Erneuter Fund an Berliner Hochschule: Halterungen für versteckte Kameras auf Damentoiletten entdeckt
Polizisten haben am Lichtenberger Campus der Hochschule für Wirtschaft und Recht mehrere „mutmaßliche Vorrichtungen zum Anbringen von versteckten Kameras“ entdeckt. Das teilte die Behörde am Montag mit. Die Halterungen seien auf Damentoiletten entdeckt und von einer Zeugin gemeldet worden. Kameras wurden nicht gefunden. Die Polizei ermittelt.
Bereits im Juni waren Kameras auf Damentoiletten auf dem Campus entdeckt worden. Die Hochschule erstattete Anzeige. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Eingriff in den höchstpersönlichen Lebensbereich. Die Toiletten waren öffentlich zugänglich.
Wie der RBB berichtete, waren damals die Kameras mit Klettband unter Hygienebeutelspendern befestigt. Nach Informationen des Senders konnten die Kameras keine Bilder in Echtzeit senden. Um an Aufzeichnungen zu kommen, hätten die Kameras abgenommen werden müssen. Der Polizeisprecher konnte dazu nichts sagen. Die Geräte würden kriminaltechnisch untersucht, sagte er. Dabei solle auch geprüft werden, ob Speicherkarten eingesetzt waren oder die Aufnahmen möglicherweise doch direkt online übertragen wurden.
Die Hochschule kündigte nach dem Bericht des RBB an, die Kontrollen aller WC- und Sanitärbereiche deutlich zu verstärken. Zudem sollen sämtliche Kontrollen und mögliche Auffälligkeiten lückenlos dokumentiert werden.
Kameras auf Hochschul-Frauenklos: Polizei durchsuchte Wohnung
In der vergangenen Woche teilten Polizei und Staatsanwaltschaft dann mit, dass die Wohnung eines Mannes durchsucht worden sei. Der 66-Jährige wird verdächtigt, heimlich Videoaufnahmen auf dem Frauenklo gemacht zu haben. Die Beamten fanden in der Wohnung des Mannes in Berlin-Treptow unter anderem mobile Datenträger, wie es hieß. Er sei bei einem Unternehmen angestellt, das an dem Hochschul-Objekt tätig sei. Der Mann kam nach einer Vernehmung auf freien Fuß.
„Wir sind völlig schockiert und hoffen, dass die vielen offenen Fragen aller Betroffenen schnellstmöglich geklärt werden“, teilte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nach dem neuerlichen Fund von Kamerahalterungen mit. Die Durchsuchungen vergangene Woche seien „ein großer Lichtblick im Fall dieses unglaublich perfiden Eingriffs in die Persönlichkeitsrechte unserer weiblichen Studis“ gewesen, so GdP-Sprecher Benjamin Jendro.
Und weiter: „Wir hoffen im Interesse aller, dass schnell geklärt werden kann, ob es sich um Gerätschaften handelt, die nach dem ersten Fund im Juni bei Kontrollen übersehen wurden, oder um neue Apparaturen, mit denen der gleiche oder ein weiterer mutmaßlicher Sexualstraftäter sein Unwesen treibt.“ Die Ausbildungsstandorte der Polizei müssten sichere Orte sein.
Neben dem Fund in der Hochschule wurden im Juni auch im Bezirksamt Lichtenberg Klettvorrichtungen für die Befestigung von Kameras gefunden. Sie wurden ebenfalls in Damentoiletten der Liegenschaften an der Straße Alt-Friedrichsfelde entdeckt.
Zuvor hatte das Bezirksamt nach Bekanntwerden der Vorfälle an der HWR die Prüfung der eigenen Dienstgebäude an allen Standorten veranlasst, heißt es. Bezirksbürgermeister Martin Schaefer (CDU) erstattete für das Bezirksamt Anzeige bei der Polizei.
Er sei „fassungslos“ und könne „diese abscheuliche Tat nur deutlich verurteilen“, lässt sich Schaefer in der Mitteilung des Bezirks zitieren. „So ein strafbares, widerliches und herabwürdigendes Verhalten können wir nicht einfach nur zur Kenntnis nehmen. Ich hoffe sehr, dass der oder die Täter gefunden und bestraft werden können.“ (doma, dpa)