„Es war eine krass bedrohliche Situation“: Mann beleidigt Grünen
Der Berliner Grünen-Politiker Daniel Eliasson ist bei einer Wahlkampf-Aktion antisemitisch beleidigt und angegriffen worden. Über den Vorfall berichtet Eliasson in einem Instagram-Video. Er tritt als Direktkandidat in seinem Bezirk Steglitz-Zehlendorf für die Berlin-Wahl am 20. September an.
Bei der Polizei ist eine entsprechende Anzeige eingegangen. Diese hat Eliasson einem Polizeisprecher zufolge gegen 13 Uhr auf einer nahgelegenen Polizeiwache erstattet. Ermittelt wird wegen Beleidigung, Volksverhetzung und versuchter Körperverletzung.
In dem Video berichtet der Politiker, er habe gerade vor einem Supermarkt in Steglitz Wahlkampf gemacht und Flyer verteilt, als ihn ein Mann angepöbelt habe. Zunächst habe der Mann seinen Unmut ausgedrückt darüber, was alles falsch laufe in der Politik. Dann soll er begonnen haben, über Juden herzuziehen und diese zu beschimpfen.
Als Eliasson ihn bat, damit aufzuhören, und sagte, dass er selbst jüdisch sei, soll der Mann versucht haben, ihm ins Gesicht zu schlagen. Er verfehlte sein Gesicht aber knapp. Der Mann habe „scheiß Juden“ und „Dreckspenner“ gerufen. „Es war eine krass bedrohliche Situation“, sagt Eliasson in dem Video. Der Mann habe ihm sogar seinen Ausweis gezeigt und gesagt: „Zeig mich an.“ Der Vorfall zeige, so Eliasson, wie sehr Antisemitismus in Berlin ein Problem sei – zu Angriffen komme es überall – egal ob in Steglitz oder Neukölln.
Die beiden Landesvorsitzenden der Grünen in Berlin, Nina Stahr und Philmon Ghirmai, verurteilten den Angriff: „Wir stehen geschlossen und solidarisch hinter Daniel Eliasson. Antisemitismus ist eine konkrete Gefahr in Berlin – für Jüdinnen und Juden, aber auch für das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt“, teilten sie mit. Antisemitismus müsse überall gemeinsam bekämpft und Betroffene geschützt werden. „Und zwar egal, aus welcher Richtung der Hass kommt.“
Auch der Kreisvorstand der Grünen sprach sein Entsetzen aus: „Dieser Vorfall erschüttert uns zutiefst“, teilte dieser mit. Der Vorstand sprach Daniel Eliasson sowie allen anderen Jüdinnen und Juden, die Opfer antisemitischer Hetze werden, Solidarität aus.
Der Kreisvorstand Steglitz-Zehlendorf ging außerdem auf einen weiteren Vorfall ein: Nur wenige Stunden nach dem Angriff habe Eliasson auf einer Demonstration am Hermann-Ehlers-Platz am Rathaus Steglitz gesprochen. Dabei ging es um mehr Vielfalt im Bibliotheksprogramm, nachdem die CDU‑Bildungsstadträtin Malgorzata Sijbrandij (CDU) sich gegen Drag-Lesungen in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek ausgesprochen hatte.
Eliasson habe den Angriff vor dem Supermarkt in seiner Rede aufgegriffen. Er habe danach alle aufgefordert, sich gegen jeden Antisemitismus einzusetzen. Er soll dabei auch Vorfälle bei den Neuköllner Linken benannt und deutlich gemacht haben, dass auch „Yalla-yalla-Antifada-Rufe“ antisemitisch seien. Daraufhin sollen die Veranstalter aus dem Umfeld der Linksjugend Eliasson das Mikrofon ausgeschaltet haben. „Wer einem Betroffenen antisemitischer Gewalt das Wort entzieht, sobald der Antisemitismus im eigenen Umfeld thematisiert wird, macht sich unglaubwürdig im Kampf gegen Hass und Hetze“, hieß es vom Kreisvorstand. Dieser forderte eine lückenlose Aufklärung des Angriffs sowie eine Entschuldigung der Veranstalter.