Erster Freiflug-Testschuss einer elektromagnetischen Railgun beim ISL
Das Deutsch-Französische Forschungsinstitut Saint-Louis (ISL) hat im Juni 2026 mit dem ersten Freiflug-Testschuss einer elektromagnetischen Railgun im Freien einen bedeutenden technologischen Meilenstein erreicht. Nach Angabe des Instituts fand der Test auf dem Versuchsgelände in Baldersheim statt und markiert den Übergang von der reinen Laborforschung zur Erprobung unter realitätsnahen Bedingungen. Technologischer Durchbruch Im Gegensatz zu herkömmlichen Geschützen nutzt eine Railgun keine chemischen Treibmittel, sondern elektrische Energie, um Projektile mittels elektromagnetischer Felder zu beschleunigen. Der erfolgreiche Schuss im Freien ist das Herzstück der vor zwei Jahren ins Leben gerufenen „Railgun Free Flight Facility“. Während die bisherige Forschung auf den Labormaßstab begrenzt war, ermöglicht die neue Anlage nun die Validierung der Technologie unter Einsatzbedingungen. Bedeutung für die europäische Verteidigung Die Railgun-Technologie gilt als strategische Antwort auf moderne Bedrohungen, insbesondere auf Hyperschall-Raketen und manövrierfähige Wiedereintrittskörper. Durch den Verzicht auf chemischen Antrieb bietet das System neue Möglichkeiten für flexible Flugbahnen und extrem hohe Geschwindigkeiten. Das ISL profitiert hierbei von seiner jahrzehntelangen Expertise und einem vertikal integrierten Forschungsansatz, der Bereiche wie Lenksysteme, Sensorik und Navigation vereint. Bereits im vorangegangenen EU-Projekt PILUM wurden Fortschritte erzielt, wie etwa die Entwicklung von Hyperschall-Projektilen (bis Mach 6) und effizienten Energiespeichern. EDF-Forschungsprojekt THEMA Mit der neuen Freiluft-Testanlage kann das ISL nun die Energielevel schrittweise über mehrere Schüsse hinweg steigern und das Verhalten von Projektilen im Freiflug über größere Distanzen analysieren. Neben der Entwicklung von spezieller Munition für den elektromagnetischen Start steht auch die Integration des Werfers in bestehende Systeme auf dem Forschungsprogramm. Diese Schritte seien essenziell, um die Technologie von einem Forschungsergebnis hin zu einem einsatzbereiten Verteidigungssystem zu führen, schreibt das ISL. Das Ziel des Folgeprojekts THEMA (TecHnology for Electro-Magnetic Artillery) ist es, bis 2028 weitere umfassende Reichweitentests durchzuführen. THEMA ist ein EDF-gefördertes Projekt, in dem – koordiniert von KNDS France – wissenschaftliche Institute, darunter das ISL und Fraunhofer, und Unternehmen aus Europa, darunter Diehl Defence und MBDA, zusammenarbeiten. Das Projekt läuft seit November 2023 und ist offiziell auf vier Jahre Laufzeit ausgelegt. Gerhard Heimimg