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Ermittlungen gegen Trainerinnen am

Sport

Es waren Tränen der Erleichterung und des Glücks. Darja Varfolomeev ließ nach ihrem Titelgewinn im Mehrkampf bei der Heim-WM der Rhythmischen Sportgymnastik vor wenigen Wochen ihren Emotionen freien Lauf. Die 19-jährige Olympiasiegerin, die seit Jahren am Bundesstützpunkt in Fellbach-Schmiden trainiert, holte in Frankfurt drei Goldmedaillen und Bronze für Deutschland.

Diese Erfolge stehen für den bemerkenswerten sportlichen Aufstieg der deutschen Rhythmischen Sportgymnastik. Fellbach-Schmiden gilt dabei als eines der wichtigsten Leistungszentren. Doch nur wenige Wochen nach den Hochglanz-Bildern der erfolgreichen Heim-WM richtet sich der Blick auf einen Vorgang hinter den Kulissen der deutschen Sportgymnastik.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen drei Personen wegen des Verdachts des Erschleichens von Aufenthaltstiteln und der Urkundenfälschung im Zusammenhang mit der mutmaßlich unrechtmäßigen Erlangung und Verwendung von Sprachzertifikaten. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Ermittlungen gegen Trainerinnen am Bundesstützpunkt

Nach Informationen von SWR Sport richten sich die Ermittlungen gegen zwei Trainerinnen, die am RSG-Bundesstützpunkt Fellbach‑Schmiden tätig sind, sowie gegen eine weitere Person, die an einem anderen RSG-Landesstützpunkt in Baden-Württemberg arbeiten soll. Das Verfahren läuft seit 2024, der Ausgang ist offen.

Die Trainerinnen aus Fellbach-Schmiden wollten sich auf SWR-Anfrage mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht zu den Vorwürfen äußern.

Im Zentrum der Ermittlungen soll eine Deutschprüfung vom Juni 2022 stehen, die eine am Bundesstützpunkt tätige Trainerin hätte ablegen sollen. Das dadurch erworbene Zertifikat sollte nach den vorliegenden Informationen als Grundlage für eine Niederlassungserlaubnis dienen.

Wurden Mütter aufgefordert, eine Prüfung für eine Trainerin abzulegen?

Mehrere Mütter von Gymnastinnen berichten gegenüber SWR Sport, sie seien im Vorfeld dieses Deutsch-Tests für Zuwanderer (DTZ) von einer Trainerin am Stützpunkt Fellbach‑Schmiden angesprochen worden. Nach ihren übereinstimmenden Schilderungen sei es darum gegangen, ob eine andere Person die DTZ‑Prüfung stellvertretend für die Trainerin absolvieren könne. Als Begründung sei genannt worden, dass deren Deutschkenntnisse für die Prüfung nicht ausreichten.

SWR Sport nennt die Mütter in diesem Artikel nicht namentlich. Ihre Kinder trainieren oder trainierten in einem sportlichen Umfeld, in dem Trainerinnen, Athletinnen und deren Familien über viele Jahre eng miteinander verbunden sein könnten. Mehrere der Mütter schildern, dass es deshalb für sie keineswegs selbstverständlich sei, über Vorgänge aus diesem Umfeld zu sprechen.

Eine Mutter berichtet, sie habe im Mai 2022 eine Erinnerung an einen bevorstehenden Prüfungstermin erhalten. Weil sie die Nachricht zunächst nicht habe zuordnen können, habe sie diese an eine Trainerin weitergeleitet.

Kurz darauf sei es zu einem Telefonat gekommen. Nach Darstellung der Mutter sei sie dabei gefragt beziehungsweise aufgefordert worden, die Prüfung anstelle der eigentlich angemeldeten Trainerin abzulegen. Sie habe dies abgelehnt. Nach SWR-Informationen seien auch andere Mütter von der Trainerin angesprochen worden.

Wer absolvierte den Deutsch-Test für Zuwanderer?

Nach übereinstimmenden Angaben aus dem sportlichen Umfeld hätte die Trainerin am 11. Juni 2022 zur DTZ-Prüfung erscheinen sollen. Nach Informationen aus verschiedenen Quellen soll an diesem Tag jedoch die Trainerin eines anderen RSG-Landesstützpunkts in Baden-Württemberg den Sprachtest an ihrer Stelle abgelegt haben. Eine Mutter berichtet gegenüber SWR Sport, eine Trainerin habe ihr später den Namen der Person genannt, die den Deutsch-Test tatsächlich erfolgreich absolviert haben soll.

Das zuständige Bildungsinstitut reagierte nicht auf eine schriftliche Anfrage des SWR zu dem möglichen Vorfall.

