Erster Kuss, große Krise: Roman über Jugend und Verantwortung begeistert
NDR Buch des Monats: Christian Dittloffs "Das Leichteste der Welt" Stand: 10.08.2026 14:37 Uhr Basketball spielen mit den Freunden, Sommer am See, Punkbands und Bier im Jugendzentrum: Mitten in der Leichtigkeit seines Teenagerlebens steht der 15-jährige Ivo plötzlich vor einer großen Verantwortung. von Joschka Brings Endlich wieder Zeltlager: Die Sommerferien sind da und Ivo verliebt sich Hals über Kopf in Karla. Das Leben ist unwirklich schön, wie ein Film, findet Ivo. Karla und er streifen durch die Landschaft, im Ruderboot auf dem See küssen sie sich zum ersten Mal. Mehr als eine Frage der Verantwortung Doch Sekunden später ist es plötzlich aus mit der romantischen Szenerie, denn Karla offenbart Ivo, dass sie schwanger ist. Der Erzeuger: ein längst abservierter Musiker aus dem Jugendzentrum. Deswegen geht Ivo auch davon aus, dass Karla das Kind nicht behalten wird. Doch Karla hat andere Pläne - und Ivo muss seine Rolle neu finden. Nicht nur sein Verhältnis zu Karla, auch das zu seinen Eltern und das zu seinen Freunden wird nun durcheinandergewirbelt. Und es geht nicht allein um die Frage von Verantwortung: Es geht um Vorstellungen von Familie, um Nähe und Distanz, und - ganz teenagertypisch - auch ein bisschen um Coolness. Auf der Suche nach dem Sound der 90er Zentrum von Ivos Suche ist immer wieder das alternative Jugendzentrum "Flop": Hier treffen zwischen Punkbands und günstigen "Kinderbieren" gesellschaftliche Themen auf ganz persönliche. Für Autor Christian Dittloff war das eigene Aufwachsen in Hamburg-Bergedorf Inspiration - dort gibt es das echte "Flop". "Um mich aber mit dem 15-jährigen Ivo, mit dem 15-jährigen Ich zu verbinden, war es mir wichtig, mich nochmal in die Popkultur einzuarbeiten, auf den Sound zu gucken: Wie klingen diese Figuren eigentlich? Auch Musik zu hören - das war besonders wichtig", erzählt Dittloff. Die Zerrissenheit des Teenager-Daseins Den Sound der 90er-Jahre-Jugend transportiert das Buch erfrischend klischee- und nostalgiefrei, quasi nebenbei. Auch Ivos Sprache liest sich authentisch und unverkrampft. Seine Gedanken - manchmal ehrlich egoistisch, dann wieder naiv idealistisch - zeigen die Zerrissenheit des Teenagers deutlich. Er zieht zu Karla ins Gästezimmer, nimmt einen Job an und sagt andere Dinge ab - und vor allem lernt er, auf sich selbst zu hören, sagt Christian Dittloff: "Und dass es im Leben gar nicht immer darum geht, es allen recht zu machen, sondern klar zu kommunizieren, was die eigenen Grenzen, Fähigkeiten sind, um dann freundschaftlich und gemeinschaftlich zu gucken, wie wir uns allen gegenseitig helfen können. Aber eine einzelne Person hat niemals die Verantwortung dafür, dass es allen gut geht." Eingebettet in ein Netz aus Freundschaft und Familie finden Ivo und Karla ihren eigenen Weg, Verantwortung zu verteilen - in einem gefühlvollen Coming-of-Age-Roman.