„Es hat sich immerzu unter dem Sitz versteckt“: Nach storniertem Flug in Kanada verteidigt Passagier das „verängstigte“ Kind
Nachdem ein Kleinkind sich nicht anschnallen ließ, musste ein Flug in Kanada wegen der nächtlichen Schließung der Start- und Landebahn gestrichen werden. Dazu haben sich nun betroffene Reisende geäußert. Ein Passagier sagte dem Sender CBC, die Streichung des Flugs habe zu „einer Menge Frustration“ geführt. Gleichzeitig nahm er das Kind in Schutz: Es habe sich nicht trotzig oder görenhaft verhalten, sondern schlicht Angst gehabt. „Es hat sich immerzu unter dem Sitz versteckt. Jedes Mal, wenn sie es zwangen, sich anzuschnallen, ist es unter dem Gurt wieder hindurchgeschlüpft“, sagte der Mann weiter. Was war passiert? Am vergangenen Donnerstagabend sollte eine Maschine der Porter Airlines aus Victoria im Westen des Landes nach Toronto abheben. Doch zum Start von Flug PD444 kam es nicht, wie unter anderem das Portal „Toronto.com“ schreibt. Denn als die Maschine das Terminal verlassen hatte und zur Startbahn rollte, stellte sich ein kleines Kind auf seinen Sitz und weigerte sich partout, seinen Sicherheitsgurt anzulegen. Alle Passagiere mussten aussteigen In dem Bericht wird aus einer Mail des Sprechers der Fluggesellschaft zitiert. Er teilte demnach mit: „Versuche des begleitenden Elternteils und der Crew, dies zu klären, blieben erfolglos.“ Und weiter: „Das Flugzeug konnte unter diesen unsicheren Bedingungen nicht abheben, daher entschied sich die Crew, zum Terminal zurückzukehren und die Passagiere aussteigen zu lassen.“ „Es hat ewig gedauert“, kommentierte eine weitere Passagierin das Prozedere. „Das Kind hat das Flugzeug gegen 23.30 Uhr verlassen, wir waren zu dieser Zeit fast eine Stunde im Flugzeug.“ Schließlich stiegen alle Passagiere über eine Fluggastbrücke aus, deren Gepäck dann auch geholt wurde. Bis die Flugpläne neu eingereicht und weitere Formalitäten erledigt worden seien, sei es 0.30 Uhr gewesen – und die Start- und Landebahn geschlossen gewesen. Eine Sprecherin des Flughafens bestätigte der „New York Times“ die Darstellung der Airline. Der Flug sei aufgrund der „planmäßigen Schließung des Flugfelds“ gestrichen worden. „Wir entschuldigen uns für die Auswirkungen, die dies auf die anderen Passagiere hatte, die am folgenden Tag mit einem Flug abfliegen konnten“, sagte der Airline-Sprecher. Der neu angesetzte Flug PD444 startete laut dem Branchenportal FlightAware am Freitagabend von Victoria und kam am Samstagmorgen kurz nach 6.15 Uhr in Toronto an. Unmut auf Social Media Wie viele Fluggäste betroffen waren, ist unklar. In sozialen Medien heißt es, rund 100 Passagiere seien über Nacht in Victoria gestrandet. Offiziellen Angaben zufolge hatte die Maschine 132 Sitzplätze. Mehrere Passagiere bemängelten die schlechte Kommunikation von Porter Airlines: Man habe die Gestrandeten sich selbst überlassen, so der Vorwurf. Die Airline hat laut CBC Toronto bisher nicht erklärt, ob es Entschädigungen geben wird. Keine Angaben gibt es bisher auch dazu, ob der Zwischenfall Folgen für das Elternteil hat. Heftig diskutiert wird beispielsweise auf der Plattform X, warum alle Passagiere aussteigen mussten und nicht nur das Elternteil mit dem Kind, das sich weigerte, den Sicherheitsgurt anzulegen. Wie wichtig dieser werden kann, spürte vor ein paar Wochen ein Passagier auf einem Ryanair-Flug von Thessaloniki nach Memmingen. In der Maschine platzte am 10. Juli kurz nach dem Start eine Scheibe. Der Mann wurde durch die Öffnung fast nach draußen gesogen, andere Reisende zogen den angeschnallten Mann zurück. Der Mann wurde bei dem Vorfall verletzt und musste in einem Krankenhaus behandelt werden. Wie sich später herausstellte, wurde das Fenster durch ein Trümmerteil beschädigt, das sich von einem der Triebwerke des Flugzeugs gelöst hatte. (lem/doe)