Es gab offenbar schon Anrufe in Europa: Trump soll Selenskyj mit Waffen
Kurz vor einem für die Ukraine absehbar verheerenden Winter und den US-Zwischenwahlen erhöht Donald Trump massiv den Druck auf Kyjiw: Der US-Präsident kündigte Diesel-Lieferungen aus dem mit internationalen Sanktionen belegten Russland an und er forderte die Ablösung des ukrainischen Präsidenten. Ferner drohen die USA offenbar den Stopp von Waffenlieferungen und die Weitergabe von Geheimdiensterkenntnissen an. Beides würde die Ukraine hart treffen.
Drohung Nr. 1: Keine US-Geheimdiensthilfe mehr für die Ukraine
Die „Financial Times“ („FT“) berichtet in zwei Artikeln über die Drohungen. Der mögliche Info-Stopp kam demnach bei einem Treffen von Trumps Unterhändlern mit einer ukrainischen Delegation am Freitag in Miami zur Sprache, schreibt die „FT“ mit Verweis auf zwei Quellen.
Ein ukrainischer Verhandler sprach gegenüber der Zeitung von einer „nachdrücklichen Forderung“ Trumps.
Der US-Präsident ist offenkundig verärgert. Grund sind die ukrainischen Angriffe auf russische Öl-Anlagen. Sie wurden dieses Jahr ausgeweitet und sind indirekte Attacken auf die Kriegskasse des russischen Präsidenten Wladimir Putin. In Trumps Darstellung jedoch sind sie für die weltweit hohen Ölpreise verantwortlich. Zwar hat er die fossile Energiekrise mit seinem Iran-Krieg maßgeblich selbst verursacht, doch dieser Zusammenhang rückt angesichts seiner miserablen Umfragewerte in den USA in den Hintergrund. Ein externer Schuldiger kommt ihm da gelegener.
In Kyjiw kennt man Trumps Gebaren sehr gut: Kurz nach dem öffentlichen Streit von Selenskyj und Trump im Weißen Haus hatten die USA die Bereitstellung von Geheimdienstinformationen bereits zwischenzeitlich ausgesetzt. Auch wurde schon mehrfach damit gedroht, berichtet die „Financial Times“.
Problematisch an einem Stopp wäre vornehmlich der Verlust von Satellitenbildern, der hilfreich ist für ukrainische Angriffe in Russland. Zwar nutzte die ukrainische Armee Berichten zufolge dabei auch französische Geheimdiensterkenntnisse. Die amerikanische Satellitenüberwachung gilt jedoch als dichter und schneller.
Drohung Nr. 2: Keine US-Waffen mehr für die Ukraine
Granaten, Raketen und Abschussvorrichtungen werden nach einer Entscheidung der Trump-Regierung ohnehin längst nicht mehr als direkte Unterstützung in die Ukraine geschickt. Vielmehr müssen sie von Kyjiws Verbündeten in den Vereinigten Staaten gekauft werden. Doch auch das steht nun wohl zur Disposition.
Die Trump-Regierung drohe, das System zur Waffenbeschaffung einzustellen, berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf europäische Beamte. Es habe am Wochenende entsprechende Anrufe in Europa gegeben. Wiederum sei damit die Forderung an die Ukraine verknüpft, russische Öl-Anlagen nicht länger anzugreifen. Das Weiße Haus kommentierte die Berichterstattung gegenüber der „Financial Times“ nicht.
Fest steht: Die Ukraine ist trotz der eigenen, massiv ausgebauten Drohnenproduktion nach wie vor von Waffen abhängig, die in den USA produziert werden. Allen voran sind die Patriot-Abwehrraketen gegen ballistische Geschosse aus Russland zu nennen. Die Ukraine hat wiederholt angegeben, zu wenige davon zu haben. Trumps Iran-Krieg verschärfte diesen Mangel, weil viele der teuren Abwehrwaffen bei Teherans Gegenangriffen auf US-Verbündete im Nahen Osten verschossen worden waren. (mit dpa/AFP)
Anmerkung: Bei der Übersetzung einer russischen Quelle kam Künstliche Intelligenz zum Einsatz.