Ermittlungen gegen Berliner SPD-Spitzenkandidat: Krach wehrt sich
Stand: 10.09.2026 13:54 Uhr
Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach. Es geht offenbar um den Vorwurf der Bestechlichkeit. Manche irritiert der Zeitpunkt der Ermittlungen.
Einen Tag nach Bekanntwerden der Vorwürfe hat Krach die Vorwürfe erneut zurückgewiesen. "Ich habe niemals privat Geld angenommen. Und ich habe auch niemals als SPD-Vorsitzender hier in Berlin eine Spende angenommen", sagte er am Donnerstag vor Journalisten. Laut Krach geht es um Vorwürfe zu einem Vergabeverfahren in der Region Hannover. Krach ist Regionspräsident, allerdings beurlaubt, seit er Spitzenkandidat der Berliner SPD ist. Jedenfalls habe nicht der von ihm favorisierte Bewerber den Zuschlag bekommen. An den Vertragsverhandlungen sei er zudem nie direkt beteiligt gewesen. "Und ich sage das auch ganz offen: Der Vorwurf der Bereicherung trifft mich persönlich sehr. Denn ich habe immer klare Grenzen gezogen in den zwölf Jahren, in denen ich politisch Verantwortung trage."
Krach: Spende wurde zurücküberwiesen
Weder hätten er noch seine Partei in Berlin eine Spende von dem damals unterlegenen Bieter angenommen, sagte Krach. Es habe zwar eine Spende gegeben, die sei aber innerhalb von 24 Stunden zurücküberwiesen worden. "Weil ich sofort gesagt habe, dass ich diese Spende definitiv nicht annehmen kann", sagte der 47-Jährige am Mittwoch am Rande eines Wahlkampftermins. Es habe sich nach seiner Erinnerung um 9.500 Euro gehandelt.
Spende und Rückzahlung um den Jahreswechsel
Dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) liegen Belege über die Rücküberweisung vor, es handele sich um einen Betrag von 9.900 Euro. Demzufolge ging das Geld am 29. Dezember 2025 auf dem Konto der SPD Berlin ein. Krach selbst soll erst am 7. Januar von der SPD-Landesgeschäftsführung informiert worden sein und die Rücküberweisung am Tag darauf angeordnet haben. Die SPD Berlin hat mittlerweile bestätigt, dass es "über den Jahreswechsel den Versuch einer Spende an die SPD Berlin in Höhe von 9.900 Euro" gegeben habe. "Auf Weisung unseres Spitzenkandidaten wurde umgehend entschieden, diese Spende abzuweisen", heißt es weiter. Das Geld sei am 9. Januar an den Absender zurücküberwiesen worden. Ein Sprecher des SPD-Politikers sagte, dass mit den Behörden vollumfänglich kooperiert werde, "um diese haltlosen Unterstellungen auszuräumen".
Staatsanwaltschaft beschlagnahmt Handy von Krach
Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch drei Objekte in Berlin und Hannover durchsucht, unter anderem die Büroräume Krachs in Hannover und seine Wohnung in Berlin-Schöneberg. Zu den konkreten Vorwürfen gegen den Regionspräsidenten von Hannover teilte die Staatsanwaltschaft aber weiterhin nichts mit - aus ermittlungstaktischen Gründen, wie es hieß. Es gelte die Unschuldsvermutung.
Ermittler beschlagnahmen Krachs Handy
Sein kleiner Sohn habe die Razzia miterleben müssen, sagte Krach am Donnerstag zu den Ereignissen am Mittwochmorgen. Zwar wolle er die Verhältnismäßigkeit nicht kommentieren, sagte aber auch: "Ich habe kleine Kinder zu Hause. Und wenn da auf einmal acht bis neun Leute die gesamte Wohnung durchsuchen, dann macht das was mit kleinen Kindern. Meinem vierjährigen Sohn haben wir jetzt gesagt, das waren die Polizeiputzkräfte, die dort vor Ort waren und für Ordnung gesorgt haben." Dem "Tagesspiegel" sagte Krach, dass die Ermittler auch sein Handy beschlagnahmt hätten.
SPD-Politiker will Regierender Bürgermeister in Berlin werden
Krach kandidiert in Berlin für das Amt des Regierenden Bürgermeisters. "Ich werde in den nächsten elf Tagen weiter Wahlkampf machen hier in Berlin", sagte der Berliner SPD-Chef dem rbb. Ein Wahlsieg Krachs erscheint dabei eher unwahrscheinlich. Zwischen 11 und 15 Prozent lagen die Zustimmungswerte zuletzt in den Umfragen. Damit liegt die SPD in fast allen Erhebungen hinter CDU, Linken, Grünen und AfD auf Platz fünf.
Ermittlungen kurz vor Wahl "merkwürdig"