Erste Frauen-Liga seit 70 Jahren Comeback in einer Männerdomäne - Profi-Frauen-Baseball in den USA
Ashton Lansdell steht mit beiden Beinen fest in den Boden gedrückt auf dem Abschlaghügel des Robin-Roberts-Stadions in Springfield, Illinois. In den Händen ein Baseballschläger, der über ihrem Kopf kreist. Als ihre Gegnerin zum Wurf ansetzt, holt sie aus - und schlägt den Ball in hohem Bogen quer über das Feld vor ihr bis hinter dessen Begrenzungszaun: Homerun! Für die Kapitänin der Los Angeles Queens die Erfüllung eines Lebenstraums: Profi-Baseball ausschließlich für Frauen. "Es bedeutet für viele Menschen einfach alles", sagt die 25-Jährige. "Für kleine Mädchen, die zu uns aufschauen genauso wie für ältere Frauen, die nie die Chance hatten, selbst zu spielen."
Premieren-Saison der Women’s Pro Baseball League
In der Premieren-Saison der Women’s Pro Baseball League (WPBL) treten neben den Queens drei Teams aus New York, Boston und San Francisco mehrfach gegeneinander an. Sechs Wochen lang, immer im selben Stadion. Das soll Reisekosten senken - zumindest für Spielerinnen, Trainer und Betreuer. Für die Fans ist das Spektakel umso teurer: Im Schnitt kommen rund 2.000 Zuschauer zu den Partien, oft von weit weg. "Wir sind extra aus Arizona angereist", erzählt Alli Neal, die mit ihrer Familie in der ersten Reihe direkt hinter der Spielerbank sitzt. "Als Kind war ich war zu nervös, um mit den Jungs zu spielen. Hätte es damals eine Baseballliga für Frauen gegeben, wäre ich wahrscheinlich mit dem Sport groß geworden. Das können meine Nichten jetzt nachholen, wenn sie wollen."
Frauen wurden lange vom Sport ausgeschlossen
Frauen-Baseballmannschaften gab es in den USA bereits im 19. Jahrhundert. Auf Volksfesten und Jahrmärkten traten sie gelegentlich gegen Männerteams an - oft zur Belustigung der Zuschauer. Später waren sie nicht generell verboten, aber über viele Jahrzehnte durch fehlende Förderung und gesellschaftliche Normen stark eingeschränkt. Baseball-Felder galten als Orte, an den Jungen zu Männern gemacht wurden.
Baseball wurde mit Eigenschaften wie Stärke, Wettkampf, Disziplin, Kameradschaft und Patriotismus verbunden. Eine Vorstellung, die Schulen, Vereine und Medien über Generationen prägte. 1952 schloss die Jugend-Baseball-Organisation "Little League" Mädchen sogar ausdrücklich vom Spielbetrieb aus. Erst 1974 klagte die zwölfjährige Maria Pepe erfolgreich gegen diese Regel. "Wir müssen dieses Narrativ vom Baseball als Sport für Jungen und Männer irgendwie ändern", sagt Meggie Meidlinger, mit 38 Jahren eine der ältesten Spielerinnen der WPBL und im Hauptberuf Architektin für Football-Stadien.
Die bisher letzte Frauen-Liga stammt aus Kriegszeiten
Im Zweiten Weltkrieg gab es schon einmal eine Frauen-Baseball-Liga in den USA. Sie sollte eine Lücke stopfen, als die Männer an die Front gerufen wurden und ihre Liga pausieren musste. Die Vorgängerinnen der heutigen Generation mussten noch Röcke tragen und Benimmkurse absolvieren. Ihnen hat Hollywood ein filmisches Denkmal gesetzt - mit der Komödie "Eine Klasse für sich", in der Tom Hanks die Hauptrolle spielt, als mürrischer Trainer mit dem Herz am rechten Fleck. "Das ist von allen hier der Lieblingsfilm", sagt Ashton Lansdell. "Wir können uns sehr gut damit identifizieren und es ist toll zu sehen, wie alles angefangen hat in den USA."
Die neue Liga hofft, an die glorreiche Vergangenheit anknüpfen zu können - im Windschatten anderer Sportarten, in denen Frauen in den USA auf dem Vormarsch sind, wie zum Beispiel Fußball oder Basketball. "Profisport für Frauen erlebt einen Aufschwung", sagt Justine Siegal, die Managerin der WPBL. "Die Leute haben entdeckt, dass es Spaß macht, uns zuzusehen und dass wir ehrgeizig sind. Diese Welle können wir nun reiten."