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Erneuerbare Energie: Dorf produziert grünen Strom im Überfluss

Technologie

Die rund 2.100 Menschen in Berghülen (Alb-Donau-Kreis) verbrauchen im Jahr etwa 4,2 Millionen Kilowattstunden Strom. Auf dem Gemeindegebiet wird aber ein Vielfaches davon produziert: rund 27 Millionen Kilowattstunden - aus Sonne, Wind und Biogas. Rein rechnerisch könnte sich Berghülen also selbst mit Strom versorgen.

Wie alles begann: Das erste Windrad 1999

"Wir sind als Kommune mit dem Ziel angetreten, dass wir mit erneuerbaren Energien unseren Strom abdecken", erklärt der ehemalige Bürgermeister Berghülens, Bernd Mangold (parteilos). Begonnen hat alles 1999 mit dem ersten Windrad, nicht immer ohne Hürden und Gegenwind, dafür immer einstimmig im Gemeinderat.

Heute stehen auf der Gemarkung Berghülen sechs Windräder, eine Photovoltaik-Anlage auf einer drei Hektar großen Fläche, eine private Biogasanlage auf einem Bauernhof, "und natürlich eine Menge PV auf den privaten Hausdächern und landwirtschaftlichen Schuppen", ergänzt Bernd Mangold stolz.

Das fällt auf: In der Dorfmitte trifft man zwar kaum eine Menschenseele, dafür glänzen auf fast jedem zweiten Dach die schwarzen Paneele. Ob Solarthermie oder Photovoltaik - hier wird Energie selbst produziert. "Das ist eine gute Sache", erklärt ein Berghülener. "Ich hab selbst PV auf dem Dach und bin Mitglied bei der Energiegenossenschaft."

Photovoltaik auf dem Turnhallendach: Bürger machen mit

Und genau das war immer wichtig für den ehemaligen Bürgermeister: die Bürgerschaft bei seinem Vorhaben mitzunehmen. Dass er auf dem richtigen Weg war, zeigte ein erster Versuch 2007: Der Bau einer PV-Anlage auf dem Turnhallendach, mit Bürgerbeteiligung.

"Natürlich eine vergleichsweise kleine Anlage, aber wir haben damals gesagt, wir stellen die Fläche auf dem Dach zur Verfügung. Und schauen dann, ob's genügend Menschen gibt, die Kapital reinstecken", erzählt Mangold. Der Erfolg gab ihm recht, innerhalb kürzester Zeit wurden 250.000 Euro eingesammelt. "Das hat mich selbst überrascht." Und wenn die Sonne scheint und der Strom läuft, bekommen seither alle Anleger einen Abschlag.

Photovoltaikanlage und Windräder: Was die Menschen davon haben

Die 2012 gegründete Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) ist genau das, nur in ausgebauter Form: Die BEG hat Anteile an der großen neuen Photovoltaikanlage sowie an drei der sechs Windräder. Hier das gleiche Spiel: Wer investiert hat, bekommt eine Gewinnbeteiligung. "Ich finde des 'ne super Sache - für die Umwelt und für den Geldbeutel natürlich auch", erzählt ein Anleger aus Berghülen.

Auch die Gemeinde geht dabei nicht leer dabei aus. Zum einen fließen Pachteinnahmen von der Fläche, auf der die PV-Anlage steht, direkt in die Gemeindekasse. Zum anderen können nach dem deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz 2023 Betreiber von großen Solar- und Windkraftanlagen die Gemeinde mit 0,2 Cent pro auf ihrer Gemarkung erzeugter Kilowattstunde Strom beteiligen.

Stromüberschuss, aber nicht autark: Wo das System hakt

Der Strom, der in Berghülen produziert wird, wird ins überörtliche Netz eingespeist. "Es ist jetzt nicht so, dass der Strom direkt vor Ort verbraucht werden kann", bedauert Mangold. "Da fehlen die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen. Aber ich gehe davon aus, dass das kommen wird und kommen muss."

Das ist aber auch der Grund, aus dem Berghülen zumindest auf dem Papier nicht als stromautark gilt. Der Ökostrom, der hier entsteht, fließt ins große Netz hinaus. Er kommt nicht gezielt bei den Menschen vor Ort an.

Ziel: klimaneutral bis 2030

Berghülen prescht also nach vorne. Die Gemeinde will nicht nur strom- sondern zeitnah auch wärmeneutral werden. "Bis 2030", sagt Bernd Mangold. Also weitaus früher, als sich die ganz großen Player Land, Bund und EU zum Ziel gesetzt haben, mit den Jahren 2045 bzw. 2050.

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