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Eroberung entfernt“: Geheimoperation „Vivaldi“ wirkt – General sieht russisches Kriegsziel für dieses Jahr gescheitert

Welt

Das größte russische Vorhaben für dieses Jahr sei der Versuch, den ukrainischen „Festungsgürtel“ im rohstoffreichen Donbass einzukesseln – so sagte es Militärexperte Gustav Gressel Anfang des Jahres dem Tagesspiegel. Es geht darum, Slowjansk und drei andere gut abgesicherte Städte von der Versorgung abzuschneiden. So soll ihre Einnahme vorbereitet werden. Fallen diese Städte, dürfte der restliche Donbass für die Ukraine nicht mehr zu halten sein. Der russische Präsident Wladimir Putin hätte ein wichtiges Zwischenziel auf dem Weg zur Kontrolle der gesamten Ukraine erreicht.

Doch es kam anders.

Der russische Vormarsch geriet bereits im Februar sichtbar ins Stocken. Die Zahl der eroberten Quadratkilometer sank deutlich. Für eine detaillierte Analyse der Gründe ist es noch zu früh, aber einige Faktoren zeichnen sich bereits ab: So verlor Russland den für die Drohnensteuerung und Kommunikation wichtigen Zugang zum Satelliteninternet „Starlink“. Zudem gelang es der Ukraine, die russische Armeelogistik hinter der Front mit präzisen Drohnenangriffen zu stören. Außerdem startete sie einen Gegenangriff im Donbass, die Operation „Vivaldi“.

Damit sei es der Ukraine gelungen, aus dem Stellungskrieg auszubrechen und teils auch wieder gepanzerte Fahrzeuge einzusetzen, um Gebiete zurückzuerobern, schreibt das ISW. Das ist bemerkenswert, weil der Ukraine-Krieg schon lange eher statisch verläuft und statt schwerem Gerät insbesondere Drohnen genutzt werden.

Geheimoperation „Vivaldi“ verdirbt Putins Donbass-Ziel

Dass wir bisher nicht viel über die Operation „Vivaldi“ wissen, hat auch mit ihrer Geheimhaltung zu tun. Der australische General und Militäranalyst Mick Ryan beobachtet den Ukraine-Krieg schon lange – doch er erinnert im Podcast „Frontline“ daran, dass vieles im Krieg trotz moderner Aufklärungstechnik verborgen bleibt. „Wir sehen viel mehr, aber das heißt nicht immer, dass wir viel mehr wissen“, sagt Ryan. „Besonders wenn die Ukrainer absichtlich die Russen und andere täuschen.“

Die Auswirkungen der Operation „Vivaldi“ sind für Ryan jedenfalls klar. Die Rückeroberungen zeigten, dass „Putin weiter von der Eroberung des Donbass entfernt ist, als er es seit sehr langer Zeit war“. Und das, obwohl die russische Armee Hunderttausende Soldaten verloren habe. Dieses Jahr sei damit nicht mehr mit einer Umzingelung des „Festungsgürtels“ zu rechnen, meint Ryan.

Putins Kriegskosten wachsen

Für Putin ist das fraglos ein Problem. Mit jedem weiteren Kriegsjahr wachsen die Gesamtkosten seines Angriffskriegs. Die Wirtschaft leidet auch infolge der Sanktionen, die Bevölkerung abseits der reichen Elite spürt die Inflation. Berichten zufolge wachsen die Sorgen vor einer neuen Zwangsmobilisierung von Männern für die Armee. Die bis dato letzte führte 2022 zu einer Ausreisewelle.

Doch die Operation „Vivaldi“ könnte genau diese neue Mobilisierung wahrscheinlicher machen. General Ryan meint: Der erfolgreiche Gegenangriff könnte für Putin zum „letzten Beweisstück“ werden, um in den kommenden Monaten eine größere Mobilisierung zu rechtfertigen.

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