Erneute Galeria-Insolvenz: Sechs Häuser in Niedersachsen betroffen
Stand: 05.10.2026 17:59 Uhr
Die Warenhauskette Galeria hat zum vierten Mal in sechs Jahren Insolvenz beantragt. Das Amtsgericht Düsseldorf ordnete ein vorläufiges Verfahren an. In Niedersachsen und Bremen geht es um 672 Beschäftigte.
von Bertil Starke
Die erneuten wirtschaftlichen Probleme bei Galeria sorgen in Niedersachsen für Kritik. Betroffen sind die Filialen in Hannover, Lüneburg, Braunschweig, Göttingen, Goslar, Oldenburg und Bremen. Dort arbeiten insgesamt 672 Menschen. "Seit Jahren tragen sie alles dazu bei, um die Standorte zu erhalten", so ver.di-Fachbereichsleiterin Sabine Gatz. "Die erneute Insolvenz trifft die Beschäftigten nach ihrem jahrelangen Gehaltsverzicht umso härter." Ver.di fordert jetzt Perspektiven für die betroffenen Häuser. Ob die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Insolvenzgeld erhalten, gilt als unklar.
Scharfe Kritik aus dem Braunschweiger Rathaus
"Das Vertrauen in die handelnden Personen hat einen neuen Tiefpunkt erreicht", kommentiert Braunschweigs Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD) das erneute Insolvenzverfahren bei der Warenhauskette Galeria. Kornblum spricht von einem "Schlag ins Gesicht". Seit Jahren habe es Gespräche gegeben, auch mit dem Land. Zugesagte Investitionen seien kaum umgesetzt worden. Stattdessen fordere Galeria immer neue Mietnachlässe.
IHK: Warenhäuser bleiben wichtig für Innenstädte
Die Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN) sieht in der Insolvenz ein deutliches Signal. Der Einzelhandel stecke im Strukturwandel. Onlinehandel, verändertes Konsumverhalten und hohe Kosten setzten Warenhäuser unter Druck. Nun müsse schnell Klarheit über die Zukunft der Standorte herrschen. Schließungen könnten Leerstände erzeugen. Das treffe auch benachbarte Geschäfte und die Gastronomie, sagt IHKN-Sprecherin Kathrin Wiellowicz: "Große Warenhäuser sind nach wie vor wichtige Frequenzbringer und Ankerbetriebe." Die IHKN sieht im Ende von Kaufhäusern allerdings auch Chancen. Der Verband nennt das frühere Karstadt-Gebäude in Braunschweig als Beispiel. Aus dem soll ein "Haus der Musik" mit Konzertsaal und Musikschule werden. Ein weiteres Beispiel sei der einstige Kaufhof in Hannover. In dem Gebäude ist ein Mix aus Handel, Gastronomie, einer Berufsschule, Sportangeboten und Wohnungen geplant.
Minister Tonne lädt zum Runden Tisch
Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat alle Beteiligten zu einem digitalen Runden Tisch eingeladen. Welche Folgen die drohende Zahlungsunfähigkeit für die sechs Standorte im Land habe, lasse sich noch nicht seriös abschätzen. "Im Mittelpunkt dieser bedauerlichen Entwicklung stehen erneut ganz klar die Beschäftigten", sagt Tonne. Die erneute Insolvenz sei für die niedersächische Landesregierung ein Rückschlag.
Amtsgericht setzt Insolvenzverwalter ein
Galeria hatte am Freitag einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Düsseldorf gestellt. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Anwalt Frank Kebekus. Wie eine Gerichtssprecherin dem NDR Niedersachsen berichtet, prüft der Jurist nun, ob Gründe für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorliegen und ob die Verfahrenskosten durch das Vermögen gedeckt sind. Kebekus kennt das Unternehmen und dessen Probleme. Er begleitete bereits die Insolvenzverfahren von Galeria in den Jahren 2020 und 2022 als Sachwalter.
Vierter Insolvenzantrag in sechs Jahren