Mehrere Mütter bestätigten zudem, dass rund um den Bundesstützpunkt im Sommer 2022 intensiv über das ausgestellte DTZ-Zertifikat gesprochen worden sei. Dieses Zertifikat soll in den Bereichen "Hören/Lesen", "Schreiben" und "Sprechen" jeweils ein "sehr gut" bescheinigen.

Sorge wegen eines zu guten Ergebnisses?

Wochen nach Ausstellung des Zertifikats soll eine Trainerin angesichts des sehr guten Prüfungsergebnisses mindestens zwei Mütter kontaktiert haben. Sie finde, die Prüfung sei zu gut bestanden worden, soll die Trainerin einer Mutter mitgeteilt haben. Sie habe die Befürchtung geäußert, jemand könne Verdacht geschöpft haben.

Auch in einem weiteren Telefonat soll die Trainerin nach Erinnerung einer Mutter beunruhigt gewirkt haben. Sie habe nicht gewusst, was sie nun tun solle. Ob und wie sich diese Schilderungen bestätigen lassen, ist Gegenstand des laufenden Ermittlungsverfahrens.

Mindestens vier Mütter sollen bislang im laufenden Verfahren als Zeuginnen geladen worden sein. Nach Informationen von SWR Sport sollen sie bei der Polizei in Fellbach und in Ulm ausgesagt haben.

Mögliche strafrechtliche Konsequenzen

Juristisch stehen vor allem zwei mögliche Delikte im Raum, wenn ein Sprachzertifikat nicht ordnungsgemäß zustande gekommen sein sollte: Urkundenfälschung und das Erschleichen eines Aufenthaltstitels. Bei Urkundenfälschung sieht das Gesetz Geld- oder Freiheitsstrafen vor. Auch beim Erschleichen eines Aufenthaltstitels können strafrechtliche Konsequenzen drohen.

Auch aufenthaltsrechtlich kann ein laufendes Strafverfahren relevant werden. Der Sprecher der Stadt Fellbach und damit der zuständigen Ausländerbehörde konnte auf SWR-Anfrage keine näheren Angaben zum konkreten Verfahren machen.

Grundsätzlich können bei einem Antrag auf einen neuen oder verlängerten Aufenthaltstitel eine Entscheidung während eines laufenden Ermittlungsverfahrens zunächst ausgesetzt werden. Eine rechtskräftige Verurteilung könne darüber hinaus ausländerrechtliche Folgen haben.

Was wussten die Sportverbände?

Der Schwäbische Turnerbund (STB) ist Arbeitgeber einer der Trainerinnen am Bundesstützpunkt. Der Verband erklärte gegenüber SWR Sport, erst durch die Anfrage des SWR von dem Ermittlungsverfahren erfahren zu haben.

Es gelte die Unschuldsvermutung. Vor diesem Hintergrund gebe es derzeit keine Überlegungen, das Arbeitsverhältnis der Trainerin bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen zu lassen. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, würden die zuständigen Gremien die Situation neu bewerten.

Anders stellt sich die zeitliche Abfolge beim Deutschen Turner-Bund (DTB) dar. Nach Angaben des DTB waren bereits Ende Juli 2024 anonyme Hinweise bei der deutschen RSG-Teamleitung und beim Verband eingegangen.

Nach diesen Hinweisen habe es einen "Austausch zwischen dem DTB und den beiden betroffenen Trainerinnen" gegeben. Der Verband habe sich zudem unverzüglich mit dem zuständigen Bildungsinstitut in Verbindung gesetzt. Dieses habe dem DTB "die Richtigkeit eines infrage gestellten Zertifikates" bestätigt. Damit schien die Angelegenheit für den Verband zunächst abgeschlossen.

DTB: Keine eigenen internen Ermittlungen

Von dem bereits seit 2024 laufenden Ermittlungsverfahren gegen Trainerinnen am Bundesstützpunkt Fellbach-Schmiden will der DTB nach eigenen Angaben erstmals im November 2025 erfahren haben. Eigene interne Ermittlungen hat der Deutsche Turner-Bund bisher nicht eingeleitet. Der Verband begründet dies unter anderem damit, dass mögliche Straftaten wie das Erschleichen eines Aufenthaltstitels außerhalb der eigentlichen Verbandstätigkeit stattgefunden hätten und die betreffenden Trainerinnen nicht unmittelbar beim DTB angestellt seien.

Stattdessen beantragte der Verband Einsicht in die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsakten. Dies sei aus Sicht des DTB der effizienteste Weg, den Sachverhalt zu prüfen und anschließend gegebenenfalls weitere Maßnahmen abzuleiten. Die beantragte Akteneinsicht sei bislang nicht gewährt worden.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen weiter. Am RSG-Bundesstützpunkt Fellbach-Schmiden wird der Trainingsbetrieb fortgesetzt.

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