Erstes Gebäude aus dem 3D-Drucker im Norden: Einzug in Selsingen
Stand: 07.07.2026 09:33 Uhr In Selsingen steht das erste per 3D-Drucker gebaute Haus in Norddeutschland. Bei dem Bau lief jedoch nicht alles rund. Und auch die Ansichten zur Optik des Gebäudes gehen auseinander. von Thees Jagels "Die Meinungen reichen von: 'Das sieht aus wie ein Betonbunker', bis zur totalen Begeisterung über die speziellen Formen", erzählt Bauherr Bernd Mergard. Ende Juni ist er mit seinem Team in das Bürogebäude in Selsingen im Landkreis Rotenburg (Wümme) eingezogen. Eigentlich sollte das Haus schon im Dezember vergangenen Jahres fertiggestellt werden. Doch das Datum konnte aus mehreren Gründen nicht eingehalten werden. "Es ist falscher Beton angeliefert worden, beziehungsweise falsch eingeblasen worden in den Trockensilo, sodass wir raue Oberflächen mit sehr vielen Lunken hatten", erzählt Mergard. "Da mussten wir Wände wieder abbrechen." Zudem habe der norddeutsche Wind die Arbeiten des Portaldruckers erschwert. "Der Beton ist dadurch schneller abgebunden und dadurch hatten wir Risse in den Wänden." Auch dort musste das Team gegenarbeiten. Handwerk für Innenausbau gefragt In 105 Stunden hat der 3D-Drucker die Wände des Gebäudes gedruckt. Statt sieben Maurern - wie bei einem konventionellen Bau - waren hier nur zwei notwendig. Die haben per Tablet die Arbeit des Druckers überwacht und falls nötig nachgebessert. Für Zwischendecken, Dach und Innenausbau war dann noch klassisches Handwerk gefragt. Bernd Mergard und sein Team freuen sich über das neue Büro. "Wir fühlen uns hier pudelwohl, schätzen vor allem Raumklima und Akustik". Die sei auf die wellenförmige Form der Mauern aus dem 3D-Drucker zurückzuführen. "Ich spreche da gerne vom Eierpappeneffekt", sagt Mergard. Weitere 3D-Druck Häuser in Planung Mit seiner Baufirma will Mergard weitere Häuser mit dem 3D-Drucker in Norddeutschland bauen. "Wir haben riesige Potenziale, Kosten einzusparen. Sowohl bei den Materialmengen, als auch bei Statik-Fragen", sagt Mergard. Das Sparpotential liege aktuell bei rund zehn Prozent gegenüber konventionellen Bauten. "Und auch architektonische Überlegungen spielen da eine Rolle", sagt Mergard. "Ein Architekt hat hier ganz andere Möglichkeiten." In Selsingen seien die Kosten wegen der Anfangsschwierigkeiten aber noch nicht niedriger gewesen. "Dafür haben wir jetzt erste Erfahrungen mit dem Drucker und einen Lerneffekt."