichender tatsächlicher Anhaltspunkte möglich erscheint, dass er eine verfolgbare Straftat begangen hat." Es gilt die Unschuldsvermutung. Nicht ermittelt wird wegen des Vorwurfs, den Linken das Banner wegzunehmend: Bei der AfD dürfte es keine dauerhafte "Aneignungsabsicht" gegeben haben am selbstbemalten Stoff mit dem Aufdruck "Fight Fascism – People unite". Das ist Voraussetzung für den Tatbestand des Raubs oder des Diebstahls. Teil der Ermittlungen war es auch, das für die Linken entlastende Video auf mögliche Manipulationen zu prüfen: "Anhaltspunkte dafür, dass eine inhaltliche Manipulation erfolgte oder einzelne Szenen herausgeschnitten wurden, fanden sich nicht." Das Fachkommissariat der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim stellte nur eine Bearbeitung zur Verpixelung der Personen aus der linken Szene fest. Zwei unbeteiligte Zeuginnen haben laut Staatsanwaltschaft auch den Geschehensablauf im Video bestätigt. Maurer und Winhart haben auf eine Anfrage von t-online vom Dienstagabend bisher nicht geantwortet. Bei der Bürgermeisterwahl hatte Maurer 129 Stimmen erhalten (5,7 Prozent). Gewonnen hatte die Wahl mit 2.115 Stimmen (94,3 Prozent) der einzige andere Kandidat, Daniel Wendrock, den eine örtliche Wählergruppe, die CSU und die Freien Wähler unterstützt hatten.